kalaydo.de Anzeigen

Schavan: Studentenproteste "zum Teil gestrig"

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) kündigte an, im Juli zu einer Konferenz einzuladen. Dabei will sie mit Studierenden über die verkürzten Studiengänge sprechen und für mehr Akzeptanz werben.

Bildungsstreik: Physikstudenten haben an der Universität in Freiburg eine Stuhlpyramide gebaut.
Bildungsstreik: Physikstudenten haben an der Universität in Freiburg eine Stuhlpyramide gebaut.
Foto: Foto: dpa

Berlin. Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat wenig Verständnis für die derzeitigen Studentenproteste. Im Deutschlandfunk nannte sie die Forderungen der Studierenden "zum Teil gestrig". Schavan sagte: "Ich bin sehr einverstanden, wenn sich Schüler und Studenten mit dem Bildungssystem beschäftigen."

"Aber wer streikt, muss auch Fakten zur Kenntnis nehmen. Wer sagt, wir müssen Bachelor- und Masterstudiengänge wieder abschaffen, der nimmt nicht zur Kenntnis, dass Deutschland Teil des europäischen Bildungsraums ist."

Schavan kündigte an, im Juli zu einer Konferenz einzuladen. Dabei will sie mit Studierenden über die verkürzten Studiengänge sprechen und für mehr Akzeptanz werben. An einigen Stellen müsse nachgebessert werden, räumte die Ministerin an. Generell steckten aber große Chancen in dieser "modernen Struktur".

Der sogenannte Bildungsstreik der Schüler und Studenten steuert heute (Mittwoch) auf seinen vorläufigen Höhepunkt zu. Geplant sind Kundgebungen in mehr als 70 Städten, die vermutlich größte in Berlin. Schüler wie Studenten fordern dabei mehr Geld für die Bildung. Die Schüler wenden sich außerdem gegen die Schulzeitverkürzung bis zum Abitur.

Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), begrüßte die bundesweiten Proteste von Studenten und Schülern. "Die Demonstrationen und Aktionen der jungen Menschen für mehr und bessere Bildung und ihre Rufe nach einer neuen Bildungsoffensive waren längst überfällig", sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Die Protestierenden befinden sich in guter Gesellschaft. Alle Expertisen von Bildungs- wie von Wirtschaftsforschern weisen seit Jahren darauf hin, dass die soziale Auslese im deutschen Bildungssystem nicht länger tragbar ist."

Die teils massive Kritik der Studierenden an der Verschulung ihres Studiums in den neuen sechssemestrigen Bachelor-Studiengängen bezeichnete Burchardt als völlig berechtigt. "Wir haben in Deutschland dringenden Korrekturbedarf bei der weiteren Umsetzung der Bologna-Reform und der Einführung gestufter Studiengänge." Dazu gehöre an den Hochschulen "eine echte Reform der Studieninhalte, aber auch eine solide personelle Ausstattung für mehr Lehrqualität".

Auch die Vorsitzende der Deutschen Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, äußerte im ZDF-"Morgenmagazin" generell Verständnis für die Streikenden. Es habe "in der Tat eine tiefgreifende Studienreform" gegeben, und es gebe immer noch Probleme. Die Logik der europaweiten Reform bleibe aber richtig. Laut Wintermantel wechseln immer mehr Studenten nach dem Bachelor- Abschluss innerhalb Europas die Universität, um den Master im Ausland zu machen. (dpa)

Datum:  17 | 6 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Videos
Spezial
Blick in die Magellanwolke

Der Blick in den Weltraum auf ISS, Planeten, Sterne, Monde und die Sonne: Hintergründe, interaktive Grafiken, Fotostrecken und Videos.

Umfragen
Spezial
Kindermund tut Wahrheit kund (FR vom 22. November 2011)

Zeichen für den Klimawandel: Erderwärmung, saure Meere, Treibhauseffekt, Ozonloch, Wetterkapriolen und Naturkatastrophen.

Spezial

Vor vierzig Jahren brachen mutige Männer auf, um einen Menschheitstraum zu erfüllen - die Landung auf dem Mond.