Mächtige Kräne errichten gerade die Türme der drei Windkrafträder, die sich zwischen Bruchenbrücken und Ober-Wöllstadt drehen sollen. Bis Ende Mai soll die Anlage in Betrieb sein, sagt Oliver Bieber, Projektleiter Hessen der Wiesbadener Firma Abo-Wind. Über sechs Millionen Euro investiert die Firma laut Bieber in die drei Windräder. Es ist die am heftigsten umstrittene Windkraftanlage in der Wetterau.
Die Bürgerinitiative Lebensraum Wetterau und die Gemeinde Wöllstadt sind gegen das Projekt Sturm gelaufen. Wöllstadts Rathauschef Alfons Götze (CDU) ist dadurch zu einer Art Don Quijote der Wetterauer Energiepolitik geworden.
Noch im März hatte die Gemeinde versucht, den Sofortvollzug für den Bau der Anlage vor dem Verwaltungsgericht in Gießen zu verhindern. Das Gericht lehnte den Eilantrag der Gemeinde ab. Die Windräder mit ihren 100 Meter hohen Masten und 38,5 Meter langen Rotorblättern würden weder einen für Wohngebiete nicht mehr hinnehmbaren Lärm verursachen noch würden sie zu einer nicht mehr hinnehmbaren Verschattung führen, urteilte die für Immissionsschutz zuständige 8. Kammer des Verwaltungsgerichtes.
Obwohl die Gemeinde Beschwerde gegen die Ablehnung des Eilantrages eingelegt hat und auch die Klage Wöllstadts gegen die Baugenehmigung noch nicht entschieden ist, sieht Abo-Wind nur ein sehr geringes juristisches Restrisiko. So ließ sie denn die Bauarbeiten beginnen.
„Wir sehen keine Chance mehr, sie zu verhindern“, sagt Peter Dangelmaier, Vorsitzender der Bürgerinitiative Lebensraum Wetterau, die die Anlage als „Windkraft-Monster“ bekämpft. Die BI werde sich nun darauf konzentrieren, dass die Lärmschutzgrenzwerte eingehalten werden. Die Anlage sei „politisch durchgewinkt worden“, meint der BI- Sprecher. Resigniert hätten die BI-Mitglieder nicht, so Dangelmaier. Die Mitgliederzahl sei mit 162 stabil geblieben. „Wir sind nach wie vor aktiv und bleiben aktiv“, sagt er.
Immerhin ist es der BI gelungen, zwei der ursprünglich von Abo-Wind geplanten fünf Windräder zu verhindern. Zwei Landwirte gaben ihre Felder nicht mehr dafür her.
Der Streit um die Windräder hatte sich jahrelang hingezogen. Ende 2004 hatte Abo-Wind den Bauantrag gestellt. Nach heftigen Bürgerprotesten verweigerte die Stadt Friedberg, auf deren Areal die Anlage entsteht, ihr Einvernehmen. Sie erließ eine Veränderungssperre und wollte nur höchstens 50 Meter hohe Windmühlen akzeptieren. Das Regierungspräsidium verweigerte Abo- Wind die Baugenehmigung.
Abo-Wind zog vor Gericht und bekam Recht. Das Verwaltungsgericht sah im Friedberger Bebauungsplan eine reine Verhinderungsplanung. Das Regierungspräsidium musste das Genehmigungsverfahren neu aufrollen. Die Stadt Friedberg gab angesichts der juristischen Schlappe ihren Widerstand auf. Die BI sammelte indessen über 5000 Unterschriften gegen die „Windkraft-Monster“. Im Mai 2010 genehmigte das Regierungspräsidium Darmstadt den Bau. Gegen die Baugenehmigung klagte die Gemeinde Wöllstadt. Die Entscheidung steht noch aus.
Im März begann Abo-Wind, die Baustraße zu der Anhöhe zwischen Bruchenbrücken und Ober-Wöllstadt anzulegen. Sie musste dabei Umwege in Kauf nehmen, weil Landwirte die Straße nicht auf ihren Feldern duldeten.

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