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14. September 2013

Alternative für Deutschland: Keine Beweise für Schlägertruppen

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Die AfD inszeniert sich gerne als Opfer von Gewalt.  Foto: dpa/Jan-Philipp Strobel

Die Alternative für Deutschland inszeniert sich als Opfer von Gewalt und Verleumdung. Zudem stellt sie ihre Gegner im Netz an den Pranger.

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Die Alternative für Deutschland inszeniert sich als Opfer von Gewalt und Verleumdung. Zudem stellt sie ihre Gegner im Netz an den Pranger.

Die Alternative für Deutschland (AfD) hat durchaus auch Humor: Bei Youtube zeigt die Anti-Euro-Partei Puppenfilme, in denen Parteichef Bernd Lucke durch den beschlipsten Stoffhund Lucky verkörpert wird. In einer Folge trifft Lucky auf „Herrn Tritt-Ihn“ und dessen Helfer. Sie verprügeln den armen Lucky, sobald der vom Euro-Ausstieg spricht – für den die echte AfD sich im wahren Leben einsetzt. Luckys Pointe: „Das verstehen die also unter Meinungsfreiheit?“

Dieses Bild pflegt die AfD längst auch im Ernst: Als einzige Alternative zu den Etablierten werde sie angefeindet – von Medien, Meinungsforschern und Linken, bis zur Gewalt. Wer „Mut zur Wahrheit“ hat, legt sie nahe, wird unterdrückt – und braucht jede Stimme. Das Puppenspiel stellte die AfD zum Beispiel am 27. August ins Netz – drei Tage, nachdem der echte Lucke bei einer Rede in Bremen von zwei Unbekannten über die Bühne geschubst wurde.

Doch die Pressemitteilung, die die AfD über den Vorfall absetzte, war alles andere als lustig: „Sechs bis sieben Vermummte, vermutlich dem linksautonomen Lager zuzurechnen, von denen wenigstens einer mit einem Messer bewaffnet war“, hätten die Bühne gestürmt und „versprühten Reizgas, wodurch ein dutzend Personen Atemwegsverletzungen davontrug“. Von 20 bis 25 Autonomen ist die Rede; ein Helfer sei mit einem Messer verletzt worden.

Die Bremer Polizei, die die Angaben zunächst bestätigt und so für bundesweite Berichte gesorgt hatte, korrigierte diese Darstellung nun. Ihre Meldung habe auf AfD-Angaben beruht, erklärte sie diese Woche. „Ein Messer war keineswegs im Spiel“, sagt Polizeichef Lutz Müller, auf der Bühne waren nur „drei bis vier Protestierer“. Doch die AfD bleibt bei ihrer Klage über das „Attentat“ und gehäufte linke Angriffe. Lucke spricht von „Schlägertruppen wie in der Weimarer Republik“.

Kleinkrieg mit Forsa

Es ist nicht das erste Mal, dass die AfD von Angriffen berichtet, die nicht belegbar sind. Im August berichtete ein Göttinger Mitglied von Vermummten vor und einem Anschlag auf sein Haus. Die Polizei fand keine Spuren. Ebenfalls in Göttingen prangerte die AfD an, 60 Polizisten hätten ihren Infostand schützen müssen. Die Polizei dementierte. Auch an von der AfD beklagten Drohanrufen zweifeln die Behörden.

Nun lässt sich nicht leugnen, dass der AfD-Wahlkampf in Göttingen massiv gestört wird. Die Antifa ruft zum Übermalen und Beschädigen ihrer Plakate auf, zu jedem AfD-Infostand gibt es kleine Gegendemos. Erstaunlich nur: Der AfD scheint das gerade recht zu kommen. Sie spricht von „links motiviertem Terror“. Während andere Parteien beschmierte Poster anzeigen und ersetzen, plakatiert die AfD eigene Banner drüber: „So werden wir diffamiert!“ Der Grünen Jugend wirft sie vor, sie rufe zu Gewalt gegen sie auf. Dafür gibt es keine Belege.

Auch ein Infoblatt der Jungen Piraten und Grünen Jugend, das die AfD als rechts und gefährlich bezeichnet, lässt die nicht als Meinungsfreiheit gelten – sondern klagt öffentlichkeitswirksam dagegen. Es sei eine „böswillige Unterstellung“, dass die AfD rassistisch sei. Dabei fordert Lucke, dass Rumänien die Sozialleistungen für Sinti und Roma in Deutschland zahlt. An diesem Freitag zitierte ihn die SZ damit, dass manche Einwanderer „eine Art sozialen Bodensatz bilden, der lebenslang in unseren Sozialsystemen verharrt“.

Dennoch erzürnt es AfD-Funktionäre, wenn die Presse sie rechtspopulistisch nennt. Auch deshalb werde die AfD tätlich angegriffen, klagt Niedersachsens AfD-Landeschef Ulrich Abramowski. Im Netz sammeln AfD-Anhänger Namen und Fotos von Journalisten und Politikern, die sich kritisch über die Partei äußertn. Lucke distanzierte sich – seine Partei wirbt auf ihrer Facebookseite weiter für den Pranger.

Die AfD-Fans sehen sich als unterdrückte Mehrheit. Dass die Umfragen dem widersprechen, hält die AfD ebenfalls für eine Verschwörung. Lucke warf den Demoskopen vor, Rohdaten der AfD herunterzumanipulieren. Dagegen klagt wiederum das Institut Forsa.

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