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Bahnhofstest 2005: Die meisten Bahnhöfe sind nur Mittelmaß

Mehr als 40 Bahnstationen in Hessen hat die FR getestet. Der Fernbahnhof am Frankfurter Flughafen und der Hauptbahnhof Fulda schnitten am besten ab, die Schlusslichter bilden die Stationen in Babenhausen, Frankfurt-Höchst und Nidderau. Die sieben größten Ärgernisse - und was die Bahn dazu sagt.

Wiedersehensfreude und Abschiedsschmerz: An Bahnhöfen kommen Menschen mit unterschiedlichsten Gefühlen zusammen.
Wiedersehensfreude und Abschiedsschmerz: An Bahnhöfen kommen Menschen mit unterschiedlichsten Gefühlen zusammen.
Foto: Georg Kumpfmüller/FR

Fahrradständer

Ärgernis: Oft fehlen von Wetter und Diebstahl geschützte Abstellmöglichkeiten für Fahrräder.

DB: Viele Flächen, die zur Verfügung stehen, um die Intermodalität an Bahnhöfen zu verbessern, sind nicht im Besitz der Bahn. Hier werden in der Regel wirksame Schritte gemeinsam geplant und durch die Städte und Gemeinden umgesetzt. Denn nur dann kann an den Verkehrsstationen eine effektive Verknüpfung mit anderen Verkehrsträgern statt finden.

Konflikte mit Gemeinden

Ärgernis: Bei Kommunen gilt die Bahn als schwierige Verhandlungs-Partnerin.

DB: Die Deutsche Bahn bietet grundsätzlich die zu verkaufenden Empfangsgebäude erst den Gemeinden an. Ebenso ist die Bahn bestrebt, gemeinsam mit den Kommunen und Verkehrs-Tarifverbünden die Verkehrsstationen wie auch die Empfangsgebäude zu entwickeln. Dies gilt insbesondere auch für den Bereich um den Bahnhof mitsamt Vorplatz, Parkplätzen, Taxiständen und Fahrradabstellmöglichkeiten. Wirksame Schritte werden in der Regel nach gemeinsamer Planung durch die Städte und Gemeinden umgesetzt, da die hierfür zur Verfügung stehenden Flächen meist nicht im Besitz der Bahn sind. Unterschiedliche Interessen verursachen manchmal lange Prozesse zur Entscheidungsfindung – übrigens auch auf Seiten der Gemeinden und Parlamente –, da wesentliche Bestandteile der gemeinsamen Planung der Zeitpunkt der Durchführung und die Finanzierung sind.

Wartesituation

Ärgernis: Es gibt kaum geheizte Unterstellmöglichkeiten, manchmal fehlen Windschutz und Sitzmöglichkeit.

DB: Die Bahn finanziert je nach Bahnhofstyp (d.h. je nach Zahl der Fahrgäste, die dort einsteigen) eine bestimmte Grundausstattung für eine Verkehrsstation. Bei fast allen gibt es Wetterschutz, Sitzmöglichkeit usw. Diese Leistungen sind „im Fahrpreis inbegriffen“. Ein Kaffeeangebot lohnt sich für den Einzelhandel aber nur dort, wo die Fahrgäste tüchtig Kaffee trinken.

Sauberkeit

Ärgernis: Unterführungen stinken, auch sonst mangelt es an Sauberkeit.

DB: Die Putzintervalle sind je nach Nutzungsfrequenz der Bahnhöfe unterschiedlich. Die meisten Stationen werden täglich bis alle zwei Tage gereinigt.

Marode Gebäude

Ärgernis: Die Bahn lässt manchen schönen alten Bahnhof verlottern.

DB: Bahnhöfe spiegeln 150 Jahre Eisenbahngeschichte und gesellschaftliche Entwicklung. Es gibt prächtige Empfangsgebäude an kleinen Haltepunkt en, wenn der Kaiser früher dort einzusteigen pflegte. Aus den 1960ern gibt es Bauhaus-Architektur-Bahnhöfe in putzigen Kurorten. Heute ist der Bahnhof in erster Linie Einstiegspunkt zur Bahn. Nur bei den großen Bahnhöfen finanzieren „Shopper“ über die Ladenmieten zusätzlich stattliche Empfangsgebäude. Ob ein mittelgroßer Bahnhof als „Stadtmöbel“ eine kommunale Funktion erfüllen kann entscheidet die Gemeinde, die diese Funktion dann auch mitfinanziert. Die Fahrgäste wären nicht bereit, mit der Fahrkarte auch diese gesellschaftliche Funktion noch mit zu bezahlen. Die Bahn modernisiert derzeit die durchschnittlich 80 Jahre alten Bahnhöfe systematisch. Dies erfolgt fast immer in Zusammenarbeit mit den Kommunen.

Barrieren

Ärgernis: Wer mit Kinderwagen, schweren Koffern, Rollstuhl oder Fahrrad unterwegs ist, hat es oft schwer, das Gleis zu erreichen.

DB: Zur Steigerung der Attraktivität von Nah- und Fernverkehr werden an vielen Stationen Maßnahmen durchgeführt. Nicht erst seit Inkrafttreten des Behindertengleichstellungsgesetzes im Jahre 2002 ist die Bahn bestrebt, allen Mobilitätsansprüchen gerecht zu werden. So erhalten heute sämtliche Bahnhöfe, die neu oder umgebaut werden, eine barrierefreie Ausstattung. Hierbei handelt es sich z.B. um Bahnsteigerhöhungen, moderne Blindenleitsysteme im Bahnsteigbelag, Aufzugsanlagen oder Rampen. Gänzlich neue bauliche Anlagen werden modern gestaltet und großzügig dimensioniert, um den heutigen und zukünftigen verkehrlichen Anforderungen gerecht zu werden.

Fehlende Toiletten

Ärgernis: An vielen Bahnhöfen fehlen Toiletten und in den S-Bahnen gibt es auch keine.

DB: Bei kleinen Haltepunkten lohnt sich oft der Betrieb einer Toilette nicht, weil sich die Kunden nur sehr kurze Zeit im Bahnhof aufhalten. Mittlere und große Stationen verfügen fast immer über eine Toilette im Bahnhof oder eine öffentliche Toilette in unmittelbarer Nähe. Aber natürlich spielt auch das Thema Vandalismus eine Rolle. Gerade kleine Bahnhöfe können nicht rund um die Uhr besetzt sein. Und gerade solche unterliegen deshalb einem gewissen Vandalismus. Den Kampf um Instandsetzung und Vandalismus führen wir bereits seit vielen Jahren und werden ihn weiter führen. Doch leider werden unsere Fahrgäste gelegentlich auch auf eine Toilette treffen, die gerade außer Betrieb ist. Mit Ausnahme der S-Bahnen sind alle Züge der Deutschen Bahn mit Toiletten ausgestattet. Neueste Wagenparks verfügen bereits über behindertengerechte WC-Anlagen.

Datum:  2 | 12 | 2010
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