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Schule und Hochschule

10. Januar 2014

Homosexualität: Lehrer gegen Homosexualität als Schulstoff

 Von 
Toleranz gehört auf den Lehrplan, findet nicht nur die baden-württembergische Landesregierung.

Ein Lehrer aus Baden-Württemberg startet eine Online-Petition gegen Homosexualität im Lehrplan. Er hat bereits 60.000 Unterstützer gefunden. Der Kultusminister ist entsetzt.

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Es ist schon ein erkenntnisreiches Aufeinandertreffen von Aufklärung und Verdunklung: Thomas Hitzlsperger bricht mit dem Tabu, das die Homosexualität im Profifußball offenbar noch immer darstellt, während zeitgleich der baden-württembergische Realschullehrer Gabriel Stängle zum Protest gegen die Verankerung des Themas Homosexualität im Schulunterricht aufruft.

Mit einer Online-Petition wendet sich Stängle gegen den Bildungsplan der rot-grünen Landesregierung. Er zielt für ihn und seine bundesweit knapp 60.000 Unterstützer auf eine „pädagogische, moralische und ideologische Umerziehung an den allgemeinbildenden Schulen“. Man stört sich an dem Passus „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ in dem Positionspapier der Bildungsplankommission. Die Thematisierung verschiedener Sexualpraktiken als neue Normalität stehe im krassen Gegensatz zur bisherigen Gesundheitserziehung, formuliert Lehrer Stängle, was dagegen komplett fehle sei die ethische Reflexion der negativen Begleiterscheinungen eines LSBTTIQ-Lebensstils.

Gemeint sind Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle und Intersexuelle. Sie sind nach Ansicht Stängles besonders anfällig für Alkohol und Drogen, haben eine geringere Lebenserwartung und sind überhaupt bedroht von AIDS und psychischen Erkrankungen. Ihr Treiben zu tolerieren, ja, als Spielart unter anderen Formen von Sexualität zu akzeptieren, würde für Stängle aus den Schulen ein Sodom und Gomorrah machen oder doch wenigstens eine Vorstufe davon.

Gesellschaftliches Bedürfnis

Es stört die Unterzeichner der Petition vor allem die Anerkennung der Gleichwertigkeit sexueller Identitäten und Beziehungen. Aus der gleichen Würde eines jeden Menschen folge nicht, dass jedes Verhalten als gleich gut und sinnvoll anzusehen ist, argumentieren sie. Wer die Petition liest, könnte meinen, hier sollen nicht Schüler über existierende Varianten von Sexualität aufgeklärt werden, sondern würden angeleitet, sexuelle Praktiken einzuüben. Propagieren, Vorschub leisten, programmieren sind Begriffe, mit denen der Text arbeitet.

Für Kultusminister Andreas Stoch (SPD) ist Internet-Petition Stängles mit ihrem Vorwurf, Schüler ideologisch umerziehen zu wollen, unerträglich. „Wir sind doch gerade bemüht im Konsens mit den gesellschaftlichen Gruppen, darunter auch den Kirchen, das Thema Wertevermittlung im Unterricht in den Mittelpunkt zu stellen“, sagte Stoch am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um den Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger werde deutlich, dass es offensichtlich ein gesellschaftliches Bedürfnis nach mehr Offenheit im Umgang mit Homosexualität gebe, so der Minister. Mit der Petition aber versuchten „interessierte Kreise“, ihre eigene Intoleranz gegenüber Nicht-Heterosexuellen in die Gesellschaft zu tragen. „Und das ist gefährlich, denn es spaltet die Gesellschaft“, so der SPD-Politiker.

Der Fall in Baden-Württemberg ist nicht neu. Es hat derlei Protest, wenn auch weniger beachtet, schon 2011 gegen Handreichungen des Berliner Schulsenats gegeben. Im Fall Stängle hat er offenbar einen christlich-fundamentalistischen Hintergrund. Wie Toleranz ohne Aufklärung geübt werden soll, verraten uns die Bibel-treuen Christen leider nicht.

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