Gudrun Rochol steht in Pantoffeln vor ihrem Reihenhäuschen in Bonn Bad-Godesberg und schüttelt den Kopf. Nicht über den Demonstrationszug, der gerade an ihr vorbeizieht. Sondern über das massive Polizeiaufgebot. "Ich bin heute Mittag mit dem Fahrrad durchs Viertel gefahren, das ist ja der Wahnsinn, wie viele Polizisten hier herumstehen", wundert sich die 65-Jährige: "Das ist ja ein richtiger Polizeistaat, das macht mich wütend! Das geht hier doch alles ganz ruhig ab." Tatsächlich machen die Studenten und Schüler, die bei der Demonstration mitlaufen, einen friedlichen Eindruck. Rund 5000 sind gekommen, um für eine bessere Bildung zu demonstrieren.
Ziel des Demonstrationszugs ist das Bonner Wissenschaftszentrum, in dem am Donnerstag die Kultusministerkonferenz tagt. Auf dem Weg dorthin sorgt eine Samba-Gruppe in pinken Outfits für Stimmung. Die Demonstranten tragen Plakate mit Sprüchen wie: "Wären Studenten ein Viehtransport, wäre Greenpeace schon vor Ort", "Bildung ist ein Menschenrecht, kein Privileg". Von einem guckt ein Comic-Schaf und klagt mit traurigen Augen: "Ohne Bildung ist alles doof."
Kapuzen nicht in Sicht
Vermummte mit Sonnenbrillen und Kapuzen sind weit und breit nicht in Sicht. Die Demonstranten diktieren sogar bereitwillig ihre Namen. Frauke van Kampen, 25, zum Beispiel, die heute früh mit ein paar Kommilitonen aus Paderborn angereist ist, wo sie auf Lehramt studiert. Später will sie an einer Hauptschule arbeiten. Was sie nicht will: ihren Schülern später erklären, wie sie den Hartz-IV-Antrag richtig ausfüllen.
Jutta Elsässer ist mit etwa 500 Kommilitonen aus Köln zur Demo gekommen: "Der Zug war rappelvoll, da haben gar nicht alle reingepasst", erzählt die 23-jährige Studentin der Erziehungswissenschaften. Was sie sich von den Kultusministern für Beschlüsse wünscht? "Vor allem, dass die Regelstudienzeit für den Bachelor auf acht Semester verlängert wird, das würde eine Menge Druck rausnehmen." Sagt sie, und läuft dann schnell zu einem Hauseingang, wo sie klingelt und den verdutzten Besitzern ein paar Flugblätter in die Hand drückt.
Bis zur Erklärung der Kultusminister am Nachmittag vertreiben sich die Studenten die Zeit mit dem Verlesen von Solidaritätsbekundungen. Aus dem Lautsprecherwagen dröhnt Musik und die Sambagruppe gibt ihr Bestes, um die frierenden Demonstranten bei Laune zu halten.
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