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12. September 2013

„Pro Deutschland“ in Frankfurt: Keiner hört „Pro Deutschland“ zu

 Von Danijel Majic
Gegendemonstranten bieten den Pro-Deutschland-Rednern Paroli.  Foto: Christoph Boeckheler

Das Interesse an Auftritten von „Pro Deutschland“ ist in Frankfurt und Offenbach gering. Doch das hält den Anführer der Bürgerbewegung, Lars Seidensticker, nicht davon ab, Reden zu halten. Eins wird dabei klar: Das smarte Gesicht des Rechtspopulismus ist er nicht.

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Frankfurt/Offenbach. –  

Selbst ein Lars Seidensticker hat manchmal schwache Momente. „Eigentlich habe ich gar keinen Bock, hier zu reden“, ruft er den Gegendemonstranten in der Griesheimer Eichenstraße zu. Eine Lautsprecheranlage verstärkt seine Stimme, damit sie die gut 100 Meter zu jenen Menschen überbrücken kann, die sich wünschten, er würde seinem spontanen Impuls folgen. „Alerta! Alerta! Antifascista“, schallt es ihm entgegen.

„Ihr hört ja doch nicht zu“, beschwert sich der Anführer der Bürgerbewegung Pro Deutschland. Eine realistische Einschätzung. Eigentlich will ihn außer seinen sieben Anhängern, mit denen er an diesem Tag durch Offenbach und Frankfurt tourt, niemand hören. Die linken Gegendemonstranten, etwa 30 an der Zahl, aus Prinzip nicht und der Rest der Stadt, weil sie ihn nicht ernst nimmt. Er wird trotzdem sprechen.

Vielleicht gibt es auch so etwas wie das smarte Gesicht des Rechtspopulismus. Seidensticker ist es nicht. Seit Wochen touren er und eine Handvoll Anhänger durchs Land, melden in allen möglichen Städten Kundgebungen an, und hoffen durch die schiere Anzahl der Auftritte, ihre Relevanz zu steigern. Die Einzigen, die das interessiert, sind Linke, die den Rechtspopulisten keinen Fussbreit gönnen. An diesem Mittwoch in Offenbach und Frankfurt ist das nicht anders.

Angefangen hat der Tag in Offenbach, vor der Tauhid-Moschee (Feindbild Islam) unter schallendem Protest von 50 Gegendemonstranten. Es ging weiter zur Europäischen Zentralbank (Euro und Banker), nach Griesheim (wieder Islam), in die Frankfurter Kaiserstraße (Multikulti) und schließlich nach Bockenheim, wo ProDeutschland gerne vorm Café Exzess (Linke) demonstriert hätte, aber nicht durfte.

Fünf Anhänger, 400 Gegner

Der Inhalt der verschiedenen Reden: Geschimpfe über die vermeintliche Islamisierung Deutschlands, Anti-Euro-Rhetorik und immer wieder Beleidigungen politisch Andersdenkender. Zweimal darf Seidensticker ans Mikrofon, ansonsten beschäftigt er sich mit seinem Smartphone.

„Pro Deutschland“  tut sich schwer, in Frankfurt mit ihren Parolen Gehör zu finden.
„Pro Deutschland“ tut sich schwer, in Frankfurt mit ihren Parolen Gehör zu finden.
 Foto: Christoph Boeckheler

Irritierend an den Auftritten von Pro Deutschland sind weniger die reaktionären Inhalte. Die sind altbekannt. Es ist der Hang zur völligen Selbstüberschätzung. Die demonstrativ zur Schau getragene Selbstzufriedenheit einer Splitterpartei, die sich „Bewegung“ nennt, aber zu keiner Tour-Veranstaltung mehr als 10 Anhänger mobilisieren konnte. Das ist nicht smart. Wenn überhaupt ist Pro Deutschland das feiste Gesicht des Rechtspopulismus.

Am Abend stehen sich bei der Abschlusskundgebung noch fünf Pro-Deutschland-Anhänger und 400 Gegendemonstranten in Bockenheim gegenüber. Am Kaisersack ist es zu kleinen Zusammenstößen zwischen Polizei und Gegendemonstranten gekommen, was der Polizei keine Erwähnung wert ist. Seidensticker hat derweil ein Redeverbot erhalten. Für ihn sicherlich die Höchststrafe.

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