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16. August 2013

Zwischenfall in AKW Gundremmingen: Radioaktive Tropfen

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Das Kernkraftwerk Gundremmingen (Archivfoto von 2001).  Foto: dpa

Weil radioaktiv belastete Wassertropfen austraten, wurde Block B des AKW Gundremmingen vom Netz genommen. Der Zwischenfall stützt die Forderung der AKW-Gegner nach Stilllegung.

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Weil radioaktiv belastete Wassertropfen austraten, wurde Block B des AKW Gundremmingen vom Netz genommen. Der Zwischenfall stützt die Forderung der AKW-Gegner nach Stilllegung.

In Gundremmingen an der Donau steht Deutschlands leistungsstärkstes Atomkraftwerk. Zwei Reaktorblöcke mit jeweils 1344 Megawatt arbeiten an dem Standort im bayerischen Landkreis Günzburg. Erneut hat es hier einen Zwischenfall gegeben, der für die AKW-Gegner in der Region ein Beleg dafür ist, dass die „veralteten“ Siedewasser-Reaktoren schnellstens stillgelegt werden müssten. Die Stromkonzerne RWE und Eon, denen das AKW gehört, hoffen dagegen sogar auf eine Leistungssteigerung in den beiden Reaktoren.

Derzeit läuft nur Block C, Block B wurde am Mittwoch vom Netz genommen – wegen einer „Tropfleckage“, die bei einer Routinekontrolle festgestellt worden sei, so die Kraftwerksleitung. Pro Minute traten einige Tropfen radioaktiv belastetes Wasser aus einer undichten Einführungsöffnung für eine „Messlanze“ am Reaktordruckbehälter aus. Diese Sonden sind durch die Wand des Behälters gesteckt, um den Neutronenfluss im Reaktor zu erfassen.

Undichtigkeit an Sonden

Die Pläne von RWE

Der Stromkonzern RWE möchte aus dem AKW Gundremmingen mehr Leistung herausholen, als zu Betriebsbeginn der Blöcke B und C im Jahr 1984 genehmigt wurde. Block A ist seit einem Störfall 1977 abgeschaltet.

Ein erster Antrag zur Leistungserhöhung wurde bereits 1999 gestellt und 2001 durch eine Neufassung ersetzt. Dadurch könnte die elektrische Leistung pro Block von 1244 auf maximal 1300 Megawatt steigen. Wegen zu schwacher konventioneller Teile, etwa der Turbine, würde RWE die Erhöhung vorläufig aber nur zum Teil ausschöpfen.

Eine Leistungserhöhung wird in Siedewasserreaktoren vor allem durch ein schnelleres Umwälzen von Dampf und Kühlwasser bewirkt.

AKW-Gegner warnen, dass dann Brennelemente mit höherer Anreicherung mit Uran 235 oder Plutonium 239 nötig seien. Diese seien in den letzten Jahren auffällig häufig undicht gewesen. (jw)

Um den Defekt zu beheben, muss der Druck in dem 22 Meter hohen, mit 784 Brennelementen und Wasser gefüllten Reaktorbehälter abgebaut werden. Ob der Defekt der bayerischen Atomaufsicht gemeldet werden muss, stand am Freitag noch nicht fest, wie ein RWE-Sprecher auf FR-Anfrage sagte.

Im baugleichen Block C, der nach einer Revision erst in der vorigen Woche wieder ans Netz ging, war im Dezember letzten Jahres ein ähnlicher Defekt festgestellt worden. Auch damals befand sich das Leck an einer Messlanze. Der Reaktor wurde abgeschaltet, das defekte Bauteil ausgetauscht. Nach dem internationalen Meldesystem wurde das Ereignis als Störung der „Stufe 0“ eingestuft: „keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung.“ Auch bei dem jetzigen Ereignis betont die Kraftwerksleitung, es bestehe keine Gefahr für Menschen und Umwelt.

Die AKW-Gegner halten das Vorkommnis trotzdem für bedenklich. Sie weisen darauf hin, dass in dem von der Leckage betroffenen Hauptkreislauf des Reaktors, in dem radioaktives Wasser und radioaktiver Dampf kreisen, ein Druck von 70 Bar und eine Temperatur von fast 300 Grad herrschen. „Die Dichtungen dieser Behälterdurchdringungen werden durch den Druck, die Hitze und die Neutronenstrahlung abgenutzt. Reaktordruckbehälter und Hauptkreislauf müssen jedoch unbedingt dicht bleiben“, argumentiert das „Forum – Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik“.
RWE will ausbauen

Entstünde aus der Undichtigkeit ein großes Leck, drohe ein Kühlmittelverlust, warnt die Bürgerinitiative. „Die Spaltelemente würden nicht mehr gekühlt und katastrophal überhitzt.“ Folge könnte bei ausfallender Notkühlung eine Kernschmelze sein.

Offiziell noch bis 2021 in Betrieb

Siedewasserreaktoren haben – anders als die später gebauten Druckwasserreaktoren – nur einen Hauptkreislauf, weswegen das Wasser darin radioaktiv ist. In Gundremmingen stehen die letzten beiden Reaktoren dieses Typs, die anderen acht, die es in Deutschland gab, sind inzwischen abgeschaltet. Block B wird nach den Atomausstiegs-Plänen der Bundesregierung Ende 2017 vom Netz genommen, Block C 2021.

RWE hofft aber immer noch auf eine Genehmigung für eine 1999 beantragte Ausweitung der Atomstrom-Produktion. Den Entwurf hat das bayerische Umweltministerium bereits fertiggestellt, das Bundesumweltministerium hat aber noch nicht zugestimmt. Forum-Vorstand Raimund Kamm sagte der FR, er befürchte, dass dies nach der Bundestagswahl geschehen werde, falls Schwarz-Gelb bestätigt würde.

Die AKW-Gegner fordern den Bund und Bayern auf, „den Antrag nach 14 Jahren Bearbeitung endlich abzulehnen und die beiden Gundremminger Siedewasserreaktoren stillzulegen“. Sie verweisen darauf, dass RWE am selben Tag, als die Störung bekannt wurde, mitteilte, sie wolle wegen zu großer Kraftwerkskapazitäten Anlagen mit 4265 Megawatt stilllegen. Das zeige: „Gundremmingen ist für die Stromversorgung überflüssig.“

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