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12. November 2012

Nach der Grünen-Urwahl: Trotz allem - Roth macht weiter

 Von 
Nur für einen Moment geknickt: Claudia Roth. Foto: dpa

Nur einen bitteren vierten Platz gab es für Claudia Roth bei der Urwahl der grünen Spitzenkandidaten für 2013. Trotzdem gibt sie nicht auf und will weitermachen.

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Berlin –  

Viele hatten schon mit ihrem Rücktritt gerechnet, nach diesem katastrophalen Ergebnis der Grünen-Urwahl. Und Claudia Roth selbst, ungewöhnlich düster im schwarzen Jackett, klingt auch genau so, wie Politiker klingen, wenn sie ankündigen, dass sie ihr Amt niederlegen. Doch was Roth in dieser ungewohnt knappen und ernsten Art vorbringt, ist das Gegenteil einer Rücktrittserklärung: Sie will sich trotz allem auf dem Grünen-Parteitag am kommenden Wochenende erneut für den Parteivorsitz bewerben.

"Es ist jetzt an den Delegierten, ob sie mir dieses Amt zutrauen und ob sich mich in diesem Amt haben wollen", sagt Roth. Sie habe viele Rückmeldungen erhalten, nicht zuletzt aus der Basis, sie sie ermutigt hätten, weiterzumachen. Deswegen ziehe sie nun nicht zurück, sondern biete der Partei an, alles für den Wechsel zu tun.

Die 57jährige Roth, die mit einer Unterbrechung seit 2001 an der Spitze der Grünen steht, war als aussichtsreichste Kandidatin in die Urwahl der grünen Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2013 gestartet. Aber am Ende, als die Stimmen über 35.000 Parteimitgliedern ausgezählt waren, stellte sich heraus, dass Roth weit abgeschlagen hinter Jürgen Trittin, Katrin Göring-Eckhardt und sogar Renate Künast landete. Sie erreichte nur 26,2 Prozent der Stimmen.

Für sich und für die Grünen

"Eine herbe Klatsche", sagt Roth selbst an diesem Montagmorgen, und wie hart dieser Schlag war, das sieht man ihr tatsächlich an. Und doch, Claudia Roth ist eine Kämpferin, die Politik ist ihr Ein und Alles, ihre ganz große Leidenschaft, und außerdem will sie die Grünen jetzt auch nicht mit einer Führungskrise belasten. „Es geht in erster Linie nicht um mich und es geht in erster Linie nicht um meine Enttäuschung“, sagt sie. Es gehe „um etwas Wichtigeres: Es geht um die Ablösung von Schwarz-Gelb, es geht um ein starkes grünes Ergebnis bei dieser wichtigen Bundestagswahl“.

Begonnen hatte Roths grüne Karriere 1985, über eine Anzeige in der taz, wie die Politikerin auf ihrer Webseite schreibt. Roth, die bis dahin als Dramaturgin und als Managerin der Band Ton Steine Scherben gearbeitet hatte, meldete sich und wurde Pressesprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag. Nach vier Jahren kandidierte sie erfolgreich für das Europa-Parlament. Seit 1998 sitzt sie im Bundestag. Sie gilt als Stimmführerin des linken Parteiflügels und als Personifizierung der grünen Basis - jedenfalls bis zu ihrem Fiasko bei der Urwahl.

Trittin begrüßt Entscheidung

Nach der Auszählung der Stimmen war Claudia Roth das Wochenende über abgetaucht, hatte ihren siegreichen Mitbewerbern nur knapp über Facebook gratuliert. Um so deutlicher ließen sich die anderen vernehmen. Ein regelrechter Chor von Spitzen-Grünen drängte Roth, an ihrer neuerlichen Bewerbung für den Parteivorsitz festzuhalten. Fraktionschef Jürgen Trittin, der Sieger der Urwahl, begrüßte auch sofort Roths Entscheidung, wieder anzutreten. „Ich hab' mich darüber gefreut, dass sie sich zu dieser für sie sicher existenziell schwierigen Entscheidung durchgerungen hat“, sagte er.

Das Risiko ist groß: Sollte der Grünen-Parteitag in Hannover gegen Roth entscheiden, wäre ihre politische Laufbahn wohl endgültig zu Ende. Wie sie selbst sagte: "Es ist jetzt an den Delegierten, ob sie mir dieses Amt zutrauen und ob sich mich in diesem Amt haben wollen".

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