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Rechtsextreme Gewalt in Hessen: Mann nackt über Straße gejagt

Ein Schlägertrupp zerrt den 58-Jährigen von einer Leiter, stürzt sich auf ihn, stößt ihn zu Boden und reißt ihm die Hosen vom Leib. Die Polizei sieht den rechtsextremen Schlägern zu. Von Bruno Rieb

Springerstiefel - ein Symbol der rechten Szene.
Springerstiefel - ein Symbol der rechten Szene.
Foto: dpa

Ein Schlägertrupp zerrt den 58-Jährigen von einer Leiter, stürzt sich auf ihn, stößt ihn zu Boden und reißt ihm die Hosen vom Leib. Halbnackt flüchtet das Opfer unter obszönen Bemerkungen der Schläger in sein Haus. Polizisten schauen tatenlos zu. Seit Donnerstag ist dieses Video auf der Internetplattform Youtube zu sehen. "Ich bin erschüttert", sagt Werner Schubert, das Opfer, der bei dem Angriff eine Wunde am Kopf und Schürfwunden am Rücken erlitten hat.

Das Video ist offenbar als Warnung an die "Bürgerinitiative Grätsche gegen Rechts" in Echzell gedacht, deren Mitglied Schubert ist. In miserablem Deutsch ist der Text eingeblendet: "jetzt kann sich das ganze ort mal ein bild machen was die so zusagene bürgerinitiative für ein haufen ist und was die für einen müll von sich geben."

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Ein Festival der Grätsche gegen Rechts mit den Bands Fräulein Wunder und Hartmann ist am Samstag, 28. August, ab 16 Uhr auf dem Sportplatz in Echzell-Gettenau. Die BI ist unter Telefon 0151/21958858 zu erreichen.

Eingestellt hat den Streifen "pauldeprinz". Es ist eines der Pseudonyme eines bekannten Rechtsextremen. Seit der seine Aktivitäten in seine Hofreite im Echzeller Ortsteil Gettenau in der Wetterau verlegt hat, ist dort nichts mehr wie es war. Zuvor hatte der Mann im nahen Wölfersheim den Tätowierladen "Old Brothers" betrieben und im Internet T-Shirts mit rassistischen Aufdrucken verkauft. Firmenzeichen der "Old Brothers" ist ein Totenkopf, der an das Symbol der Totenkopfverbände der Waffen-SS erinnert.

Die Gemeinde Wölfersheim hat den rechten Laden vertrieben. Auf ihr Drängen kündigte der Vermieter dem Neonazi die Geschäftsräume. Der ist nun in Gettenau aktiv. Seither haben es die Anwohner mit lautstarken Feiern, Pöbeleien und Schlägereien zu tun. Als sich Ende vergangenen Jahres ein Anwohner beschwerte, weil am frühen Samstagmorgen rechtsextreme Parolen gegrölt wurden, wurde er zusammengeschlagen.

Ende April, kurz nach Hitlers Geburtstag, kamen im "Old Brothers Castle", wie der Mann seine Hofreite nennt, 70 Leute unter dem Motto "Wir feiern nach" zusammen. Die Polizei löste die Versammlung gemeinsam mit dem Ordnungsamt auf.

Gegen das Treiben der Neonazis formierte sich vor einem halben Jahr die "Bürgerinitiative Grätsche gegen Rechtsaußen", die von der Gemeinde unterstützt wird. Einmütig hat das Gemeindeparlament eine "Resolution gegen Rechtsextremismus" beschlossen. "Hass und Gewalt, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus dürfen in unserer Gemeinde keine Chance haben", heißt es dort. Der Sportkreis Wetterau unterstützte die BI mit einer Spende. Kaum war das bekannt geworden, wurde das Auto der BI-Sprecherin Olivia Bickerle zerkratzt. "Man fühlt sich ständig bedroht", sagt sie.

Weder Schubert noch Bickerle lassen sich durch den Terror einschüchtern. "Jetzt erst recht", sagt Schubert, der inzwischen einen Anwalt wegen des Youtube-Videos eingeschaltet hat. Beide kritisieren, dass die Polizei an jenem Abend nicht eingeschritten ist.

Die Sache werde geprüft, sagt der Sprecher der Wetterauer Polizei Jörg Reinemer. Der Leiter des Echzeller Ordnungsamtes Thomas Alber prüft indessen, ob die Gemeinde gegen die Kameras an der Hofreite des Nazis vorgehen kann. Mit einer dieser Kameras wurde das Video aufgenommen. Sie war auch Anlass des Streits, in dessen Folge Schubert misshandelt wurde - er wollte die Kamera von seinem Haus abwenden.

Autor:  Bruno Rieb
Datum:  7 | 7 | 2010
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