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Blockupy Frankfurt
Demonstration und Protest - in Frankfurt wächst der Protest gegen das Sparen in der Euro-Krise.

04. Juni 2013

Blockupy Frankfurt : Blockupy - zwei Seiten der Polizei

 Von  und 
"Tut mir leid, ich muss das tun": Mancher Polizist sieht den Blockupy-Einsatz skeptisch.

Viele Polizisten benehmen sich bei der Demonstration auffallend aggressiv, berichten Beobachter. Andere sind mit dem brutalen Einsatz nicht einverstanden.

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Viele Polizisten benehmen sich bei der Demonstration auffallend aggressiv, berichten Beobachter. Andere sind mit dem brutalen Einsatz nicht einverstanden.

Ich bin doch nicht bescheuert! Anja sagt diesen Satz mit Nachdruck. Die 35-jährige Mutter, die eigentlich anders heißt, ihren Namen aber lieber nicht in der Zeitung lesen will, stand am Samstag daneben, als die Polizei mit Pfefferspray und Schlagstöcken Ketten in die große Blockupy-Demonstration zog mit ihren beiden Töchtern, 2 und 7 Jahre alt. Niemals wäre sie dort gewesen, sagt Anja, wenn sie auch nur den Hauch einer Ahnung gehabt hätte, was passieren würde. Ich dachte mir, das ist eine angemeldete Demo, da kann ich auch meine Kinder mitnehmen.

Ein Beamter habe sie noch angesprochen, unmittelbar bevor es losging, berichtet Anja. Er meinte: ,Gehen Sie mit den Kindern mal weg da, das ist gefährlich. In dem Moment seien die Polizisten schon massiv in die Demo vorgedrungen ohne Vorwarnung. Plötzlich sagte meine Kleine, ihr Auge brenne, sagt Anja. Erst nach einer Weile sei ihr klar geworden, dass sie und ihre Töchter Reste einer Pfefferspray-Wolke abbekommen hätten. Im Schauspiel hätten sie dann glücklicherweise ihre Augen schnell ausspülen können. Meine Kleinen waren sehr tapfer, sagt Anja. Dennoch sei sie immer noch fassungslos über das Vorgehen der Polizei. Warum es da überhaupt Pfefferspray gab, ist mir immer noch nicht klar.

So ähnlich wie Anja äußern sich im Nachhinein viele Menschen, die am Samstag im oder am Polizeikessel standen. Lea zum Beispiel, die eigentlich auch anders heißt, war ganz vorne, als die Beamten auf die Demo einstürmten. Wir haben überhaupt nicht damit gerechnet, sagt die 29-jährige Aktivistin. Im Kessel seien viele eingeschüchtert gewesen man habe schließlich nicht gewusst, was einen erwarte. Da waren Leute, die richtig Angst hatten, sagt Lea.

Beamte entschuldigen sich

Ab dem Moment, wo die Polizisten Menschen aus dem Kessel abführten, sei die Situation unerträglich geworden. Viele der Beamten seien aggressiv gewesen, hätten Menschen geschlagen, getreten, an den Haaren gezogen. Manche Leute seien auch mit dem Gesicht auf den Boden gedrückt worden. Das war ein völlig überzogenes Vorgehen. Der einzige Trost sei gewesen, dass die restliche Demo bei den Eingekesselten geblieben sei.

Auch eine andere Demoteilnehmerin berichtet, dass die Polizisten massiv auf die ersten Menschenreihen im Kessel eingeprügelt hätten. Es war nicht schön, das mit anzusehen, sagt sie. Sie habe aber auch einige Beamte gesehen, die mit dem massiven Einsatz offenbar nicht einverstanden waren. Die haben sich sogar bei mir entschuldigt, als sie mich weggetragen haben sie meinten, sie müssten das tun. Im Internet finden sich in Blogs und Foren immer mehr Erlebnisberichte vom Samstag, etwa von einem 64-jährigen Ökonomen, der von einem Beamten berichtet, der zu ihm im Adrenalin-Rausch gesagt habe: Ich prügle dir die Birne zu Matsch. Auch der ältere Herr zeigt sich von der massiven Gewalt völlig entsetzt.

Chris Heimpel, der SPD-Stadtverordnete, erlebt die Proteste als offizieller Demonstrationsbeobachter der Stadt Frankfurt, mit Ausweis und Stempel. Schon im Vorfeld habe die Polizei eine ablehnende Haltung eingenommen. Uns wurde gesagt, wir hätten kein Recht, die Demo zu beobachten, erinnert sich Heimpel (siehe Chronik der Ereignisse). Der junge Sozialdemokrat, der auch Bezirksvorsitzender der südhessischen Jusos ist, wirft der Polizei vor, dass sie zunächst über mehrere Stunden keine Kommunikation mit den eingekesselten Demonstranten gesucht habe. Es gab bewusst keine Information. Auch habe die Polizei die Menschen absichtlich nicht mit Toiletten versorgt. Die Stimmung unter den Eingeschlossenen sei so über lange Zeit hinweg zunehmend aggressiver geworden.

Den Polizeieinsatz selbst schildert Heimpel als sehr bedrückend. Ohne Rücksicht hätten sich die Beamten prügelnd einen Weg in die Menge der Demonstranten gebahnt. Auch Leute, die bereits blutend am Boden lagen, wurden einfach weggeschleift. Dabei sei die Polizei auch gegen Journalisten und Demonstrationsbeobachter vorgegangen. Die zunächst vermummten Demonstranten hätten alle Vermummungsgegenstände abgelegt. Auf einer Länge von 20 Metern sei die Hofstraße von Masken und Schals und einigen Stöcken bedeckt gewesen. Die Polizei habe aber ihr Vorgehen in keiner Weise gemäßigt.

Heimpel zeigt sich überzeugt, dass der Kessel von der Polizei genau an der Engstelle in der Hofstraße geplant gewesen sei. Das war kein Zufall. Im Gegenteil habe er selbst von Polizisten gehört, dass die Hofstraße einer von drei vorbereiteten Punkten zum Eingreifen entlang der genehmigten Demonstrationsroute durch die Stadt gewesen sei, und zwar der erste.

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