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Berlinale
Bilder und Berichte vom Berlinale-Filmfestival.

11. Februar 2016

„Generation“ bei der Berlinale: Sich den Träumen stellen

 Von Cornelia Geißler
Auch Kinder- und Jugenfilme spielen auf der Berlinale eine Rolle.  Foto: dpa

Maryanne Redpath kümmert sich um das Berlinale-Filmangebot für Kinder und Jugendliche. Zwei Bären werden in dieser Sektion vergeben. Im FR-Interview spricht sie über Trends und Fördermöglichkeiten.

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Frau Redpath, mehr als 2000 Filme wurden diesmal für „Generation“ eingereicht – viel mehr als in den letzten Jahren. Wie kommt das?
Es steigt und steigt. Vielleicht haben die Filmemacher mehr diesen Stoff entdeckt, diese Art von Filmen, die wir zeigen: Es sind dramatische Dinge, die in Kindheiten und der Jugend stattfinden, gute Stoffe für das Drama.

Sie haben oft geklagt, dass die Filmindustrie glaubt, man könne Kindern nur Seichtes servieren. Ändert sich da etwas?
Nein, das ist mein tägliches Brot darüber zu sprechen, gerade für die Industrie ist das offenbar schwer zu verstehen. Wir machen hier bei der Berlinale einen Spagat zwischen Industrie und Zuschauern. Viele der Filme, die wir zeigen wollen, sind nicht primär für Kinder oder junge Menschen gedreht, wir holen sie aber für dieses Publikum her. Und das Publikum erkennt das an.

Woran machen Sie das fest?
Letztes Jahr hatten wir 65 000 Zuschauer in zehn Tagen. Es kümmert die nicht wirklich, ob ein Film Kinderfilm heißt oder nicht. Für die Produktion macht es allerdings etwas aus, es gibt in vielen Ländern spezielle Fördertöpfe für Kinderfilme mit bestimmten Kriterien. Ich habe oft den Eindruck, dass diese Filme sich gut benehmen müssen, mit ordentlichem Anfang, Mitte und Happy End.

Zur Person

Maryanne Redpath, geb. 1957 in Neuseeland, Performerin, Theatertechnikerin und -lehrerin, lebt seit 1985 in Berlin. Bei der Berlinale leitet sie die Sektion Generation.

In Deutschland gibt es neuerdings eine Initiative für Drehbücher: „Der besondere Kinderfilm“. Merken Sie das?
Ja, das ist jetzt in der Praxis angekommen. Der deutsche Beitrag bei Kplus „Ente gut“ wurde in diesem Rahmen gefördert, das möchte ich gern würdigen. Ich bin neugierig zu sehen, was dieses Fördergeld künftig bringt.

Sie erwähnen das Happy End. Haben Sie Abstufungen? Filme für die Kleinen brauchen eines, für das mittlere Alter reicht ein offenes Ende und Filme in 14plus dürfen schlecht ausgehen?
Es ist doch Ansichtssache, was Happy End bedeutet. Ich habe nichts gegen einen positiven Ausgang, den gibt es bei uns nicht nur für die Kleinen. Aber wir haben auch mal ein tragisches Ende, jedoch keinen Film komplett ohne Hoffnung. Ein offenes Ende kann interessant sein: Wenn nicht alles schon eingetütet ist. Viele junge Zuschauer brauchen diese Herausforderung, sie denken die Filme weiter.

Andere Kinder sind jedoch überfordert. Das habe ich gerade in diesem Jahr wieder gehört.
Diesen Vorwurf kenne ich. Manchmal kommt er von ein paar Erwachsenen, die sagen, das könne man Kindern doch nicht zeigen. Aber dann frage ich die Kinder, und die verstehen das. Ich beschäftige mich viel mit dem Feedback der jungen Zuschauer. Bedenken Sie, auch Kinder haben verschiedene Vorlieben. Es gibt viele, die mögen langsam erzählte Stoffe, das glaubt man sonst gar nicht. Oder die verlieren sich gern in Traumsequenzen. Die fordern uns heraus, so etwas weiter zu verfolgen.

Wie erfahren Sie, was die Kinder denken? Aus den Fragebögen, die verteilt werden?
Die Fragebögen nehmen wir sehr ernst, viele Kinder schreiben detailliert, was sie bewegt hat, was gestört. Oft bin ich bei den Publikumsgesprächen nach der Vorführung dabei. Und ich spreche immer mit der Kinder- und der Jugendjury nach der Entscheidung. Diese Jugendlichen merken stärker als vorher, dass es einige Filme gibt, über die man erst schlafen muss, ehe man sich ein Urteil bilden kann. Das spricht nicht gegen den Film, manch ein Eindruck formt sich langsamer. Und zuweilen sind gerade die Filme schnell vergessen, die einen sofort anspringen und zeigen: Ich bin toll, ich bin alles, was du brauchst.

Sie sprachen die Traumsequenzen an. Es gibt in diesem Jahr mehrere Filme, in denen Träume eine starke Rolle spielen.
Wir haben nicht danach gesucht, es hat sich so ergeben. Und ich bewundere die Filmemacher, die Wege gefunden haben, die Zuschauer einzuweihen in eine Zwischenwelt. Nicht nur die Handlung bewegt sich zwischen Realität und Traum, auch den Zuschauern geht es so. Es ist eine physische Reaktion. Wir haben das schon in den Titeln: „Mia schläft woanders“, der Kplus-Eröffnungsfilm, bei 14plus sind es noch mehr: „Girl Asleep“, „The Dreamer“, „In Your Dreams!“ und „What’s in the Darkness“.

Sonst wird stets betont, die Sektion „Generation“ ist der Gegenwart verhaftet, zeigt ein politisches Festival.
Aber das ist kein Gegensatz. In dieser Auseinandersetzung mit Traum und Realität gibt es etwas sehr Gegenwärtiges. Es bedeutet eine Konfrontation für die Protagonisten. Oder sie werden erwachsener im Traum, im Alptraum. Ich finde es sehr wichtig, jungen Menschen die Realitäten von Gleichaltrigen zu zeigen.

Sie haben nicht nur vor acht Jahren den Namen „Generation“ für die Sektion eingeführt und die Trennung in zwei Programme für Kinder und für Jugendliche. Ist Ihnen bewusst, dass 14plus auch für Erwachsene sehr attraktiv ist?
Ich sehe aber beide Wettbewerbe als gleichrangig. Das Plus ist sehr wichtig. Wir zeigen auch bei Kplus keine Filme ausschließlich für Achtjährige. Die Altersbegrenzung gilt nach unten, nicht nach oben. Es kommen auch Erwachsene ohne Kinder zu Kplus. Aber wissen Sie, was ich für das Edukativste halte, was ich hier mache?

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Dass wir junge Menschen heranführen, Filme in Originalsprache, mit Originalton zu schauen. Seit drei Jahren verzichten wir bei Kplus bei Filmen ab 12 Jahren auf die deutsche Einsprache, zeigen sie mit deutschen Untertiteln. Und das Publikum von 14plus hat sich daran gewöhnt, alles mit englischen Untertiteln zu sehen.

Interview: Cornelia Geißler

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