Berlinale 2013
Bilder und Berichte vom Berlinale-Filmfestival.

13. Februar 2013

Books at Berlinale: Jetzt auch Graphic Novels

 Von Katja Lüthge
Eine Graphic Novel, die erfolgreich als Film umgesetzt wurde: Persepolis. Foto: imago stock&people

Graphic Novels im Abgeordenetenhaus? Eine Berlinale-Veranstaltung bringt Buchautoren und Filmemacher zusammen.

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Wer die Berlinale besucht, reist ja immer auch durch Ort und Zeit, viel Unbekanntes und Erstaunliches gibt es in den Filmen zu entdecken. Oft gerät da in Vergessenheit, wie viele Paralleluniversen just um den Potsdamer Platz existieren. Ländervertretungen, Botschaften und diverse Bundesministerien mit ihren eigenen Gesetzen und Ritualen, mit ihren an höfische Zeiten erinnernden Hierarchien.

Im Zuge des Filmfestivals betreten wir nun erstmals im Leben auch das Abgeordnetenhaus in Berlin – und klischee-germanischer als an der Sicherheitsschleuse des Eingangs könnte es in keinem deutschen Filmhochschuldebüt zugehen.

Der Co-Production Market als Initiative des European Film Market (EFM) hat hier eine Herberge gefunden, seit nunmehr acht Jahren findet in diesem Rahmen auch der Books at Berlinale-Vormittag statt. Eine gemeinsame Veranstaltung eben der Berlinale und der Frankfurt Book Fair, auf der zehn ausgewählte Bücher mit Verfilmungspotenzial Produzenten und Finanziers schmackhaft gemacht werden sollen.

Vorstellung potenzieller Drehbuchprojekte

Dem aufmerksamen Leser sind die vielen englischen Begriffe jetzt sicher nicht entgangen, die Umgangssprache des EFM ist halt das Englische. Die Sprache des Abgeordnetenhauses ist aber offensichtlich Deutsch, und so drohen die internationalen Besucher schon am Eingang zu scheitern, weil sie den schroff berlinerisch vorgetragenen Anweisungen der Sicherheitsbeamten nicht Folge leisten können.

Wer es dennoch geschafft hat, kann im „Casino“ an den gedeckten Tischen Platz nehmen, später wird es ein tadelloses Frühstücksbüfett geben. Zunächst einmal werden aber die zehn von einer Jury aus insgesamt 80 eingereichten Büchern erwählten potenziellen Drehbuchprojekte vorgestellt. Moderiert wird die Veranstaltung von Syd Atlas, einer attraktiven Frau mit mindestens einem Abschluss in frühkindlicher Pädagogik, wenigstens vermuten wir das angesichts ihres enthusiastischen und motivierenden Auftritts.

Gemeinsam mit den „Agenten“ der Bücher versucht sie, das Filmische der sehr unterschiedlichen Stoffe zu betonen. Da werden etwa die herrlichen Kostümierungsmöglichkeiten des niederländischen Charlotte-Brontë-Romans aufgerufen, die Metaphorik und der sarkastische Humor des aserbaidschanischen Debüts über eine Heimatsuche herausgestellt, aber auch das Low-Budgethafte des mit wenig Personal auf der Isle of Man zu realisierenden englischen Thrillers.

Was kann aus einer Graphic Novel werden?

Erstmals ist eine Graphic Novel unter den Anwärtern, und zwar die stylische alte-Rocker-It-Girl-Reality-Show-Parodie „Roxanne & George“ der deutschen Zeichnerin Carolin Walch. Ist der geneigte Produzent sonst ja aufgefordert, sich selbst ein Bild zu machen, liegen diese hier schon vor.

Ob es Interessenten für diese Art Literatur gibt? Tatsächlich führten Neugierde oder der große Hunger nach neuen Stoffen eine Reihe Menschen unterschiedlicher Funktionen an den Tisch des Verlagsmitarbeiters, mit durchaus eigenen Vorstellungen. Ist das eher Material für einen Real- oder einen Animationsfilm, für einen Spielfilm oder eine Serie – Drama oder Komödie? Das Potenzial ist also vorhanden, wir werden interessiert verfolgen, ob mehr daraus folgt.

Der Ton der Veranstaltung war im Übrigen sehr freundlich und informell, das ist in diesem Haus sonst wohl nicht der Fall.

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Dolgayaschastlivaya zhizn (A Long andHappy Life)
PrinceAvalanche
Uroki Garmonii(Harmony Lessons)
Vic+Flo ont vu un ours(Vic+Flo haben einen Bärengesehen)
W imię...(In the Name of)
Gloria
Nugu-ui Ttal-doAnin Haewon (Nobody's DaughterHaewon)
Paradies:Hoffnung
PoziţiaCopilului (Child's Pose)
Dolgayaschastlivaya zhizn (A Long andHappy Life)
Promised Land
Camille Claudel1915
Elle s'enva (On my Way)
Epizoda uživotu berača željeza (AnEpisode in the Life ofan Iron Picker)
Gold
La Religieuse (Die Nonne)
Layla Fourie
The NecessaryDeath of Charlie Countryman
Parde (Closed Curtain)
Side Effects
Berlinale-Tickets

Tickets gibt es ab 3. Februar. täglich von 10 bis 20 Uhr in den Arkaden am Potsdamer Platz, im Kino International und im Haus der Berliner Festspiele.

Der Kartenvorverkauf findet jeweils drei Tage im Voraus, für die Wettbewerbswiederholungen vier Tage im Voraus statt. Am Tag der Vorstellung sind Eintrittskarten nur an den Tageskassen der Kinos erhältlich.

Die Tickets kosten zwischen 9 und 13 Euro (Wettbewerb), am Kinotag (16.2., VVK ab 4.2.) 6 Euro. Schüler, Studenten, Behinderte, Arbeitslose, Hartz-IV-Empfänger, Inhaber des Berlinpasses und Teilnehmer am Bundesfreiwilligendienst bekommen an den Tageskassen 50 Prozent Ermäßigung.

Ein begrenztes Kontingent an Eintrittskarten ist online buchbar. Die Bezahlung, zzgl. einer Bearbeitungsgebühr von 1,50 € pro Karte, erfolgt über Kreditkarte.

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