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Bologna-Reform: "Es geht nur um Bildung als Ware"

Georg aus Österreich ist einer der Organisatoren der Proteste zum Gipfel der Wissenschaftsminister in Wien und Budapest. Sie fordern das Recht auf freie Bildung.

Georg, 21, fordert das Recht auf freie Bildung.
Georg, 21, fordert das Recht auf freie Bildung.
Foto: privat

"Bolognaburns" heißt das Motto, unter dem Sie zum massenhaften Protest gegen den Gipfel der europäischen Wissenschaftsminister in Wien und Budapest aufrufen. Klingt ja ziemlich militant.

So ist das aber gar nicht gemeint. Der Slogan soll einfach nur darauf hinweisen, dass der Funke des Protests auf immer mehr Studierende überspringt. Seit wir, ähnlich wie in Deutschland, vergangenes Jahr mit den Aktionen begonnen haben, ist eine regelrechte neue Studentenbewegung entstanden. Dass in Österreich über mehrere Monate Hörsäle besetzt werden, wie bis vor ein paar Wochen, hat definitiv eine neue Qualität.

In Deutschland glaubte man zuweilen, an den österreichischen Universitäten werde vor allem gegen deutsche Studierflüchtlinge protestiert, die im Nachbarland den Numerus Clausus umgehen wollten.

Das stimmt für die Universitätsleitungen. Für uns Studierende war aber immer klar, dass wir uns nicht entsolidarisieren lassen. Schließlich verbinden uns gemeinsame Ziele. Und zu der deutschen Bewegung sind die Kontakte seit dem Bildungsstreik besonders eng.

Welches sind die gemeinsamen Ziele?

Wir wenden uns vor allem gegen das undemokratische Zustandekommen des Bologna-Prozesses und gegen die Ökonomisierung der Bildung. Ohne Beteiligung der Parlamente und der Studierenden soll ein europaweiter Wissensraum geschaffen werden, der allein der Stärkung der Position im Wettbewerb dient. Statt um Bildung geht es nur noch um Employability, um Bildung als Ware, um Elitenbildung.

In Deutschland wenden sich viele Studierende gegen viel Kleinteiligeres: dauernde Prüfungen, hohe Belastung, schlechte Studierbarkeit.

Wir sind in Österreich relativ spät dran mit der Umstellung; die Auswirkungen in der Studierbarkeit beginnen wir erst zu spüren. Grundsätzlich glaube ich aber, dass es um mehr gehen muss: um das Recht auf freie Bildung für alle.

Wie werden Sie diese Forderung den Wissenschaftsministern in den kommenden Tagen präsentieren?

Am Donnerstag erwarten wir rund 20000 Studierende zu einer Demonstration. Die Minister kommen an dem Nachmittag aus Budapest angereist und würden sich gern in der Wiener Hofburg zu einer feierlichen Veranstaltung versammeln. Ich gehe fest davon aus, dass wir versuchen werden, das zu verhindern. Die Blockadeworkshops laufen seit Tagen. Ab Freitag diskutieren wir auf einem dreitägigen Alternativgipfel unter dem Motto "Reclaim your future" ein anderes Bildungssystem.

Wen meinen Sie eigentlich, wenn Sie von "wir" reden?

Rund 200 Studierende bereiten das Programm seit Monaten vor. Inhaltlich, aber auch die Vernetzung. Es sind Gruppen durch ganz Europa gereist und haben Unterstützer an den Universitäten gesucht.

Und?

Mit Erfolg. Wir bringen in dieser Woche 1500 Studierende aus rund 15 Ländern unter. Es ist ein regelrechtes internationales Studierenden-Netzwerk entstanden. Und wir sind optimistisch, dass der europaweite Protest mit dem Ende dieser Woche nicht beendet sein wird. Wo auch immer Wesentliches in Sachen Bologna in den kommenden Jahren debattiert wird: Wir wollen und werden dabei sein.

Interview: Jeannette Goddar

Datum:  10 | 3 | 2010
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