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Neonazis planen "Hessenkongress"

Wetterau Konspiratives Treffen eventuell in Wölfersheim / Antifa-BI ruft zu Widerstand auf

Die einstige NPD-Hochburg Wölfersheim könnte am kommenden Samstag Ort eines konspirativen "Hessenkongresses" der rechtsextremen NPD und sogenannter freier Kameradschaften sein. Nach Informationen der Antifaschistischen Bildungsinitiative Wetterau (Antifa-BI) haben die Neonazis in die Gaststätte "Linde" im Ortsteil Wohnbach eingeladen. Dort tagen immer wieder Rechtsextreme. Nachdem der Veranstaltungsort aufgeflogen ist, könnten sich die Neonazis nach einem anderen Treffpunkt umsehen, meint die BI. Sollten die Rechtsextremen dennoch in Wölfersheim tagen, wolle sie Gegenveranstaltungen organisieren.

Es sei eine bekannte Taktik der Rechtsextremen, für solche Veranstaltungen mehrere Treffpunkte zur Auswahl zu haben, sagt der Sprecher der Wetterauer Polizei, Willi Schwarz. Die Polizei werde am Samstag den Wölfersheimer Ortsteil im Auge behalten. Die Gaststätte sei als Veranstaltungsort von Rechtsextremen bekannt.

Konzert gegen rechts

Sounds of Tolerance ist das Motto eines Konzerts am Samstag, 13. Dezember, ab 20 Uhr im Kulturbahnhof Lokschuppen in Nidda, Über der Breit 2. Es spielen die Bands Paranoia (Hardcore/Wetterau), Urbanaked (Metal/Wetterau-Gießen) und Savoy (Rock/Gießen). Der Eintritt kostet 4 Euro. Veranstalter sind die Antifaschistische Bildungsinitiative (Antifa-BI) Wetterau und die Jusos der SPD Wetterau.

Die Gemeinde Wölfersheim könne nichts unternehmen, wenn das Treffen in Wohnbach sein sollte, da es sich um eine private Veranstaltung handle, sagt Bürgermeister Rouven Kötter (SPD). "Es ist schlimm, dass der Wirt so was macht", beklagt der Rathauschef, dass die "Linde" zum Versammlungsort Rechtsextremer geworden ist. "Wir gehen dort nicht mehr hin", sagt der Sozialdemokrat und meint damit seine Partei.

Wölfersheim hat sich recht erfolgreich gegen sein braunes Image gewehrt. Lange Zeit war die einstige Bergarbeitergemeinde die bundesdeutsche Hochburg der NPD. Die Rechtsextremen waren zur zweitstärksten Kraft hinter der SPD aufgestiegen. Durch eine Mischung aus Nichtbeachtung, Isolierung und einem Bündnis der Demokraten gelang es den Wölfersheimern, die NPD ins Abseits zu stellen. Bei der Kommunalwahl 2006 kam sie noch auf 10,4 Prozent der Stimmen. Bei der Bürgermeisterwahl im Mai dieses Jahres musste sich der NPD-Kreisvorsitzende Daniel Lachmann gar mit 1,8 Prozent der Stimmen begnügen. Bürgermeister Kötter geht davon aus, dass sich der Abwärtstrend der NPD in Wölfersheim fortsetzen werde.

Die Antifa-BI befürchtet jedoch, dass Wölfersheim "wieder Veranstaltungsort und Rückzugsraum von Neonazis aus Hessen und den angrenzenden Bundesländern" werden könnte, nachdem der NPD-Funktionär Marcel Wöll sein "nationales Schulungszentrum" in Butzbach-Hoch-Weisel aufgegeben hat und fortgezogen ist. Butzbach war zu einem Zentrum der Neonazis geworden, nachdem sich Wöll mit Gesinnungsgenossen im April 2005 in einem Haus in dem Butzbacher Stadtteil eingenistet hatte.

Freiheitsstrafe für Wöll

Gegen die neonazistischen Eindringlinge formierte sich das "Butzbacher Bündnis für Demokratie und Toleranz". Weil er als Kreistagsabgeordneter den Holocaust geleugnet hatte, wurde Wöll im Juni dieses Jahres wegen Volksverhetzung zu vier Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt. Er verließ Butzbach und die Wetterau. Wöll war es laut Antifa-BI auch, der den sogenannten Hessenkongress initiiert hat.

Autor:  BRUNO RIEB
Datum:  10 | 12 | 2008
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