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Kommentar: Blockaden für die Bildung

Der Bildungsstreik hat viele mobilisiert - nicht nur Immerlinke in den Hochburgen. Das ist ein beachtlicher Erfolg, kann aber nur der Anfang gewesen sein. Von Frauke Haß

Frauke Haß ist Wissen- und Bildungsredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Frauke Haß ist Wissen- und Bildungsredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Ibbenbüren: Sitzblockaden, Osnabrück: Rathaus besetzt, Essen: Straßenblockade, Bochum: Schulen gestürmt, Kassel: Schienen blockiert, Bielefeld: Straßenbahnen aufgehalten, Dortmund: Rathaus gestürmt, Walsrode: Kreuzung blockiert…

Der Live-Ticker auf Bildungsstreik.net offenbart schon am Mittwochmittag einen frühen Erfolg der Organisatoren: Sie haben es geschafft zu mobilisieren. Und zwar nicht nur eine Handvoll Immerlinke in Heidelberg, Münster und Berlin. Sondern überall in Deutschland, von Konstanz bis Bremen, gingen junge Leute für die Bildung auf die Straße. Schon allein dafür gebührt den Veranstaltern Anerkennung.

Zehntausende Demonstranten - Schüler, Studierende, Lehrer, Professoren und Eltern, die sich gegen verkürzte Gymnasialzeit, Stundenausfall, verschultes Bologna-Studium und Studiengebühren zur Wehr setzen - melden die Agenturen bereits am frühen Nachmittag aus mehr als siebzig Städten. Die Veranstalter zählten gar 240.000.

Und auch wenn’s nur die Hälfte wäre: Wann gab es das zuletzt, dass sich Zehntausende Menschen zusammentun und bessere Bildung für alle einfordern? Die außerdem nicht bloß müde über Straßen und Plätze latschen und irgendwelche Parolen herunternölen, sondern ebenso gewaltlos wie variantenreich Rathäuser und Hörsäle besetzen, Straßen und Schienen blockieren, Stühle zu kunstvollen Barrikaden auftürmen?

Dass die Forschungsministerin die Demos "gestrig" nennt, weil die Bologna-Reform nicht zurückzunehmen sei, sollte den Protestierern aber zu denken geben. Ihre Streikwoche kann nur ein Anfang gewesen sein

Autor:  FRAUKE HAß
Datum:  17 | 6 | 2009
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