Berlinale 2013
Bilder und Berichte vom Berlinale-Filmfestival.

17. Februar 2012

„Bel Ami“ : Blutleere Bettgeschichten mit Robert Pattinson

 Von Katja Lüthge
Ich küsse Ihren Hals, Madame: Obwohl Madeleine (Uma Thurman) verheiratet ist, verfällt sie Georges’ (Robert Pattinson) Charme. Foto: dapd / Studiocanal GmbH

Der Teenie-Star Robert Pattinson scheitert an der Rolle des aufstiegswilligen Charmeurs in „Bel Ami“ – auch in Berlin ist sein Regisseur keine Hilfe.

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Berlin –  

Er scheint die natürliche Wahl zu sein. Von englischen Leserinnen der Zeitschrift Glamour wiederholt zum „Sexiest Man on the Planet“ gewählt, müsste der heiß begehrte (Teenie-)Star Robert Pattinson doch einen geradezu idealen „Bel Ami“ abgeben: den aufstiegswilligen Schönling Georges Duroy aus dem Roman von Guy de Maupassant, der sich im Paris des späten 19. Jahrhunderts planmäßig durch die Betten von Frauen einflussreicher Männer schläft.

Tatsächlich sah Pattinson als Vampir in den „Biss“-Filmen ja auch hinreißend aus, in seinem ganzen glitzernd überhöhten Verzicht. Blass und nobel vom Antlitz bis zur Ausstattung. In Tateinheit mit den Möglichkeiten des Kostümfilms – wie herrlich wurde die Belle Époque schon bebildert – sollte der Boden für das sehnsuchtsvolle Schmachten mehr als bereitet sein.

In „Bel Ami“ dauert bis es zum ersten Beischlaf dagegen wohl keine fünf Minuten, und das Bordell, in dem der glücklose ehemalige Unteroffizier Duroy seinen damaligen Kameraden Forestier aus gemeinsamen Militärzeiten in Algerien wiedersieht, ist auch eher profan. Das Treffen wird sich aber als Glücksfall für Duroy erweisen, denn der alte Freund ist mittlerweile ein einflussreicher Redakteur bei Zeitung La Vie Française, die an der Absetzung der aktuellen Regierung arbeitet. Er vermittelt Duroy nicht nur eine Position als Autor, er führt ihn, wichtiger noch, in die Pariser Gesellschaft ein.

Wie ein alleingelassenes Kind

Christina Ricci, Uma Thurman und Kristin Scott Thomas spielen die Frauen, um deren Gunst Duroy, der so gern mächtig und reich wäre, bald buhlt. Lässt sich der talentlose Schreiber von der von Thurman gespielten Ehefrau Forestiers zunächst nur seine Kolumne schreiben, heiratet er sie nach dem Tod ihres Mannes. Zeitgleich pflegt er ein Verhältnis mit Clotilde (Christina Ricci) und verführt aus kaltem Kalkül schließlich auch noch die Frau des Herausgebers, Madame Rousset (Kristin Scott Thomas).

Was haben sich die Regisseure Declan Donnellan und Nick Ormerod nur dabei gedacht? Warum um alles in der Welt sollten sich diese drei Frauen von dem ehrgeizigen Nichtskönner verführen lassen – sind sie ihm doch in vieler Hinsicht überlegen? Madame Forestier mindestens intellektuell, Clotilde charakterlich, Madame Rousset ökonomisch. Auch die behauptete Attraktivität des rüden und charmefreien Georges Duroys wird weder spür- noch sichtbar. Dieser Georges Duroy wirkt auch keineswegs auf rücksichtslose Weise zielgerichtet, sondern hilflos. Pattinson erscheint wie ein von seinen Regisseuren alleingelassenes Kind, dass nicht so genau weiß, was es tun soll.

Bettszenen statt Sorgfalt

Überdies versteht wohl nicht nur Duroy nicht so richtig, welches perfide politische Spiel sein Herausgeber da eigentlich spielt. Auch der Zuschauer wird Schwierigkeiten haben, den genauen Zusammenhang zwischen Absetzung der Regierung, dem französischen Einmarsch in Marokko und dem Millionengeschäft mit den Kriegsanleihen zu verstehen. Mehr Sorgfalt wäre angebracht gewesen, stattdessen hat man sich auf eine Bettszene nach der nächsten konzentriert.

Und ja, Robert Pattinson zeigt viel Haut. Das ökonomische Kalkül dahinter ist leicht zu durchschauen. Das die Macher und Robert Pattinson sich damit einen Gefallen getan haben, darf allerdings bezweifelt werden. Der außer Konkurrenz laufende „Bel Ami“, dieser naheliegende Scherz sei erlaubt, ist insgesamt ziemlich blutleer.

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