Die Basis hat gesprochen: Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin führen als Spitzenkandidaten die Grünen in die Bundestagswahl 2013. Unter vier prominenten und elf unbekannteren Kandidaten bekamen die Bundestagsvizepräsidentin und der Fraktionschef in einer Urwahl die meisten Stimmen - erstmals entschied die Parteibasis direkt über das Personal. Einen Dämpfer bekam dabei Parteichefin Claudia Roth, die nur Platz vier erreichte. Ihre Zukunft im Amt scheint offen.
An der ersten Urwahl der Grünen-Spitzenkandidaten hatten sich nach Parteiangaben knapp 62 Prozent der rund 60.000 Mitglieder beteiligt. Mit 71,9 Prozent war Trittin der klare Sieger, Göring-Eckardt kam mit 47,3 Prozent auf den zweiten Platz.
Enttäuschend verlief die Urwahl für die Trittins Ko-Fraktionschefin Künast, die auf 38,6 Prozent kam, und die Parteivorsitzende Roth, für die lediglich 26,2 Prozent stimmten. Während Künast versicherte, sie werde ihre Kraft für die Ablösung der schwarz-gelben Bundesregierung einsetzen, äußerte sich Roth zunächst nur auf Facebook und gratulierte dort dem neuen Spitzen-Duo knapp.
Am Sonntagnachmittag luden die Grünen für Montagmorgen (08.00 Uhr) zu einem Statement der Parteivorsitzenden ein. Über den Inhalt wurde nichts mitgeteilt. Vor der Urwahl hatte Roth angekündigt, unabhängig vom Ausgang der Basisbefragung beim Bundesparteitag Mitte November in Hannover wieder für den Vorsitz der Grünen zu kandidieren.
Petra Kelly (Mitte), hier bei einer Demonstration gegen die Startbahn West am Frankfurter Flughafen, gilt als die erste Gallionsfigur der Grünen in Deutschland. Sie ist zugleich bis zu ihrem Tod 1992 in der europäischen Frauen-, Friedens- und Anti-Atombewegung engagiert.
Foto: dpaGöring-Eckardt sagte der „Bild am Sonntag“: „Ich wünsche mir, dass Claudia Roth ein gutes Ergebnis beim Parteitag bekommt.“ Auch die Grünen-Abgeordneten Frithjof Schmidt und Toni Hofreiter sprachen sich in der „tageszeitung“ (Montagsausgabe) für Roths Verbleib im Amt der Vorsitzenden aus und lobten ihre Verdienste. Der Berliner Landesparteichef Daniel Wesener sagte: „Claudia Roth wird gebraucht.“ Die Grünen könnten 2013 nicht auf sie verzichten.
Göring-Eckardt lässt ihr Amt als Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bis zum Ende des Bundestagswahlkampfes ruhen, will aber Bundestagsvizepräsidentin bleiben. Das kritisierten Vertreter von Union und FDP.
Kurz nach ihrer Nominierung kündigte Göring-Eckardt zudem an, sie wolle die Wähler für eine „bessere Gesellschaft“ begeistern. Dazu zählten etwa eine menschlichere Flüchtlingspolitik, gesellschaftliche Teilhabe von Migranten und echte Gleichberechtigung für Homosexuelle, sagte die 46-Jährige.
Trittin betonte, alle Kräfte müssten für das Ziel verwendet werden, die Regierung von Union und FDP abzulösen. Als Wahlkampfthemen nannte der 58-Jährige die Energiewende, Gerechtigkeit und einen „neuen Aufbruch für eine offene Gesellschaft“.
Beide nannten als Ziel, das Wahlergebnis von 2009 (10,7 Prozent) zu verbessern. „Wir trauen uns zu, kräftig zuzulegen“, sagte Göring-Eckardt der „Bild am Sonntag“. Trittin sagte dem Blatt: „Nur wenn wir das grüne Wahlergebnis von 2009 um einige Prozentpunkte steigern, wird die Regierung Merkel abgelöst.“ Eine schwarz-grüne Koalition wollten beide Kandidaten aber nicht ausschließen.
Der Ko-Parteivorsitzende Cem Özdemir zeigte sich in der Zeitung „Sonntag Aktuell“ zuversichtlich, mit dem Duo so viele Wähler wie nie zuvor für die Grünen zu gewinnen. Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke urteilte in Berlin, die Basis habe für „Balance zwischen Kontinuität und Erneuerung“ und zwischen den Parteiflügeln votiert.
Die SPD wertete das Ergebnis der Urwahl als Signal für Rot-Grün. „Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin sind klasse Redner und gute Wahlkämpfer“, freute sich SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Damit sei die Ablösung von Schwarz-Gelb näher gerückt. Auch Parteichef Sigmar Gabriel reagierte zufrieden. Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagte in Wolfsburg: „Alles Gute, wir werden gut zusammenarbeiten.“ (dapd)
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