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Kanuten auf dem Trockenen

Wetterau Drei Abschnitte der Nidda sollen voraussichtlich für Boote gesperrt werden

        

Nicht immer gern gesehen – Kanuten in Aktion.
Nicht immer gern gesehen – Kanuten in Aktion.
Foto: Rumpenhorst/dpa

Kanuten auf der Nidda werden künftig einen kräftigen Bizeps benötigen – weniger für das Paddeln denn für das Boottragen. Für drei Flussabschnitte zwischen Nieder-Florstadt und Bad Vilbel wird eine Artenschutzrechtliche Einzelanordnung von der Unteren Naturschutzbehörde erarbeitet. Die Anordnung könnte ab Mitte März in Kraft treten, sagt Ralf Eichelmann, zuständig für Schutzgebiete und Schutzobjekte, der Frankfurter Rundschau. Zuvor soll ein Gutachten abgewartet und ein Gespräch mit dem Kanuverband geführt werden.

Nach jetzigem Stand soll die Nidda bei Ilbenstadt auf rund 1,5 Kilometer, bei Gronau die Nidda-Schleife mit ihrer Länge von 3,5 Kilometer und südlich der Bad Vilbeler Kernstadt zwischen Erlenbach-Mündung und B3-Brücke für jegliche Nutzer tabu sein. Diese Abschnitte müssten dann auf dem Landweg umgangen werden. Das Flussstück am Vilbeler Hallenbad, das ab Herbst renaturiert wird, ist hiervon ausgenommen.

Schwelender Konflikt

„Entlang der Nidda gibt es nur wenige Stellen, wo sich heute noch eine Artenvielfalt entwickeln kann“, begründet Eichelmann. So habe die Renaturierung des Nidda-Knies ausgestorbene Populationen wieder zurückgebracht wie die europäische Sumpfschildkröte und alte Fischarten.

Mit der Anordnung soll ein seit Jahren schwelender Konflikt zwischen Naturschützern, Angler auf der einen und Kanuten auf der anderen Seite, beendet werden. Die Beschwerden, dass mit Booten über Kiesbänke gefahren wird und dadurch Eiablagen von Fischen und Amphibien zerstört werden, haben sich in den vergangenen fünf Jahren erhöht, berichtet Eichelmann. Außerdem sei in diesem Zeitraum ein Anstieg des Kanuverkehrs auf dem Fluss verzeichnet worden.

Petra Schellhorn reagiert beim Thema Nidda derzeit leicht gereizt. „Wir begrüßen jede Renaturierungsmaßnahme, weil es kein Naturerlebnis bedeutet, in einem Kanal zu paddeln“, sagt die Vizepräsidentin des Hessischen Kanuverbandes. Die Organisation gebe Kurse für ein naturgerechtes Befahren von Flüssen. Die Regeln – etwa immer im Hauptstrom zubleiben – würden von den Vereinsmitgliedern auch beherzigt, betont Schellhorn. „Das Problem sind die kommerziellen Tourenanbieter und Verleiher.“

Für die vereinsgebundenen Kanuten im Rhein-Main-Gebiet stellt die Nidda den einzig befahrbaren Fluss neben dem Main dar, sagt Schellhorn. Der Nidda-Abschnitt auf Frankfurter Gemarkung ab Rödelheim eigene sich ob der Wehre nicht für alle Paddler.

Seit der Römerzeit werde die Nidda mit Booten befahren. Dieser Brauch dürfe mit der Renaturierung nicht verloren gehen. Schellhorn hofft auf einen guten Kompromiss im Gespräch mit der Kreisbehörde. Sie berichtet von ungefähr 80 Booten, mit denen sich Vereine in der Saison auf die Nidda in der Wetterau begeben. Das Harheimer Kanuunternehmen Schalles kommt mit ungefähr 15 Touren hinzu. „Es sind oft Schulklassen, die von Gronau bis Bonames fahren“, sagt Jörg Schalles.

Ob die Nidda bei einem teilweisen Kanuverbot aus dem Tourenführer zu streichen ist, steht noch offen. Laut Umweltbehörde soll die Anordnung zunächst nur für ein Jahr wirksam sein.

Autor:  Detlef Sundermann
Datum:  22 | 2 | 2012
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