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Erste Arbeiten über den Wandel Offenbachs zur Kreativstadt sind beim HfG-Rundgang zu sehen

        

Kreative fühlen sich wohl in ehemaligen Industriegebäuden wie der Heyne-Fabrik.
Kreative fühlen sich wohl in ehemaligen Industriegebäuden wie der Heyne-Fabrik.
Foto: Rolf Oeser

Wie verändern kreative Milieus Offenbach, und wie schafft es Offenbach, Kreativstadt zu werden? Ganz einfach: Architekturstudenten aus Wuppertal inspizieren die Stadt und befragen Kreative. Elf Porträts und Steckbriefe von Designern, Agenturchefs und Tonstudio-Betreibern geben Auskunft darüber, welcher Künstler sich an welchem Ort in Offenbach eingerichtet hat und warum. Spaß beiseite: Das ist nur ein klitzekleiner Aspekt einer großen Sache.

Künstler suchen das Nordend

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Kai Vöckler liebt Städte und nennt sich Urbanist. Der 50-Jährige hat die Stiftungsprofessur „Kreativität im urbanen Kontext“ an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach inne. Er soll Offenbach auf dem Weg zur Kreativstadt beraten.

Die Arbeiten von „Open Offenbach“ werden als Teil des HfG-Rundgangs am Freitag, 1. Juli, 18 bis 22 Uhr, Samstag, 2. Juli, 14 bis 22 Uhr, und Sonntag, 3. Juli, 14 bis 20 Uhr, im Kulturcafé Hafen 2 gezeigt. mre

Unter dem Titel „Open Offenbach“ haben sich im Sommersemester Professoren und Studenten mehrerer Hochschulen unter der Leitung von Professor Kai Vöckler mit dem Wandel zur Kreativstadt beschäftigt. Erste Ergebnisse können Besucher auf dem 14. HfG-Rundgang am kommenden Wochenende in Augenschein nehmen. Vöckler hat seit Oktober die Stiftungsprofessur „Kreativität im urbanen Kontext“ an der Hochschule für Gestaltung inne. Seine Aufgabe ist, kreative Milieus zu erforschen und Offenbach stadtplanerisch auf dem Weg zur Kreativstadt zu begleiten. „Das war eine dreimonatige Lehrveranstaltung mit Studenten“, versucht Vöckler die Erwartungen zu dämpfen. „Die Szenarien müssen noch vertieft und weiterentwickelt werden.“

Das Gleiche gelte für die über 30 Entwürfe von Architekturstudenten aus Darmstadt und Wuppertal zu einem Neubau für den Hafen 2, der im Nordring 129 errichtet werden soll, und für die Zukunftsszenarien von Industriebrachen wie dem Allessa-Gelände. Es wird auch Kurzfilme und Übersichtskarten geben. „Die Leute sollen sehen und fühlen, was los ist in Offenbach. Man kann sich inspirieren lassen“, sagt Vöckler. Die Stiftungsprofessur läuft fünf Jahre.

Dass sich etwas bewegt, davon ist Vöckler überzeugt. Die Initiativen der Stadt wie der Gründercampus Ostpol und die Möglichkeiten zu Vernetzung und Förderung zeigten Wirkung. Die Kreativen siedeln sich mit Vorliebe im Nordend entlang der Ludwigstraße und ihrer Parallelen sowie in Hafennähe an. Vöckler und die Studenten haben die Studie zur Kreativwirtschaft in Offenbach der Universität Trier von 2007, Künstlernetzwerke und Melderegister ausgewertet.

Ob sich daraus bereits eine Dynamik ablesen lässt, steht für Vöckler noch nicht fest. „So weit sind wir noch nicht.“ Fest steht indes, Künstler suchen, was das Nordend bietet: günstige Mieten, Gründerzeithäuser, leerstehende Fabrikgebäude, zentrale Lage, S-Bahn-Anschluss. Tonstudio-Betreiber gehen eher in Gegenden wie Fredenhagen und Kaiserlei. Kreative haben weniger Berührungsängste den Nachbarn gegenüber – das sind im Nordend zu einem hohen Anteil Menschen mit niedrigen Einkommen, Migranten und Hartz-IV-Empfänger.

Von Verdrängung der Bewohner durch die Kreativen könne jedoch keine Rede sein. „Ich erkenne eher Kennzeichen von Abwertung; das Nordend und das Mathildenviertel werden stärker stigmatisiert“, sagt Vöckler. Warum das so ist? Vöckler möchte keine Begründung liefern. „Das wäre Spekulation.“ Dass kein Verdrängungsprozess entsteht, ist für den Professor ein wichtiges Anliegen. „Wer über die Entwicklung der Kreativwirtschaft nachdenkt, muss die soziale Frage immer mitdenken“, sagt er.

Der Vergleich mit Frankfurt hat dem Professor vor allem eines gezeigt: Die Standorte der Kreativen liegen auf einer West-Ost-Achse. „Frankfurt und Offenbach zu unterscheiden ist unsinnig.“

Autor:  Madeleine Reckmann
Datum:  28 | 6 | 2011
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