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OECD-Studie: Oft vergeblich studiert

Arbeitgeber stellen hochqualifizierte Einwanderer-Kinder deutlich seltener ein als Kandidaten ohne Migrationshintergrund. Von Steven Geyer


Foto: fr

Nicht die schlechter ausgebildeten Einwanderer-Kinder, sondern die mit höheren Bildungsabschlüssen sind in Deutschland besonders schlecht in den Arbeitsmarkt integriert. Das ergab die erste Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die erstmals die Berufswege 20- bis 29-Jähriger aus der "Zweiten Generation" von Migranten in 16 der 30 vorwiegend westlichen OECD-Länder untersuchte.

Der Vergleich ist laut OECD ein wichtiger Indikator für den Integrationserfolg, da sowohl die Nachkommen von Migranten als auch die Gruppe ohne Migrationshintergrund ihre gesamte Sozialisation und Ausbildung im gleichen Land erfahren haben. Laut der am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Untersuchung haben Ausländerkinder auch dann größere Schwierigkeiten einen Job zu bekommen, wenn sie den gleichen Bildungsstand vorweisen können wie deutschstämmige Arbeitsuchende.

"Man muss da durchaus von Diskriminierung sprechen", sagte Thomas Liebig, Autor der OECD-Studie, der FR. "Dieses Phänomen haben wir nur in Deutschland so ausgeprägt festgestellt: Dort bekommen die Niedrigqualifizierten unter den Einwandererkindern ungefähr ebenso gut Arbeit in etwa denselben Bereichen wie die Niedrigqualifizierten mit deutschen Eltern. Aber die wenigen Migranten, die höhere Schulabschlüsse erreichen, haben signifikant schlechtere Chancen als Deutsche dergleichen Gruppe."

Positivbeispiel Schweiz

Dieser Befund überrasche, eben weil beide Gruppen ihre Bildungsabschlüsse in der Regel im Inland erworben hätten, sagte der OECD-Migrationsexperte. In den meisten anderen untersuchten Ländern, insbesondere in Belgien, Frankreich und den Niederlanden, seien es vor allem geringqualifizierte Migrantenkinder, die im Vergleich zu ähnlich schlecht qualifizierten Nichtmigranten überdurchschnittlich oft arbeitslos seien. In Deutschland dagegen haben 90 Prozent der 20- bis 29-jährigen hochqualifizierten Männer ohne Migrationshintergrund einen Arbeitsplatz, in der vergleichbaren Gruppe mit Migrationshintergrund aber nur 81 Prozent. So signifikant wie bei den Männern fallen die Ergebnisse bei den jungen Frauen nicht aus; sie stehen dem Arbeitsmarkt wegen Heirat und Mutterschaft in dem angegebenen Zeitraum weniger zur Verfügung.

"Die meisten Einwanderer in europäischen OECD-Ländern kamen aus der Türkei und Marokko und hatten eine geringe Bildung" , sagt Liebig. "Dadurch können sie ihren Kindern, selbst wenn diese einen guten Abschluss schaffen, nicht die Netzwerke für einen guten Berufseinstieg bieten."

Handel statt Verwaltung

In Deutschland sind Nachkommen von Migranten besonders stark im Handel und im verarbeitenden Gewerbe vertreten. In der öffentlichen Verwaltung machen Ausländerkinder in Deutschland dagegen extrem selten Karriere: Nur drei Prozent der 20- bis 29-Jährigen mit ausländischen Wurzeln sind in der öffentlichen Verwaltung beschäftigt, bei jungen Erwachsenen mit deutschen Wurzeln sind es zehn Prozent. In keinem anderen untersuchten Land sind die Unterschiede so groß.

Ein etwa aus den Pisa-Studien bereits bekanntes Problem bestätigt die OECD-Studie: Unter Einwandererkindern ist der Anteil der Geringqualifizierten ohne abgeschlossene Berufsausbildung oder Abitur doppelt so hoch wie bei denen, die mindestens ein in Deutschland geborenes Elternteil haben. In Nachbarländern wie Österreich, Belgien oder den Niederlanden bietet sich ein ähnliches Bild. "Deutschland befindet sich im unteren Mittelfeld", sagte Liebig. Als positives Gegenbeispiel nennt der Bericht neben den klassischen Einwanderungsländern wie USA und Kanada vor allem die Schweiz. Dort seien unabhängig vom Bildungsniveau kaum Unterschiede in den Beschäftigungsquoten festzustellen, was vor allem daran liege, dass die Einwanderer aus breiteren Bevölkerungsschichten kommen und bereits in der Elterngeneration viele Migranten eine höhere Bildung mitbringen, so Liebig.

Ebenso eine Ausnahme stellt Deutschland - in diesem Fall mit der Schweiz - in punkto Staatsbürgerschaft dar. "In allen anderen untersuchten Staaten hat die Mehrheit der im Inland geborenen Einwandererkinder die Staatsbürgerschaft ihres Wohnlandes angenommen", so Liebig. Möglicherweise sei auch das ein Hemmschuh für eine Anstellung höher qualifizierter Migranten.

Autor:  Steven Geyer
Datum:  16 | 10 | 2009
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