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17. Januar 2013

Asien und Afrika: China-Connection

 Von Astrid Ludwig
Freundlicher Empfang: Chinesische Investoren und Politiker sind in Afrika willkommen.  Foto: Christopher Herweg

Die Beziehungen zwischen Asien und Afrika boomen – Forscher aus Frankfurt untersuchen die Folgen der neuen Süd-Süd-Schiene.

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Machtgefüge verändern sich, die Welt verändert sich. Und Europa findet sich zuweilen verdutzt nur mehr am Spielfeldrand des Geschehens wieder. Wie derzeit in Afrika. „Der Kontinent hat früher fast nur mit dem Westen kooperiert und musste dessen Bedingungen akzeptieren“, sagt Stefan Schmid, Geschäftsführer des Zentrums für interdisziplinäre Afrikaforschung an der Frankfurter Goethe-Universität. Doch die Zeiten ändern sich. Auf dem Kompass der Wirtschaftsbeziehungen zeigt die Nadel nun nicht mehr so häufig Richtung Europa oder USA, sondern meist nach Asien.

Die neue „Süd-Süd-Schiene“ nennt das Professor Arndt Graf, Direktor des interdisziplinären Zentrums für Ostasienstudien. Handelsbeziehungen, kulturelle und soziale Kontakte zwischen Afrika und Asien hätten seit rund 15 Jahren wegen des Aufschwungs beider Kontinente „eine enorme Dynamik“ entwickelt, so Graf – die der Westen teils unterschätzt und zuweilen verschlafen hat. Graf und Kollegen schauen dagegen nun ganz genau hin.

Ab dem 1. Februar bilden die Uni-Zentren für Afrika und Ostasien das Verbundprojekt AFRASCO – das steht für Afrika Asiatische Optionen. Die beiden Frankfurter Regionalforschungszentren haben beim Bundesforschungsministerium für die nächsten vier Jahre 3,9 Millionen Euro eingeworben.

Einzigartiges Projekt

Eine Etage wird im Juridicum in Bockenheim für das Cluster reserviert, 15 Neueinstellungen hat es gegeben. Insgesamt 40 Forscher aus elf Disziplinen – vom Politik- über den Wirtschaftswissenschaftler bis zum Geografen oder Ethnologen – werden bis 2017 die neuen Migrationsbewegungen untersuchen und den Auswirkungen der Handelsbeziehungen nachspüren. „Ein bundesweit einzigartiges Projekt“, sagt Graf. Gemeinsam werden das Afrika- und das Ostasien-Zentrum forschen sowie Veranstaltungen und Tagungen anbieten. Einen Themenkomplex umschreibt Graf mit dem Titel „Neue Kooperationen – neue Abhängigkeiten?“ Weitere Schwerpunkte widmen die Wissenschaftler den Märkten und auch den zivilen Netzwerken – im realen Leben oder im Cyberspace. „Wir werden umfangreiche empirische Fallstudien anstellen“, kündigt Schmid an. Für 2014, 2015 und 2016 sind internationale Konferenzen in Malaysia, Südafrika und Frankfurt geplant.

„Afrika ist nicht mehr nur der Problemkontinent“, sagt Schmid, „sondern hat enorme Chancen.“ Das haben vor allem die Chinesen erkannt, die an erster Stelle der Handelspartner stehen, gefolgt von Südkorea, Indien, Malaysia. Asiatische Händler zieht es nach Afrika und afrikanische Studenten nach Asien. Allein in Malaysia studierten rund 23000 Afrikaner, berichtet Graf. Das muslimische Land ist religiös vertraut, die Sprache ist Englisch und das Studium billiger als in Europa, den USA oder Australien. „Die Mittelschicht Afrikas geht zum Studium nach Asien“, so der 48-Jährige.

        

 Arndt Graf (vorne) und Stefan Schmid im Ostasien-Zentrum.
Arndt Graf (vorne) und Stefan Schmid im Ostasien-Zentrum.
Foto: P. Jülich

Zudem gibt es für Afrikaner in Asien keine Visa-Beschränkungen, „während in Europa eher eine Abwehrhaltung gegen Afrikaner existiert – die wollen hierher und uns was wegnehmen“, beschreibt Graf die Lage. China und Indien dagegen nehmen die Einreisenden willig auf. „Beide Länder kommen aus der Armut. Es ist ein Unterschied, ob zwei Entwicklungsländer untereinander Beziehungen aufnehmen oder ob es Länder sind mit einer Kolonial-Vergangenheit und auch Rassismus-Geschichte“, sagt Schmid. In chinesischen Städten wie Hongkong oder Guangzhou gibt es regelrechte afrikanische Viertel.

Nicht alles eitel Sonnenschein

„Aber natürlich ist nicht alles eitel Sonnenschein“, berichten Schmid und Graf. Sowohl in China als auch in Afrika gibt es Abwehr-Reaktionen gegenüber den Migranten. Das reicht bis zu offen rassistischen Ausfällen etwa in Internet-Blogs. Auch wehren sich afrikanische Staaten bei der Rohstoffausbeutung gegen ein allzu forderndes Gebaren der Chinesen. „Die Afrikaner treffen da durchaus selbstbewusst Gegenmaßnahmen“, sagt Schmid.

Die Frankfurter Forscher wollen untersuchen, wie langlebig die Süd-Süd-Connection ist. Und natürlich wird es auch um grundsätzliche Fragen der Entwicklungspolitik gehen. Etwa die, ob die asiatischen Erfahrungen erfolgversprechender für Afrika sind? Verläuft der wirtschaftliche Aufschwung schneller ohne Demokratie, Umweltschutz und Menschenrechte – so wie China es gerade vormacht – und wird dadurch das Rad zurückgedreht?

Fragen, die die Wissenschaftler hoffen, auch über die vier Jahre hinaus stellen und beantworten zu können. Sie setzen auf eine weitere Förderung – als Sonderforschungsbereich der Deutschen Forschungsgemeinschaft, als EU-Projekt oder mit Mitteln aus Berlin. Die Frankfurter wollten eine „langfristige Kompetenz aufbauen“, sagt Graf. Denn auch die neue Süd-Süd-Schiene wird wohl kein Strohfeuer sein.

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