Christine und Rüdiger Hauber haben im Verein Bürgeraktive die Selbsthilfegruppe für seelisch und körperlich Behinderte gegründet. Sie trägt den Titel „Behinderte ins Leben integrieren“ (Bili). Die Tatsache, dass es in der Stadtverwaltung keine Anlaufstelle für Behinderte gibt, hat Christine Hauber zu der Initiative veranlasst.
„Die vom Seniorenbüro staunten nicht schlecht, als eine junge Frau im Rollstuhl herein fuhr“, erzählt Christine Hauber. Als die 36-Jährige nach Bad Vilbel zog und im Rathaus den obligaten Papierkram erledigen wollte, wurde sie vom Familienbüro zum Seniorenbüro geschickt. Dort wusste man mit Haubers Ansinnen gar nichts anzufangen. Für Behinderte ist niemand in den städtischen Ämtern zuständig, so Haubers Erkenntnis. Mit jedem Antrag müssten sich die Betroffenen an eine andere Stelle, an einen anderen Ort wenden. Für den Behindertenausweis müsse sogar die Reise nach Gießen angetreten werden.
Die Selbsthilfegruppe will deshalb nicht nur Gespräche oder gemeinsame Unternehmungen anbieten, sondern auch beratend wirken. Als Beispiele nennt Hauber den Antrag für Hilfsmittel oder auf eine Pflegestufe.
Erfahrung gesammelt
Auch Eva Raboldt, Leiterin Bürgeraktive, weiß aus zwei ähnlichen Fällen um die Notwendigkeit einer Beratungsstelle. „Es gibt zwar einen Behindertenbeauftragten, der besitzt jedoch kein Amt.“ Sein Augenmerk liege mehr auf der barrierefreien Erschließung des öffentlichen Raumes.
Für Christine und Rüdiger Hauber ist es nicht der Sprung ins kalte Wasser. Die Beschäftigte im Behindertenwerk Friedberg erzählt, dass die sich in der Behindertenarbeit in der Christusgemeinde engagiert. Für die Leitung der Selbsthilfegruppe hat sie eine Fortbildung besucht.
Konkrete Kooperationszusagen von städtischen Ämtern gibt es noch nicht. Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) habe die Gründung von Bili als „tolle Idee“ bezeichnet und die Zuständigkeit an Sozialdezernent Jörg Frank (CDU) weitergereicht. Der habe sich bislang noch nicht gemeldet.
Eva Raboldt sieht eine mögliche Verknüpfung von Bili mit der Alwo (alternatives Wohnen für behinderte Menschen), an der zwölf Familien teilnehmen. Aber auch für Bili werde ein langer Atem benötigt, so Raboldt. (sun)
Die Selbsthilfegruppe Bili trifft sich jeden 1. und 3. Montag, 15 bis 17 Uhr, im Haus der Begegnung, Am Marktplatz 2.

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