Für die „Funk-Stunde Berlin“ brauchte es immer ein wenig Geduld – zumindest für die Radiohörer, die sich nur einen Detektor leisten konnten. Eine feine Nadelspitze an einem Hebel musste an der richtigen Stelle auf einen Germaniumkristall gefummelt werden. Dafür arbeitet die rund 90 Jahre alte Apparatur, die ihre wenigen Bauteile dekorativ auf einem Holzkasten präsentiert, ohne Stromzufuhr – noch heute.
Besitzer dieses Relikts der Radiokultur ist der Büdinger Daniel Reuss. Der 34-Jährige sammelt seit 20 Jahre Radios, Fernseher und Audiogeräte, die Technikfans wie Designliebhaber dahinschmelzen lassen können – wie etwa der Kuba Komet.
„Als diese Geräte nicht mehr dem Zeitgeist entsprachen, hat man sie bald auf den Sperrmüll gebracht“, erzählt Reuss. Mit einem Gehäuse, das einem stilisierten Kometenschweif gleicht, gehörte das Rundfunkmöbel Ende der 50 Jahre zu den Spitzengeräten.
Neben einem TV, schwarz/ weiß natürlich, sind in der Konsole Radio, Tonband und ein Plattenspieler eingebaut, auf Schubladen aufziehbar. 2748 D-Mark kostet damals der tele- und audiophile Traum, der seine Klangfülle über acht Lautsprecher abstrahlt.
„Den Komet habe ich vor Jahren von einem älteren Ehepaar in der Eifel erworben“, berichtet Reuss. Es ist ihm wichtig, dass er „eine Geschichte mit dem Gerät verbinden kann“. Und wenn schon nicht der Kontakt zu ursprünglichen Besitzer möglich ist, so soll es für den gebürtigen Lorbacher doch das Gespräch mit dem Zwischenhändler etwa auf einem Flohmarkt sein. „Das Ebay ist mir einfach zu anonym“, sagt Daniel Reuss. Der Sammler will die Stücke aber auch gern vor dem Kauf begutachten. Für die Ersatzteilbeschaffung benutzt er das Auktionshaus allerdings schon.
Mit einem Sperrmüllfund, den Reuss als 14-Jähriger machte, brach seine Leidenschaft offen aus. „Ich hatte zuvor die Röhrenradios mit ihrem warmen Klang bewundert, die noch bei den älteren Leuten standen“, erzählt er. Dort hörte er auch von manch besonderer Beziehung zum Radio. „Die Menschen ließen bei ihrer Flucht aus dem Sudetenland Gegenstände zurück, nur um das große Radio auf dem Handkarren mitzunehmen zu können.“
Mehrere Zimmer seines Elternhauses sind inzwischen zu einem Radiomuseum geworden. Die Apparate konkurrieren zum Teil mit ihren fein furnierten Gehäusen im Jugendstil- und Bauhaus-Design sowie dem klobigen Gelsenkirchener Barock. Viele Geräte funktionieren noch, erzählt der Student der Nachrichtentechnik, der beruflich als Spezialist für Jukeboxen unterwegs ist.
Neben Aussehen und technische Besonderheit findet auch das Ausgefallene in seinem Sammlerherzen einen Platz – wie das Tefifon, dessen Medium aus einem Kunststoffband besteht, das Tonrillen wie eine Schallplatte aufweist. Mit 15 Jahren hielt sich das Tefifon bis 1965 erstaunlich lange auf dem Markt. Mit der Vinylplatte konnte es klanglich nicht mithalten und bei Künstlern schon gar nicht. „Es gab nur Interpreten der zweiten Garnitur und fast nur Schlagermusik“, erklärt er den Untergang des Endlosbandes.
Derzeit sind knapp 40 Exponate in Friedberg zu sehen. Daniel Reuss sucht nicht nur weiter interessante Geräte, sondern auch Räumlichkeiten für eine Dauerschau. Der Wunsch nach einem Museum lässt sich zu Hause nicht verwirklichen, bedauert er.
Historische Radios, Kreishaus Friedberg, Europaplatz, bis 29. Juni, montags bis donnerstags 8 bis 17 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr und freitags bis 14 Uhr. Daniel Reuss Telefon 06042/950031.

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