Steinfurth ist das Zentrum des Rosenanbaues in Deutschland. Seit 1868 wird hier die Königin der Blumen landwirtschaftlich angebaut. 1990 eröffnete in dem Rosendorf, das inzwischen Stadtteil Bad Nauheims geworden war, „das weltweit einzige Museum zur Kunst- und Kulturgeschichte der Rose“. Auf der Internetseite der Stadt Bad Nauheim steht zu lesen: „Nicht nur die Rose überschreitet schon lange alle Grenzen. Auch das Rosenmuseum erfüllte nach und nach den eigenen Anspruch, weltoffenes Museum für die alle Grenzen überwindende Rose zu sein.“
Nun will die Regierungskoalition aus CDU und Grünen im Stadtparlament dem Museum eine Grenze setzen: Bis zum 30. September kommenden Jahres soll ein Konzept gefunden werden, wie das Museum in ehrenamtlicher Trägerschaft erhalten werden kann. Wird keine Lösung gefunden, soll das Museum an diesem Tag geschlossen werden. Das sieht ein Haushaltsbegleitbeschluss vor, den die Koalition in der Parlamentssitzung am heutigen Donnerstag verabschieden will.
Die Kurstadt steckt tief in den roten Zahlen. Ein Defizit von 7,5 Millionen Euro sieht der Haushalsentwurf für 2013 vor. Für das Rosenmuseum ist ein Zuschuss von 320.000 Euro veranschlagt, sagt Bürgermeister Armin Häuser (CDU).
Der Rathauschef wollte einst ein zentrales Museum für die Kurstadt schaffen, in dem die Stadtgeschichte ebenso gewürdigt werden sollte wie der einst hier weilende Rock ’n’ Roll-König Elvis Presley, die Salzgewinnung ebenso wie der Rosenanbau. Der Traum ist ausgeträumt. Das sei nicht finanzierbar gewesen, sagt Häuser. Als Standort war die Siedehalle der Saline vorgesehen. Die Umbaukosten wurden auf 13 Millionen Euro geschätzt.
Die UWG, drittstärkste Kraft im Parlament nach CDU und Grünen, lehnt den Haushaltsbegleitbeschluss zum Rosenmuseum ab. Die Schließung des Museums wäre ein „großer kultureller Verlust“, sagt UWG-Fraktionschef Gottfried Krüger. Er spricht von einem „Alleinstellungsmerkmal, das man nicht leichtfertig aufgeben sollte“. Das Museum allein mit ehrenamtlich Kräften zu betreiben, werde nicht funktionieren, meint er. Bei einer Schließung würde kein Geld gespart, denn das Gebäude müsse unterhalten und eventuell sogar kostspielig umgebaut werden. Das Personal könne nicht entlassen, sondern müsse anderswo beschäftigt werden. Der Zuschussbedarf könne aber verringert werden, wenn verstärkt ehrenamtliches Personal eingesetzt werde, meint er.
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