kalaydo.de Anzeigen

Tunesien: Neuer Übergangs-Präsident ernannt

Nachdem der tunesische Präsident Ben Ali ins Exil geflüchtet ist, hat der Verfassungsrat Foued Mbazaa zum Interims- Präsidenten ernannt. In 60 Tagen soll es Neuwahlen geben. Kanzlerin Merkel rief zu demokratischen Reformen auf.

Der tunesische Ministerpräsident Mohammed Ghannouchi (Mitte) bei einer Fernsehansprache mit dem Präsidenten des Verfassungsrates, Abdallah Kallel (links), und dem neuen Übergangs-Präsidenten Fouad Mbazaa (rechts). Foto: AFP
Tunis –  

In Tunesien ist nach nur einem Tag ein neuer Übergangs-Präsident ernannt worden. Nach der Flucht von Präsident Zine el Abidine Ben Ali ins saudische Exil hatte zunächst Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi am Freitag die Amtsgeschäfte übernommen. Am Samstag ernannte der Verfassungsrat nun Foued Mbazaa (77) zum Interims- Präsidenten. Die Ernennung des bisherigen Parlamentspräsidenten wurde im Staatsfernsehen bekanntgegeben. Mbazaa soll die Neuwahlen in 60 Tagen vorbereiten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den tunesischen Übergangspräsidenten zu demokratischen Reformen aufgefordert. „Ich appelliere an Sie, den jetzt erfolgten tiefen Einschnitt in der tunesischen Geschichte zu einem Neuanfang zu nutzen.“ Es sei „unabdingbar“, die Menschenrechte zu respektieren, Pressefreiheit und Versammlungsfreiheit zu garantieren. „Gehen Sie auf die protestierenden Menschen zu und führen Sie wirkliche Demokratie ein.“ Deutschland und die Europäische Union seien bereit, dem Übergangspräsidenten bei einem solchen Neuanfang unterstützend zur Seite zu stehen.

Ex-Präsident Zine al-Abidine Ben Ali hat das Land verlassen.
Ex-Präsident Zine al-Abidine Ben Ali hat das Land verlassen.
Foto: REUTERS

Nach der Flucht des tunesischen Präsidenten Ben Ali, der 23 Jahre lang im Amt war, haben mehrere hundert Soldaten mit Panzern versucht, in den Straßen der Hauptstadt Tunis für Ruhe zu sorgen. Marodierende Banden zogen nach Angaben von Einwohnern durch die Stadt, setzten Gebäude in Brand, plünderten und griffen Menschen an. Ein Armeehubschrauber kreiste über den Straßen der Innenstadt, die noch immer mit den Trümmern der Ausschreitungen am Freitag übersäht waren. Bei den Protesten, die sich anfangs gegen die hohe Arbeitslosigkeit im Land gerichtet hatten, kamen bisher zumindest 66 Menschen ums Leben.

Gefängnis in Flammen - Dutzende Tote

In der Stadt Monastir kamen bei einem Gefängnisbrand am Samstag Dutzende zumindest 40 weitere Menschen ums Leben gekommen. Wie das Feuer ausbracht, blieb zunächst unklar.

Die Gewalt auf den Straßen von Tunis und die rasche Abfolge der Ereignisse versetzt die arabische Welt in Aufregung. Zahlreiche autokratische Herrscher verteidigen dort zwar seit langem ihre Macht, geraten aber zunehmend unter Druck durch eine protestierende Jugend, wirtschaftliche Probleme und militanten Islamismus. Der Westen hat sich lange zurückgehalten, weil diese Machthaber als Bollwerk gegen den Islamismus gelten.

Urlauber werden ausgeflogen

Angesichts der gespannten Lage in Tunesien hat der Reiseveranstalter Thomas Cook damit begonnen, deutsche Urlauber aus dem Maghreb-Staat auszufliegen. Bis zum späten Freitagabend wurden rund 230 Gäste ausgeflogen worden.

Die rund 1800 verbliebenen Thomas-Cook-Gäste auf der tunesischen Insel Djerba und in der Region Monastir hätten in ihren Hotels eine ruhige Nacht verbracht und sollten möglichst alle am Samstag in ihre Heimat zurückgebracht werden, sagte ein Unternehmenssprecher. Thomas Cook hatte alle Tunesien-Reisen bis Montag abgesagt. Die betroffenen Gäste können umbuchen oder bekommen ihr Geld zurück. Der Reiseveranstalter TUI kündigte ebenfalls an, am Samstag all seine rund 1000 Gäste in Tunesien in die Heimat zurückzubringen. Alle Hin-Flüge bis zum 24. Januar wurden gestrichen. (dpa/afp/rtr)

Video zum Thema
Datum:  14 | 1 | 2011
Kommentare:  12
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Revolte

Protest und Party, Revolte - aber keine Revolution: 1968 hat die Gesellschaft nachhaltig verändert.

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!