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Berlinale
Bilder und Berichte vom Berlinale-Filmfestival.

15. Februar 2016

Marke Bär: Gut und böse

 Von Frank Junghänel
Daniel Brühl als sehr böser Deutscher in "Alone in Berlin".  Foto: Marcel Hartmann/ X Filme Creative Pool

Heute in der Berlinale-Kolumne „Marke Bär“: Die pastelligen Nazistraßen und die bösen deutschen Deutschen in dem bemerkenswert schnell zu durchschauenden Film „Alone in Berlin“.

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Es gibt gute Filme, misslungene Filme und schlechte Filme. Misslungene Filme zeichnen sich dadurch aus, dass sie etwas gewagt haben und an ihrer Idee gescheitert sind. Schlechte Filme wagen nichts. Praktisch ist, dass sie sich zuverlässig in den ersten fünf Minuten entlarven.

So sieht man in „Alone in Berlin“ diese pastellige Nazistraße in ihrem playmobilartigen Design, mit „Volksgenossen“, „Gören“, „Autos“ „Fahnen“, und weiß sofort, das wird nichts. Man könnte gehen, aber bleibt dann natürlich. So viele Filme zum Gruseln gibt es ja nicht bei der Berlinale. Gedreht wurde mal wieder in Görlitz, bekannt aus einem halben Dutzend früherer Festivalfilme mit Nazi-Appeal. War das nicht gerade Kate Winslet in der Straßenbahn? Und das der Liftboy aus dem Grand Budapest Hotel?

In Babelsberg haben sie die Kulissen der „Berliner Straße“ vor einiger Zeit abgerissen, unter anderem, weil die keiner mehr sehen konnte. Dort entsteht jetzt was Supermodernes. Manchmal frage ich mich, ob es nicht sinnvoll wäre, auch Görlitz abzureißen und irgendwo hochwertig nachzubauen, vielleicht sogar im südlichen Brandenburg, wegen der Fördermittel. Es könnte sich lohnen, denn der Markt für Nazifilme scheint noch nicht gesättigt.

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Tröstlich ist das für die Beschäftigungslage einheimischer Schauspieler, die erneut reichlich vertreten sind. Allerdings fast ausschließlich auf Seiten der Bösen, wenn man das der Einfachheit halber einmal so sagen darf. Die guten Deutschen sind englischer bzw. irischer Herkunft. Selbst der sympathische Daniel Brühl muss nach Engagements in Übersee gleich wieder eine Gestapo-Charge abgeben, was ihm zu denken geben sollte.

Denn als Botschafter der Marke Audi – ist er wirklich – müsste er wissen, dass sich die guten Marken gern mit guten Geschichten verbünden. So wurde es bei einem Auto-trifft-Film-Workshop am Rande der Berlinale herausgearbeitet. Also Augen auf bei der Rollenwahl, sonst landet man schnell wieder im Kleinwagen.

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