Die Verhältnisse auf dem Lehrstellenmarkt kehren sich um. Standen bislang junge Leute um rare Ausbildungsplätze Schlange, so suchen nun Unternehmen händeringend Nachwuchskräfte. „Es wird zunehmend schwieriger, Auszubildende zu finden“, sagt Michael Wutzky, Personalleiter beim Karbener Büromöbelhersteller König + Neurath. Man müsse schon das eine odere andere Mal ein Auge bei den Schulnoten zudrücken. Jeden nimmt das Unternehmen allerdings nicht: Die Bewerber müssen sich in Tests und intensiven Gesprächen bewähren, so Wutzky.
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Gießen-Friedberg ist von dem Karbener Büromöbelhersteller ganz angetan: Sie hat ihn zum Ausbildungsbetrieb 2011 erkoren.
Der 1925 gegründete Büromöbelhersteller König + Neurath ist der zweitgrößte Arbeitgeber in Karben.
Neben dem Hauptsitz Karben hat das Unternehmen noch ein Werk in Weißensee bei Erfurt. Insgesamt zählt das Unternehmen rund 1000 Beschäftigte, nahezu 90 Prozent davon in Karben.
König + Neurath bildet Holzmechanikerer, Industrie- und Werkzeugmechaniker, Mechatroniker und Industriekaufleute aus.
Darüber hinaus werden Berufsakademie-Studiengänge in Engineering Holz, Betriebswirtschaftslehre und Office Consulting angeboten.
Insgesamt nimmt das Unternehmen alljährlich zwischen 34 und 38 Auszubildende auf.
Nina Braumann und Julia Simmert, die bei König + Neurath zu Industriekauffrauen ausgebildet wurden, haben im Januar nicht nur vorzeitig ihre Abschlussprüfung absolviert, sondern auch noch die Note „sehr gut“ erhalten, führt Rainer Dietz, Vorsitzender des Ausbildungsausschusses der IHK, als Beleg für die erfolgreiche Ausbildung des Unternehmens an.
König + Neurath habe sich zudem in den vergangenen Jahren regelmäßig an Ausbildungsmessen beteiligt und dabei gute Ideen entwickelt. So stellten sie zum Beispiel auf der Ausbildungsmesse „Berufswegekompass“ jungen Besuchern praktische Prüfungsarbeiten vor, führt Dietz weiter an.
Auch am „Girls Day“, bei dem Mädchen in Männerberufe schnuppern, beteiligt sich König + Neurath regelmäßig – allerdings mit mäßigem Erfolg. 15 bis 20 Mädchen sind es, die sich alljährlich bei dem Büromöbelhersteller die klassischen Männerberufe anschauen. Der Anteil der Mädchen in der Ausbildung zum Holzmechaniker, Industrie- und Werkzeugmechaniker und Mechatroniker ist fast Null. Nur bei den Holzmechanikern ist seit 2008 in jedem Ausbildungsgang ein Mädchen. Die zieht es mehr ins Büro als an die Werkbank: In der kaufmännischen Ausbildung stellen sie die Hälfte der Auszubildenden.
Im Bezirk der IHK, der neben dem Wetteraukreis die Kreise Vogelsberg und Gießen umfasst, sind im vergangenen Jahr 5,1 Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen worden, berichtet Dietz. 2271 Verträge seien es insgesamt gewesen, 110 mehr als im Jahr zuvor. Dietz spricht von einem „rekordverdächtigen Ergebnis“. Damit liege die IHK Gießen-Friedberg nicht nur über dem hessischen Durchschnitt von 4,3 Prozent, sondern auch über dem Bundesdurchschnitt von 4,7 Prozent. Seit 2001 sei die Zahl der Ausbildungsplätze im Bezirk kontinuierlich gewachsen.

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