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Wetterau: Römischer Gutshof als Attraktion

Die Rekonstruktion einer Villa rustica soll Touristen in die Wetterau locken. Das empfehlen zumindest Mitarbeiter einer Tourismusberatung aus Köln.

        

Der Entwurf der Anlage  – zunächst  soll das Haupthaus entstehen.
Der Entwurf der Anlage – zunächst soll das Haupthaus entstehen.
Foto: Architekt Kurt Kühnen

Ein rekonstruierter römischer Gutshof könnte 25000 bis 30000 Touristen pro Jahr in die Wetterau locken und bis zu zehn Arbeitsplätze schaffen. Diese Touristen würden alljährlich außerhalb der Anlage bis zu 700 000 Euro ausgeben. Das haben die Fremdenverkehrsexperten der IFT Freizeit und Tourismusberatung aus Köln errechnet.

Allerdings wird alleine das Haupthaus der Villa rustica, wie die Römer ihre Bauernhöfe nannten, 3,7 Millionen Euro kosten. Der Betrieb wird jährlich einen Zuschuss von etwa 240000 Euro verschlingen. Deshalb sucht Landrat Joachim Arnold (SPD) dringend Sponsoren für das Projekt. Am Montagabend wurde es im Kreishaus vorgestellt – eine „Begeisterungserweckungsveranstaltung“, so Arnold.

Der Landrat ist bereits begeistert von dem Projekt, das seit drei Jahren erwogen und nun konkret wird. Er sieht in dem Gutshof, der mehr Touristenspektakel als Forschungsstätte sein soll, eine lukrative Ergänzung zur Saalburg. Während dort das militärische Leben der Römer gezeigt wird, soll der Guthof das Dasein in der Kornkammer „erleb-, begreif- und erfühlbar“ machen. Die Römer hatten ihren Grenzwall um die fruchtbare Wetterau herum gezogen und über 100 Gutshöfe angelegt.

Drei Hektar groß soll die Villa werden – orientiert an Gutshöfen, wie sie bis Ende des 2. Jahrhunderts betrieben wurden. Einen Standort haben die Planer noch nicht ausgeguckt.

Taverne und Dampfbad

Architekt Kurt Kühnen, der die florierende Römervilla Borg im Saarland geplant hat, hat bereits das Haupthaus der Wetterauer Villa entworfen. Es ist ein mächtiges Bauwerk aus Hohlziegeln und Stahlbeton. Die sichtbaren Teile sollen aus historisch belegten Baustoffen bestehen. Eine 250 Quadratmeter große Empfangs- und Repräsentationshalle, eine 59 Quadratmeter große Küche mit Taverne und ein 134 Quadratmeter großer Badetrakt mit Heizung und Latrinen sollen im Erdgeschoss den luxuriösen Lebensstil darstellen. Im Obergeschoss sollen auf 270 Quadratmetern Museumsflächen und ein Schlafgemach Platz finden. Die 3,5 Millionen Euro Baukosten werden laut Planern zu einem „zusätzlichen neuen Regionaleinkommen“ von 1,7 Millionen Euro führen – das sei eine „Beschäftigungswirkung“ von „25 Personenjahren“.

Mit einer Villa rustica „wäre man in Deutschland ziemlich einmalig“, schwärmt Kreisarchäologe Jörg Lindenthal. Die Besucher erwarteten Mitmach-Aktivitäten wie Schuhe herstellen oder Getreide mahlen, sagt Günter Stelz von der Gruppe „Limitanei Taunenses“, die des Leben der Römer nachspielt.

Autor:  Bruno Rieb
Datum:  22 | 2 | 2011
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