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Analyse: Note mangelhaft

Die Bologna-Reform hat ihre Ziele verfehlt. Das Studium ohne Grenzen bleibt ein Traum, der Bachelor findet kaum einen Job.

Yvonne Globert ist Bildungsredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Yvonne Globert ist Bildungsredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Universitäten gleichen mitunter großen Tankern: Der neue Kurs ist längst eingeschlagen, doch bis zur Wende gehen Jahre ins Land. Als die europäischen Wissenschaftsminister vor zehn Jahren die Bologna-Reform auf den Weg brachten, hätten sie eigentlich schon ahnen können, dass die Umstellung auf die neuen Studiengänge Bachelor und Master nicht nebenbei zu meistern sein würde. Doch die Mütter und Väter der großen europäischen Hochschulreform müssen sich eine Dekade später zumindest an ihren zwei Kernzielen messen lassen.

Bologna sollte Studenten (ebenso wie ihre Dozenten) vor allem mobiler machen. Ein Auslandssemester in Florenz einlegen? Den Abschluss in Kopenhagen machen? Vielleicht mal in London jobben? Europa rief und forderte internationale Vergleichbarkeit. Besser ließ sich Akademikern in spe nicht schmackhaft machen, dass die alten Abschlüsse beerdigt und sie selbst schneller ins Erwerbsleben entlassen werden sollten - mit dem schönen Nebeneffekt, dass ihre Heimatländer kräftig an Ausbildungskosten sparten.

Ein Studium ohne Grenzen klang traumhaft. Und ein Traum ist es für viele geblieben: Zwischen 2007 und 2009 stieg etwa die Zahl deutscher Studierender mit Auslandserfahrung gerade mal von 23 auf 26 Prozent. Vergleichen mit jenen 50 Prozent, die dem Bundesbildungsministerium "mittelfristig" vorschweben, ist das nicht erbaulich. Frustrierend ist aber vor allem, dass es in erster Linie die letzten Studierenden der alten Magister- und Diplomstudiengänge sind, die Muße zum Studium in der Ferne finden. Die neuen Kommilitonen hoffen dagegen, vielleicht mal im Master ein passendes Zeitfenster zu erhaschen - vorausgesetzt, sie werden zum weiterführenden Studium zugelassen.

Wer bis zum Bachelor ins Ausland will, begnügt sich meist mit einem Praktikum; das sieht wenigstens hübsch im Lebenslauf aus. Dieses Schmalspurdenken aber können die europäischen Bildungspolitiker und Hochschulen nicht ernsthaft wollen: Schaffen sie es nicht, die Anerkennung von Studienleistungen über Ländergrenzen hinweg zu vereinfachen und Auslandsphasen gezielt in Studiengänge einzubauen, bleibt Bologna eine Lüge.

Daheim weiß man mit Bachelor und Master mitunter noch immer nicht viel anzufangen: Wie die Dachorganisation der europäischen Universitäten EUA gerade in einer Studie zeigte, erkennen längst nicht in allen Bologna-Mitgliedsländern Arbeitgeber den Bachelor als hinreichende Qualifikation für den Berufseinstieg an. Somit ist es auch um Kernziel Nummer zwei, deutlich jüngere Leute als bisher in Lohn und Brot zu bringen, nicht rosig bestellt. Für mehr Akzeptanz zu werben, bleibt daher Aufgabe von Politik und Wissenschaft: Bologna wäre längst weiter, hätten sie die Arbeitswelt über Sinn und Zweck der neuen Studiengänge besser informiert.

Beste Werber für eine breite Akzeptanz aber bleiben die Studenten selbst: Erst wenn sie von ihrem Studium überzeugt sind, können es auch andere sein. Dass ihr Protest angebracht war und Nachbesserung nötig ist, haben die europäischen Minister inzwischen kapiert. In Wien und Budapest haben sie nun erklärt, Studierende und Hochschulbeschäftigte stärker in den Bologna-Prozess einzubinden. Auf die Idee, diese den Tanker mit steuern zu lassen, sind sie reichlich spät gekommen.

Autor:  Yvonne Globert
Datum:  13 | 3 | 2010
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