Die Stadt könnte bald wider Willen Besitzerin einer Immobilie an der Frankfurter Straße werden. Liselotte und Winfried G. wollen nicht an der künftigen Tiefgaragenausfahrt im Wasserweg der Neuen Mitte wohnen, vor allem aus gesundheitlichen Gründen. Eine Verlegung der Ausfahrt ist laut Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) nicht möglich. Nun will die Stadt das Problem mit dem Kauf des Hauses lösen.
Liselotte G. leidet unter einer chronischen Bronchitis und Lungenemphysem. Ihr Arzt hält die künftige Abgaskonzentration unter dem Wohnzimmerfenster seiner Patientin für sehr bedenklich. Seit zwei Jahren kämpfen die G.s gegen die Ausfahrt. „Wir haben gegen den Bebauungsplan Einspruch eingelegt, der ablehnt wurde“, sagt Liselotte G.. Insgesamt habe sich der Kontakt zum Rathaus schwierig gestaltet.
200 Stellplätze vorgesehen
Mit der Neuen Mitte ergibt sich für den Wasserweg eine neue bauliche und verkehrstechnische Situation, wie Winfried G. erklärt. Einst habe es in der Sackgasse nur zwölf öffentliche Parkplätze gegeben und der lichte Abstand zum nächsten Gebäude habe knapp zehn Meter betragen. „Mit der Neuen Mitte wird der Wasserweg zu einem 5,5 Meter breiten und mehr als zehn Meter hohen Schlauch, in dem Fahrzeuge mit laufendem Motor darauf warten, in die Frankfurter Straße gelassen zu werden“, sagt der 71-Jährige.
Die Tiefgarage soll 200 Stellplätze haben. „Ich gehe von einer mindestens achtfachen Belastung im Vergleich zu vorher aus“, so Winfried G.. Einen Gutachter-Wert gibt es offenbar nicht. „Die Berechnungen wurden nur für die Frankfurter Straße gemacht, nicht aber für den Wasserweg“, weiß Bewohnerin Liselotte G.. Die Frau konnte auch in Erfahrung bringen, dass die Tiefgarage bei Veranstaltungen auf der Frankfurter Straße in Höhe der Neuen Mitte als Umleitungsstrecke fungieren soll. Das bestätigte Rathauschef Stöhr. „Das soll aber die absolute Ausnahme bleiben.“
Laut den G.s hat Stadtrat Klaus Minkel (CDU) vor Monaten den Vorschlag eingebracht, das Haus, in dem Liselotte G. seit 56 Jahren lebt, zu kaufen. Ein Wertgutachter des Kreises habe die Immobilie bereits taxiert. „Für den Preis werden wir wohl nichts in Bad Vilbel finden“, so die Frau. Stöhr sagte der FR, man werde den G.s bei der Suche nach einer neuen Bleibe helfen. Ob es überhaupt zu dem Geschäft kommt, soll bis Jahresende geklärt werden. Auch stehe noch die Zustimmung des Parlaments aus, sagt Stöhr.
Ob Stadt, Stadtwerke Immobilien oder Neue-Mitte-Investor Hansgeorg Jehner das Haus erwerben und ob die Mieterin und der Knopfladen bleiben können, auf diese Fragen gibt es derzeit keine Antworten. Sollte die Stadt es kaufen, steht für Stöhr fest: „Über die Nutzung des Hauses sollen dann die städtischen Gremien entscheiden.“

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