Die NPD provoziert und erntet Entrüstung. Am Samstag, 7. November, will sie in Friedberg aufmarschieren, dem Tag, an dem die Reichspogromnacht begann, dem Tag, der Auftakt zur Judenvernichtung in Deutschland war, dem Tag, an dem jüdische Geschäfte geplündert wurden, Synagogen in Flammen aufgingen und Menschen aus niedrigsten, nämlich rassistischen Beweggründen geschlagen, misshandelt und getötet wurden. Von 11 bis 21 Uhr wollen die Neonazis ausgerechnet an diesem Tag durch Friedberg marschieren.
Dagegen regt sich heftiger Protest. Hoch am Friedberger Kreishaus hängt ein riesiges Transparent mit der Aufschrift "Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen". Der Kreistag hat am Mittwoch mit den Stimmen aller demokratischen Parteien dazu aufgerufen, "sich zahlreich und friedlich an der vom Wetterauer Bündnis gegen Rechts, der Stadt Friedberg und dem Wetteraukreis geplanten Geh-Denk-Veranstaltung zu beteiligen".
Friedberg habe eine aufklärerische Tradition in der Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nazi-Regimes, sagt Bürgermeister Michael Keller (SPD). Der studierte Historiker hat selbst einiges zu dieser Aufklärung beigetragen. Auf diese Tradition stützen sich die Gegenaktionen. Eine Führung (deshalb Geh-Denken) führt zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung .
Der DGB hat ebenfalls eine Kundgebung angemeldet. Die soll vor dem Bahnhof sein. Zusammen mit dem Wetterauer Bündnis gegen Rechts will der Gewerkschaftsbund den NPD-Aufmarsch verhindern. Neonazi-Gegner haben bereits am 1. August einen NPD-Aufmarsch gestoppt. Damals wollte die Rechtsextremen erstmals seit Jahrzehnten in der Kreisstadt aufmarschieren. Die 150 NPD-Anhänger kamen nicht weit. Über 1000 Gegendemonstranten stoppten sie schon am Bahnhofsvorplatz.
Faschismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit dürften "keinen Platz in der Wetterau haben", sagt Landrat Joachim Arnold (SPD) und ruft "alle Demokraten auf, gewaltfrei gegen diesen Akt der Provokation vorzugehen". Unterstützung bekommen die Friedberger aus anderen Städten. In Karben ruft ein Bündnis aus DGB, Deutsch-Ausländischem Freundschaftskreis, Ausländerbeirat, Gesprächskreis Prävention und Initiative "Stolpersteine" zur Friedberger Geh-Denk-Aktion auf. "Nicht vergessen werden darf, dass auf den Straßen, auf denen heute Neonazis aufmarschieren wollen, im Jahr 1942 viele hundert Wetterauer Juden - auch aus Karben - gezwungen wurden, zum Bahnhof zu gehen, um von dort in Konzentrationslager, in den sicheren Tod deportiert zu werden", heißt es in dem Karbener Aufruf.
Das Niddaer Bündnis gegen Rechts will sich "gegenüber der Stadt Friedberg solidarisch und Flagge gegen die NPD zeigen" und wird dabei von der Stadt Nidda unterstützt. Das Bündnis will einen Bus chartern und nach Friedberg fahren (Abfahrt 8 Uhr am Niddaer Bürgerhaus).
Die Stadt Friedberg werde nicht juristisch gegen die NPD-Demonstration vorgehen, weil das keine Aussicht auf Erfolg haben, sagt Erster Stadtrat und Ordnungsdezernent Peter Ziebarth (CDU). Die Stadt werde aber eine Verfügung mit hohen Auflagen gegen den NPD-Aufmarsch erlassen, kündigte er an.

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