Große Koalition
Von der Bundestagswahl zur Bildung der Großen Koalition.

14. Oktober 2012

SPD-Kanzlerkandidat: Steinmeier verzichtet für seine Frau

 Von Steffen Hebestreit
Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender. Foto: dapd

Sein Verzicht auf die Kanzlerkandidatur kam überraschend. Zwei Wochen nach seiner Entscheidung legt Frank-Walter Steinmeier seine Gründe offen.

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Zwei Wochen nach seinem überraschenden Verzicht auf die Kanzlerkandidatur hat Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Sonntag die Motive für seine Entscheidung benannt. In einem Interview mit dem Boulevardblatt Bild am Sonntag sagte der 56-Jährige, er habe aus Rücksicht auf seine Ehefrau Elke auf eine abermalige Kandidatur verzichtet. Im Jahr 2010 hatte Steinmeier seiner erkrankten Frau eine Niere gespendet.

„Die letzten zwei Jahre seit der Transplantation haben gezeigt: auch wenn es überwiegend gut geht − es gibt ein paar Tage mehr im Jahr, an denen ich an der Familienfront gefordert bin“, sagte Steinmeier. Diese Freiheit habe er sich bewahren wollen.
Der Fraktionsvorsitzende betonte aber, er habe nicht die geringste Absicht, sich aus der Politik zurückzuziehen und werde Kanzlerkandidat Peer Steinbrück nach Kräften im Wahlkampf unterstützen. So werde der Kandidat anstelle von Steinmeier am Donnerstag auf die Regierungserklärung von Angela Merkel (CDU) zur EU-Politik antworten. „Peer Steinbrück ist jetzt im Wahlkampf der erste Mann der SPD.“

Nahles will Steinbrück kein Konzept überstülpen

Dieser erste Mann ist gegenwärtig intensiv damit beschäftigt, sich eine Runde aus Vertrauten zusammenzustellen, die ihm Einfluss im Willy-Brandt-Haus sichern soll, bevor er bei einem Parteitag am 9. Dezember offiziell zum Kandidaten gekürt wird. Seine langjährige Büroleiterin Sonja Stötzel gehört erwartungsgemäß genauso dazu wie deren Lebenspartner Heiko Geue, der den Leitungsstab des Bundesfinanzministers Steinbrück führte und zuletzt als Staatssekretär für Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) tätig gewesen ist.

Der frühere Journalist und Ex-Bertelsmann-Manager Hans-Roland Fäßler, der den Kandidatenkandidaten Steinbrück in den vergangenen Monaten in Berlin engstens beraten hat, soll ebenfalls weiter dem Team angehören, aber wohl kein Büro im Willy-Brandt-Haus erhalten. Als neuer Sprecher für Steinbrück wird der Name Michael Donnermeyer genannt, der bereits für die Bundes-SPD und Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit gesprochen hat.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles stellte am Sonntag klar, dass sie als Wahlkampfleiterin Steinbrück kein Konzept überstülpen wolle: „Das letzte Wort hat immer der Kandidat“, sagte Nahles dem Berliner Tagesspiegel.

Zugleich erteilte sie Überlegungen eine Absage, dass die SPD auf eine ausgelagerte Wahlkampfzentrale setzen werde, wie sie dies 1998 und 2002 getan habe. Es dürfe kein Nebeneinander von Willy-Brandt-Haus und einer Kampa geben, sagte Nahles. „Ich freue mich auf die Vertrauensleute des Kandidaten, die wir an zentraler Stelle in unsere Strukturen integrieren“, sagte sie.

Streit um den Wahltermin

Scharf kritisierte Peer Steinbrück am Wochenende Pläne von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), den Termin der Bundestagswahl auf den 29. September 2013 festzulegen. Denn in dieser Woche beginnen in den SPD-Hochburgen Berlin, Brandenburg und Hamburg die Herbstferien. Die Sozialdemokraten fürchten eine niedrigere Wahlbeteiligung, weil Wähler in Urlaub sind.

SPD-Politiker verwiesen auf eine Vereinbarung der Parteien, dass in Schulferien nicht gewählt werde. Hintergrund für den Streit ist die Landtagswahl in Bayern, die nach einer Übereinkunft der schwarz-gelben Koalition in München zwei Wochen vor der Bundestagswahl ablaufen soll. Als Termin wird der 15. September genannt. Auch wenn „eine bayerische Regionalpartei etwas anderes will und der Schwanz mit dem Hund wackelt“, müsse es beim Nein zu Wahlterminen in Ferien bleiben, sagte Steinbrück.

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