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Kostümbildner: Mir gefällt es, die Darsteller authentisch anzuziehen

Ein Gespräch mit der Kostümbildnerin Susanne Roggendorf, die sogar schon mit Hollywood-Regisseur Steven Spielberg zusammenarbeitete

        

Auch den Film  „Stilles Tal“ hat Susanne Roggendorf ausgestattet.
Auch den Film „Stilles Tal“ hat Susanne Roggendorf ausgestattet.
Foto: MDR/Conny Klein

Zunächst war sie hin- und hergerissen und stand vor der Entscheidung: Medizinstudium? Oder doch etwas Kreatives zum Beruf machen? Schließlich siegte bei Susanne Roggendorf die künstlerische Ader. Nach dem Abitur machte sie zunächst eine Schneiderlehre, dann studierte sie in Mönchengladbach Bekleidungsingenieurin. Heute ist sie eine anerkannte Kostümbildnerin für Fernsehen und Film.

Über 40 TV-Produktionen hat sie bislang betreut, beispielsweise zwölf Köln-Tatorte mit Ballauf und Schenk. Als Kostümbildnerin, „ist man so etwas wie der Abteilungsleiter. Je nach Budget und wie groß eine Produktion ist, habe ich ein Team, mit dem ich das Projekt realisiere“.

Dann beginnen die Vorbereitungen, die sechs bis zehn Wochen dauern. Zunächst liest die 40-Jährige das Drehbuch, recherchiert in Büchern, Zeitschriften, Archiven und im Internet, macht Milieustudien, damit die Kostüme zur Epoche und zum Umfeld passen. Erste Skizzen werden gezeichnet, und Entwürfe entstehen. Roggendorf bespricht sich mit dem Regisseur, erfährt, welche Schauspieler für welche Rollen vorgesehen sind.

„Ich wollte nie Designerin werden. Aber mir gefällt es, die Darsteller authentisch anzuziehen, damit der Zuschauer die Rolle glaubt. Das Kostüm muss zur Geschichte und zum Charakter passen. Das macht mir am meisten Spaß“, erzählt die Mutter von zwei Jungs. Aktuell hat sie an einer TV-Dokumentation über einen Geiger mitgearbeitet, der in den 1930er Jahren im Exil ein jüdisches Orchester gründete. Steven Spielberg produzierte den Film für den Doku-Kanal HBO.

Die Kostüme findet sie in Geschäften, lässt sie anfertigen oder stöbert im Fundus eines Theaters oder einer Filmstätte wie Babelsberg, berichtet Roggendorf, die mit ihrer Familie in Potsdam lebt und von dort aus auch ihren Online-Shop für selbstgenähte Kinderbekleidung „Roggen & Seele“ betreibt. „Ich muss einfach handwerklich arbeiten.“

Auch während der Dreharbeiten ist sie dabei. Viele namhafte deutsche Schauspieler hat sie bereits eingekleidet wie Barbara Rudnik, Katharina Böhm, Peter Weck – „ein echter Gentleman“ –, Annette Frier oder Tim Bergmann. „Die haben sich alle vor mir entblößt“, sagt sie lachend und betont: „Es ist toll, mit ihnen zusammenzuarbeiten.“

Gerne erinnert sie sich zum Beispiel an die TV-Produktion „Stilles Tal“. Im November wurde der Film in der ARD ausgestrahlt mit Robert Atzorn und Wolfgang Stumph in den Titelrollen. „Da ging es um die Jahrhundertflut von 2002, und wir drehten während des heißen Sommers 2010. Wir haben alle geschwitzt, während die Darsteller sozusagen im Regen standen.“

Für den Beruf mitbringen muss man Kreativität, Phantasie, zeichnerisches und organisatorisches Talent, handwerkliches Geschick, ein Gespür für Dramaturgie, ein gutes Allgemeinwissen, Interesse an Kunst und Kunstgeschichte, kaufmännische Fähigkeiten – und viel Enthusiasmus.

Autor:  Sonja Thelen
Datum:  4 | 2 | 2012
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