Der Käse verläuft, der Teig wird knusprig-braun. Tomatensoße, Kräuter und Salami verströmen ihre Aromen. Es riecht nach Pizza, noch bevor der Kiosk "Chilspot" am Niddablick in Sichtweite ist. Pizza ist das Zugpferd des Büdchens am Stadtrand von Bad Vilbel. Sascha DiPalma übergibt zwei Schülern die Kartons mit der "heißen Ware".
Die Pizzen werden vor dem täglichen Ansturm ausgerollt und belegt, erläutert der 38-Jährige. Er wirbelt den Teig auf der Handfläche, wirft ihn hoch und fängt ihn gekonnt. Immer wieder kommen Kunden, die ein Päckchen Zigaretten oder ein paar Kaugummis wünschen. DiPalma hastet dann nach vorne und bedient die Kunden mit mehlweißen Händen. Stammgast Tufan begrüßt er mit Handschlag: "Ich komme jeden Tag", sagt Tufan.
Der "Chilspot" bietet vor allem hausgemachte Pizza und Salate an, daneben auch Getränke aller Art, Tageszeitungen, Süßigkeiten , Tabakwaren, Alkoholika und morgens Brötchen.
Die Pizzas kosten zwischen 4 Euro und 5,50 Euro.
Happy Hour ist von 11 bis 14 Uhr -
da kostet die Pizza einen Euro weniger.
Geöffnet ist der "Chilspot" am Niddablick 11a montags bis freitags von 8 bis 22 Uhr, samstags ab 13.30 Uhr.
Wer möchte, kann seine Pizza unter
der Telefonnummer 06101/958743 vorbestellen. (prka)
16 Vorbestellungen
"Heute ist der Wurm drin. 16 Vorbestellungen habe ich bis jetzt, erst vier habe ich vorbereitet. Aber das hole ich wieder auf", sagt DiPalma. Inzwischen ist Levent Akin gekommen, sein Chef und Kumpel, ebenfalls 38. Die beiden kennen sich seit 30 Jahren. Beide haben Familie, DiPalma ist erst vor Kurzem Vater geworden. "Alleine wäre das hier nicht zu stemmen. Selbst wenn wir uns mit den Schichten abwechseln, brauchen wir noch eine Aushilfe", sagt Akin.
Es ist 13 Uhr und vor dem Kiosk tummelt sich eine Schar Schüler. Über die Anlage läuft ein Live-Album von Depeche Mode. Der Pizzaofen brummt, die Scheiben des Kiosks laufen an. Der feine Qualm aus der Küche lässt die Augen tränen. Jetzt steht immer einer am Ofen und backt, während der andere die Kunden bedient.
Das Pizzabacken haben sie sich selbst beigebracht. "Wir haben uns damals den Ofen erklären lassen und erst mal ein bisschen ausprobiert. Aber wir hatten schnell raus, wie man es anstellen muss", sagt der gelernte Elektriker Akin, und sein Kollege ergänzt: "Ich habe vorher als Fleischer gearbeitet und eigentlich schon immer gern gekocht."
Seit fünf Jahren betreiben die beiden dieses nicht ganz gewöhnliche Kiosk-Modell, einfach sei es nicht immer gewesen. "Meistens denken die Leute bei so einer Bude doch an Penner und Bier", sagt DiPalma. Zu Beginn hätten viele Kunden nicht glauben wollen, dass die Pizza frisch zubereitet wird, erzählt Akin. "Die haben dann versucht, in die Küche zu gucken und wollten kontrollieren, dass wir auch alles richtig machen." Er zwinkert.
Schüler der John-F.-Kennedy-Schule und des Georg-Büchner-Gymnasiums sind die Hauptkunden des "Chilspot", aber auch das Berufsförderungswerk beschert gute Einnahmen. "Hier ist es nicht so, dass du 20 Jahre dieselben Stammkunden hast. Das wechselt eben alle paar Jahre durch die Leute, die beim Berufsförderungswerk sind."
Ein paar Nachzügler von der Kennedy-Schule kaufen Süßigkeiten - und bekommen eine Pizza geschenkt, die übrig geblieben ist. "Aber du musst mir versprechen, dass du ab jetzt kein Bayern-Fan mehr bist", ruft Akin einem der Jungs hinterher.
Nicht immer war Akin und DiPalma zum Scherzen zumute: Im ersten Jahr stiegen Einbrecher durch die Toilette ein. Sie hatten es auf die Zigaretten abgesehen. "Das hätte uns fast ruiniert", sagt DiPalma.
Willi, das Urgestein
Nach den Schülern kommen ein paar Stammkunden auf ein Bier oder zwei. Die Kioskbetreiber wissen: "Jede Kundengruppe hat ihre Zeit, das ist auch ganz gut so." Für Willi, nach eigener Aussage das "Urgestein" am Kiosk, bringt Akin extra einen Stuhl nach draußen. Der Rentner lässt sich darauf nieder, genießt die Frühlings-Sonne - und seinen Schoppen.

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