Große Koalition
Von der Bundestagswahl zur Bildung der Großen Koalition.

12. November 2012

Grüne Jugend: "Die Wähler wollen uns kämpfen sehen“

Gesine Agena, 25, bis vor Kurzem Sprecherin der Grünen Jugend. Foto: dapd

Der grüne Nachwuchs will, dass Claudia Roth Grünen-Chefin bleibt, legt sich aber beim Parteitag mit dem Vorstand an. Gesine Agena, Ex-Sprecherin der Grünen Jugend, gilt als Talent – und hat Chancen in den Parteirat gewählt zu werden. Im Interview wünscht sie sich eine kämpferische Partei – auch gegenüber der SPD.

Drucken per Mail

Der grüne Nachwuchs will, dass Claudia Roth Grünen-Chefin bleibt, legt sich aber beim Parteitag mit dem Vorstand an. Gesine Agena, Ex-Sprecherin der Grünen Jugend, gilt als Talent – und hat Chancen in den Parteirat gewählt zu werden. Im Interview wünscht sie sich eine kämpferische Partei – auch gegenüber der SPD.

Frau Agena, nach der Urwahl muss man fragen: Wie links sind die Grünen noch?

Die Urwahl hat nichts daran geändert, dass wir eine linke Partei sind. Das Programm bestimmt bei uns die Politik, und das ist zuletzt klar nach links gerückt: Wir haben erst vor einem Jahr eine Vermögensabgabe und einen deutlich höheren Spitzensteuersatz beschlossen und werden nun wichtige sozialpolitische Beschlüsse fassen. Ich habe zum Beispiel den Antrag mit gestellt, die Erhöhung der Hartz-IV-Sätze nicht, wie der Vorstand beantragt, anderen Prioritäten unterzuordnen – sondern sie gemäß grüner Beschlusslage auf 420 Euro zu erhöhen. Das ist verfassungskonform und gerecht und ich bin guter Dinge, dass das beschlossen wird.

Sind Sie sicher? Die Leitfigur der Parteilinken, Claudia Roth, wurde gerade von der Basis abgewatscht.

Die Urwahl betraf nicht unser Profil oder den Parteivorsitz, sondern die Wahlkampf-Spitze. Claudia Roth ist als Parteichefin wichtig für die Grünen – weil wir inhaltlich und personell breit aufgestellt sein wollen und weil sie eine großartige Parteivorsitzende ist. Bei der Wahl von Katrin Göring-Eckardt spielte wohl der Wunsch nach personeller Erneuerung eine Rolle. Aber es war keine Abwahl von Claudia Roth. Ich wünsche mir, dass sie auf dem Parteitag ein super Ergebnis bekommt.

Die Wahl von Göring-Eckardt gilt als Einladung an bürgerliche Wähler? Ist das Ihre neue Basis?

Katrin Göring-Eckardt ist mit einem klaren sozialpolitischen Profil in die Urwahl gegangen. Sie unterstützt beim Parteitag die Kindergrundsicherung, die eine wichtige Korrektur der rot-grünen Agenda-Politik ist, deren Schwächen sie heute klar benennt. Sie hat mehrfach betont, keine Nähe zur CDU zu sehen – vor allem wegen deren Familien- und Flüchtlingspolitik. Sie wurde also eher für linke Positionen gewählt. Daran wird die Partei sie nun auch messen.

SPD-Chef Gabriel fordert Ihre Partei auf, Schwarz-Grün klar auszuschließen. Fürchtet er sich zu Recht davor, falls es für Rot-Grün nicht reicht?

Den Ball kann man zurückspielen: Die SPD möge doch die große Koalition ausschließen! Die Grünen haben eine klare Präferenz für die SPD. Noch nie haben so viele Grüne von beiden Flügeln gesagt, dass die Politik der Union unvereinbar mit unserer ist – von der Familienpolitik samt Betreuungsgeld bis zur Energiewende, wo die CDU alles blockiert, was wir fordern. Einer Koalition mit dieser Union würde momentan ganz sicher kein grüner Parteitag zustimmen.

Was die Erneuerung angeht: Sind eine 46-jährige Bundestagsvizepräsidentin und ein 58-jähriger Ex-Bundesminister attraktiver für junge Leute als die Piraten oder die Linke mit ihrer frischen 34-jährigen Chefin?

Unser Spitzenduo ist mit breiter Zustimmung aller Mitglieder gewählt. Und Jungsein ist kein Wert an sich. Zugleich müssen wir klarmachen: In unserer Partei haben junge Leute was zu sagen. Schon der Wahlkampf wird das zeigen, auch dank vieler Landesvorsitzender und Bundestagsabgeordneter zwischen 20 und 40, die in der Grünen Jugend politisiert wurden und nun tief in alle Felder von Haushalts- über Verteidigungs- bis Familienpolitik eingearbeitet sind, und die nach der Wahl sicher mehr Verantwortung übernehmen und frischen Wind reinbringen sollten.

Wie wollen Sie das im Parteirat konkret beweisen?

Es geht auch um die Haltung. Wähleranalysen zeigen: Unsere Anhänger wollen uns kämpfen sehen. Sie wollen, dass wir uns nicht kaufen lassen, nicht sofort in jeden Kompromiss einsteigen, sondern klar für unsere Positionen stehen. Das sollten wir künftig auch etwas deutlicher tun. Zum Beispiel hätte sich die Fraktionsspitze im Bundestag nicht so schnell darauf festlegen müssen, dass die Grünen dem Fiskalpakt zustimmen sollen. Wir hätten besser unsere Alternativen klarmachen müssen. Gerade unter dem SPD-Kandidaten Steinbrück wird das wichtig: Wir stehen für die Alternative und nicht für einen großkoalitionären Kompromiss auf Teufel komm raus.

Das Interview führte Steven Geyer.

Zur Homepage

Jetzt kommentieren

Ergebnis der Bundestagswahl

Unsere große interaktive Grafik mit prozentualer Stimmenverteilung, Anzahl der Sitze und dem Koalitionsrechner - wer kann mit wem? Außerdem die Erst- und Zweitstimmen aus allen Wahlkreisen.

Spezial

Unser Informationspaket zur Regierungsbildung:

Die Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Alle Ergebnisse - mit Koalitionsrechner

Die interaktive Karte - Kandidaten, Gewinner und Verlierer aus den hessischen Wahlkreisen.

Der FR-Parteiencheck - ermitteln Sie interaktiv, welcher Partei Sie nahe stehen.

Die Kandidaten - Politikerinnen und Politiker im Porträt.


Videonachrichten Bundestagswahl