Bei der Moschee hatte ich viele Fragen“, berichtet die 14-jährige Vanessa Gebhardt von einem Besuch ihrer Klasse in dem muslimischen Gotteshaus. „Vor allem das mit dem Händewaschen ist bei mir nicht so.“ Sie selbst ist in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, doch in der Brunnenschule lernt sie auch viel über andere Religionen und Kulturen.
Elsherbiny Areba (16), der wie Vanessa in die neunte Klasse geht, kennt sich aus in der Moschee, er kommt aus einem muslimischen Elternhaus. Und so ist er es, der seinen Mitschülern erklärt, wie sich ein Muslim beim Beten richtig verbeugt. Dazu hat er von Zuhause einen Gebetsteppich mitgebracht. Mitschüler Marcel Braune (15) macht vor, wie es geht. Elsherbiny korrigiert ihn. Später probiert es die ganze Klasse aus.
110 Schüler und Schülerinnen besuchen die Förderschule des Wetteraukreises. Sie wohnen überwiegend in Bad Vilbel und Karben.
36 Schüler haben einen Migrationshintergrund. Ihre Eltern oder sie selbst kommen aus 21 Ländern.
Unterrichtet werden sie von 21 Lehrerinnen, fünf Lehrern und drei Referendarinnen.
„Es geht ja auch darum, selbst ein Gefühl dafür zu bekommen“, sagt Klassenlehrerin Margret Cost-Frase. Und das wiederum setze eine Eigendynamik in Gang. Als Elsherbiny gezeigt habe, wie die Gebetshaltung gehe, habe sich eine Schülerin gemeldet und darauf hingewiesen, dass das ja für Frauen ganz anders gehe.
„Dadurch, dass wir uns mit den Themen beschäftigen, kommt es zu einem interessanten Austausch untereinander“, sagt Cost-Frase. Durch den Vortrag etwa, den eine hinduistische Schülerin aus Sri Lanka über ihre Religion und Kultur hielt, hat auch Lehrerin Andrea Reimann etwas gelernt. Und Schülerin Nivethaa Mahalingam (16) fühlt sich jetzt von ihren Mitschülern viel besser verstanden.
Den Moscheebesuch und das Ausprobieren der Gebetshaltung haben Schüler und Lehrer auf Bildern dokumentiert. Die besten haben sie eingeschweißt und als Ringbuch gebunden. Außerdem hat Marcel bei der Vollversammlung der Schule davon erzählt.
„Es soll immer ein Wechsel sein zwischen kurzlebigen Aktionen, der Dokumentation und langfristig wirkenden Projekten“, sagt Schulleiter Uwe Ebert. So ist es auch beim Großprojekt Brunnenbau: Zusammen mit einem Bildhauer arbeiten die Schüler an einem Sandsteinbrunnen für den Schulhof. Die Schüler ritzen Zeichen verschiedener Kulturen in den Stein, die Arbeitsschritte werden dokumentiert. Später hat die Schule einen neuen Brunnen.
All diese Aktivitäten sind Teil des „Trialogs der Kulturen“. Angeregt von einem Schulenwettbewerb, den die Herbert-Quandt-Stiftung seit 2005 auslobt, hat die Schule sich jedes Jahr ein Thema gesucht, über das die Schüler sich mit Religionen und verschiedenen Kulturen auseinandersetzen .
Im Schuljahr 2005/2006 belegte die Brunnenschule den ersten Platz. Mit dem Preisgeld von 17500 Euro hat sie seitdem den „Trialog“ weitergeführt. Entschieden hat das immer das Lehrerkollegium. Themen waren etwa Sport in den Kulturen. Oder Musik und Tanz. Jetzt hat sie das Thema des Wettbewerbs der Quandt-Stiftung aufgegriffen, an dem sie wieder teilnimmt: „Meine, Deine, unsere Welt – wie gestalten wir die Zukunft?“
Die Aktivitäten koordiniert eine Lenkungsgruppe aus mehreren Lehrern. „Es war noch nie schwer, Leute für die Steuerungsgruppe zu finden“, sagt Ebert. Und das, obwohl das mindestens drei Stunden unbezahlte Mehrarbeit für die Lehrer bedeutet.
Mit den acht anderen hessischen Schulen stellen die Schüler der Brunnenschule am Freitag ihre Projekte in Bad Homburg vor. Die Entscheidung über die besten Projekte fällt dann im Sommer.

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