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Bahnhof Wächtersbach: Für Rollstuhlfahrer ungeeignet

Der Bahnhof Wächtersbach ist alles andere als einladend. Und der Bau einer behindertengerechten Rampe lässt weiter auf sich warten.

Der Hinterausgang in Wächtersbach wirkt recht heruntergekommen. Fahrräder müssen getragen werden.
Der Hinterausgang in Wächtersbach wirkt recht heruntergekommen. Fahrräder müssen getragen werden.
Foto: Hartung/FR

Bahnhöfe waren ursprünglich nicht nur reine Zweckbauten, sondern dienten auch der Repräsentation. Es gab Zeiten, da waren Bahnhofsrestaurants oft die besten in der Stadt. Ein wenig ahnt man noch von dieser gloriosen Epoche, wenn man vor dem Wächtersbacher Bahnhof steht: ein mächtiger Bau aus der Mitte des 19. Jahrhunderts mit vor nicht allzu langer Zeit offensichtlich neu gestrichener Fassade. Das Innenleben ist ein anderes Kapitel.

Die Stadt hat sich einige Mühe gegeben, den Vorplatz einigermaßen nett zu gestalten: ordentliche Bushaltestellen mit moderner Überdachung, viel Grünflächen, auf den es reichlich blüht. Da könnten sich die Gelnhäuser eine ordentliche Scheibe abschneiden.

Testnoten
Wächtersbach

Erreichbarkeit: innenstadtnah 3 Punkte

Wege: nur über Treppen 2 Punkte

Wartezeit: je kürzer, desto besser 1 Punkt

Service: nur das Notwendigste 1 Punkt

Der Bahnhof: vorne hui, hinten pfui 1 Punkt

Barrieren: alle denkbaren 0 Punkte

Sicherheit und Sauberkeit: fragwürdig 2 Punkte

Gesamturteil: hier ist sehr viel zu tun und viel überfällig 1 Punkt

Fahrgastaufkommen: 3000 Reisende pro Tag

Zahl der Gleise: 3 plus "Emma"

Zahl der ausgewiesenen Parkplätze: zirka 600

Zahl der Fahrradboxen: keine

Natürlich sind die wirklich guten Zeiten lange vorbei, beispielsweise jene, als hier noch D-Züge hielten. Heute sind es nur noch Regionalzüge zwischen Fulda und Frankfurt. Am frühen Morgen sind die Bahnsteige voll mit Pendlern, für die es auch genügend Parkplätze in unmittelbarer Nähe gibt. Für Radler steht direkt am Zugang zum finsteren Tunnel zu den Bahnsteigen eine marode Wellblechbude, in der sie ihre Drahtesel unterbringen können. Wenigstens trocken.

Gehen wir in den Bahnhof. Wenn wir können. Ein Mittwoch, kurz vor zwölf Uhr mittags. "Ich schließe jetzt ab", sagt eine junge Frau, die sonst hinter dem Schalter sitzt. Man mag es kaum glauben: Es gibt zwar diesen Schalter, aber der hat nur wenige Stunden morgens und nachmittags geöffnet. Mittwochs ist bereits um 11.45 Uhr Schluss. Und dann wird nicht nur der Schalter, sondern gleich die ganze Halle abgeriegelt (die allerdings bis auf vier Sitzbänke auch nichts zu bieten hat).

Das wird wohl seinen Grund haben, wir dürfen ihn vermutlich im Bereich Zerstörungswut suchen. Etwas abenteuerlich bleibt das dennoch. Schließlich sind wir hier nicht in einem Dorfbahnhof mit lediglich einem Morgen- und einem Abendzug. Also wird auf dem Bahnsteig gewartet, der (inklusive Unterführung) an diesem Tag unglaublich zugemüllt und verdreckt ist. Haltet die Mützen fest und die Kinderwagen: Alle paar Minuten donnert ein Güterzug an den nicht gerade breiten Bahnsteigen vorbei. Abfall flattert durch die Luft.

Wir haben es uns gedacht: Für Rollstuhlfahrer ungeeignet, steht an den Treppen-Abgängen zum Bahnsteigtunnel geschrieben. Behinderte haben in Wächtersbach keine Chance. Hoffnungsschimmer: Seit Jahren gibt es nun wieder aktualisierte Pläne und Vereinbarungen zum Bau einer behindertengerechten Rampe sowie von Unterstellplätzen für Motorräder und Fahrräder.

Wer ein dringendes Bedürfnis verspürt, kann immerhin ins Bistro gehen und darf dort zuvor 50 Cent bezahlen, denn die Toilette ist eigentlich nur für Gäste gedacht. Eine öffentliche gibt es nicht.

Der Bahnhof Wächtersbach ist alles andere als einladend. Bis auf das ganz gemütliche Bistro und den akzeptablen Vorplatz gibt es eigentlich nur einen echten Lichtblick: den Bahnsteig ganz hinten, von dem allsonntäglich die Museumsbahn "Emma" auf schmaler Spur nach Bad Orb schnauft. Denn jeder Zug, der sich von diesem Bahnhof entfernt, ist ein guter Zug.

Autor:  Andreas Zitzmann
Datum:  27 | 7 | 2010
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