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Bachelor: Zehn-Punkte-Plan

Kultusminister nehmen Unis in die Pflicht. Mit einem Zehn-Punkte-Plan sollen Bachelor-Studiengänge besser werden. Von Jeannette Goddar

Das Studium in Deutschland soll studierbarer werden. Das ist in Kürze das, was die Kultusminister der Länder als Folge des lautstarken Protests von Studierenden während des Bildungsstreiks im Sommer beschlossen haben. Die Minister hätten "alle Facetten der Kritik ernst genommen", so die rheinland-pfälzische Ministerin Doris Ahnen (SPD) nach dem Ende der Konferenz der Kultusminister in Berlin. Wo im Zuge der Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen "überreglementiert" worden sei, solle nachgebessert werden.

Konkret einigten sich die Kultusminister auf einen Zehn-Punkte-Beschluss, der von der Bundesregierung über die Universitäten bis zu mittelständischen Unternehmen so ziemlich jeden Externen in die Pflicht nimmt.

Bologna-Reform

Der Bachelor ist an deutschen Hochschulen inzwischen der erste berufsqualifizierende Grad, der nach einem mindestens dreijährigen Studium vergeben wird.

Eingeführt wurde er im Rahmen des sogenannten Bologna-Prozesses, dessen Ziel die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Hochschulraums ist. Er beruht auf einer im Jahre 1999 von 29 europäischen Bildungsministern im italienischen Bologna unterzeichneten, völkerrechtlich nicht bindenden Erklärung. Hauptziele des Bologna-Prozesses sind die Förderung von Mobilität, von internationaler Wettbewerbsfähigkeit und von Beschäftigungsfähigkeit.

In diesem Sinne wurde ein zweistufiges System von Studienabschlüssen geschaffen. In Deutschland aber führte dies bislang häufig dazu, dass Studieninhalte aus den alten Diplom- und Magisterstudiengängen einfach umgegossen wurden.

Die Hochschulen sollen die Studiendauer flexibler gestalten und mehr Bachelor-Studiengänge in sieben oder acht Semestern anbieten. Die von der KMK vorgegebene Regelstudienzeit von fünf Jahren bis zum Master soll nicht angetastet werden. Stattdessen sollen aber mehr nicht-konsekutive - also nicht aufeinander aufbauende - Studiengänge entstehen. "Es muss auch den berufsqualifizierenden Bachelor in acht Semestern" geben, so Niedersachsens Kultusminister Lutz Stratmann (CDU). Bisher herrsche zu sehr "die Neigung vor, auf jeden Bachelor- einen Master-Studiengang draufzusatteln."

Damit der Bachelor auch von Arbeitgebern als ausreichend für einen Beruf akzeptiert wird, sollen Hochschulen und Länder - noch einmal - verstärkt mit der Wirtschaft ins Gespräch kommen. Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) sagte, dennoch solle niemand Bachelor bleiben müssen: "Wir brauchen so viele Kapazitäten an den Hochschulen, dass jeder, der will, den Master machen kann."

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hielt dem gestern entgegen: Hätten die Kultusminister das Master-Studium zugänglicher machen wollen, hätten sie ihre eigenen Empfehlungen von 2003 überarbeiten sollen. Darin steht geschrieben, dass neben der Note "besondere Zugangsvoraussetzungen" für den Master vonnöten seien.

Tatsächlich richten sich nur wenige Forderungen der Kultusminister an ihre eigene Adresse. So sind die Länder aufgefordert, "mit Nachdruck" auf die für die Zulassung von Studiengängen zuständigen Akkreditierungsagenturen einzuwirken. Diese sollen stärker darauf achten, dass die Stofffülle nicht zu groß und das Prüfungsregime nicht zu strikt ist. Davon profitieren sollen auch Studierende der bereits bestehenden Studiengänge: Jedes Curriculum muss alle fünf Jahre "reakkreditiert" werden - bis 2014 dürften also alle erneut begutachtet sein. Als Faustregel soll eine Prüfung pro Modul gelten. Das "nicht zu kleinteilige Prüfungswesen soll "gegebenenfalls" in die Hochschulgesetze der Länder fließen.

Gedanken gemacht haben sich die Minister auch über die soziale Lage der Studierenden. Gemeinsam setzten sie sich für einen Ausbau des Bafög ein. Außerdem sollen die Studentenwerke gestärkt werden. Über die für die Bildungsstreikenden zentrale Forderung nach Studiengebührenfreiheit konnten sich die Länder erwartungsgemäß nicht einigen. Doris Ahnen: "Da gibt es wie gehabt zwei Meinungen."

Um die Meinung der am meisten Betroffenen weiter zu hören, wollen die Kultusminister im Gespräch bleiben. Man werde sich "in Kürze wieder mit Studierenden zusammensetzen", kündigte der KMK-Vorsitzende Henry Tesch (CDU) an. Den Hochschulen empfehlen die Minister, Studierende und Alumni in die Weiterentwicklung der Studiengänge einzubeziehen. Ob und in welchen Teilen der Zehn-Punkte-Plan greift, wollen die Kultusminister im Frühjahr 2010 auf einer Fachtagung zur Diskussion stellen.

Die Grünen hatten sich bereits gestern entschieden: "Die Kultusminister scheinen fest entschlossen, die Bologna-Reform vor die Wand zu fahren", erklärte der hochschulpolitische Sprecher im Bundestag, Kai Gehring. Statt "klarer Entscheidungen" seien "wachsweiche Absichten" erklärt worden. Im Jahre Zehn der Bologna-Reform müssten "Bund und Länder endlich für eine angemessene Gegenfinanzierung sorgen."

Autor:  Jeannette Goddar
Datum:  17 | 10 | 2009
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