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Ausstellung: Schicht für Schicht in den menschlichen Körper

Max Marek schneidet Umrisse von Gestalten in Buchseiten. Innerhalb der Figuren hat er einige Strukturen ausgespart, die von Stegen gehalten werden. Nun stellt die Kunstbibliothek – Städelbibliothek Scherenschnitte des Künstlers aus.

        

Max Marek mag es fitzelig.
Max Marek mag es fitzelig.
Foto: Christoph Boeckheler

So gut wie jeder kennt aus seiner Kindheit diese Bilderbücher, aus denen beim Aufklappen dreidimensionale Strukturen herauswuchsen. Max Marek hat zwar eine ganz andere Zielgruppe. Seine Bücher erinnern aber schon ein wenig an diese Bildbände aus Jugendtagen. Der Berliner Künstler hat den Scherenschnitt schon vor 15 Jahren für sich entdeckt. Mehrere seiner Schnitte übereinander gelegt ergeben ein plastisches Bild. „Mich reizt diese dritte Dimension“, erklärt Marek in der Kunstbibliothek – Städelbibliothek, während die Vitrinen dort gerade mit seinen Exponaten bestückt werden.

Da ist eine gewisse Wurzellosigkeit dabei

„Deswegen mag ich auch das Buch: Ich bearbeite es wie einen Block, ähnlich wie ein Bildhauer, in immer größerer Tiefe. Seite für Seite.“ Alle Werke haben irgendwie mit dem menschlichen Körper zu tun. Das ist sein großes Thema. Marek zeigt einige Seiten, in die er die Umrisse von Gestalten hineingeschnitten hat. Innerhalb der Figuren hat er einige Strukturen ausgespart, die von Stegen gehalten werden. „Das erinnert an Blutgefäße oder Knochen“, erläutert er. Der 54-Jährige stammt aus einer Künstlerfamilie. Seine Eltern waren Deutsche, die nach New York auswanderten, wo er auch zur Welt kam und die ersten 13 Jahre seines Lebens verbrachte. Nach dem Abitur ging er für vier Jahre nach Paris und beschäftigte sich dort mit Grafik und Illustration. Sein internationaler Hintergrund habe ihn beeinflusst, meint er: „Das hat sicher eingewirkt auf meine Arbeit. Da ist eine gewisse Wurzellosigkeit dabei, die ich aber als Vorteil empfinde.“ Seine Arbeitsmethode jedenfalls dürfte einzigartig sein. Auch wenn der Begriff „Scherenschnitt“ es nahelegt, arbeitet Marek meist nicht mit diesem klassischen Instrument, sondern mit chirurgischem Besteck wie Skalpellen – passend zu seinem Hauptthema. Auch für das benutzte Material ist es das richtige Werkzeug. Marek schlägt ein Buch auf: „Das ist Pergament aus Ziegenhaut. Das ist dann schon sehr anatomisch. Das wird warm beim Bearbeiten, das riecht.“

Um die 170 Bücher hat Marek bislang hergestellt

Natürlich ist diese ganze Herumschnipselei vor allem eines: jede Menge Arbeit. Um ein Buch fertigzustellen, braucht Marek mehrere Monate. „Manchmal geht das aber auch wie im Fieberschub und dauert nur einen Tag“, erzählt er. Er schlägt ein Buch auf, in das er überlebensgroß auf jeder Seite die Linien eines Fingerabdrucks hineinschnitten hat. Sieht ungeheuer fitzelig aus, das Ganze. „Ja“, lacht Marek. „Das hier hat wirklich lange gedauert.“ Um die 170 Bücher hat er bislang hergestellt. Von diesem Buch aber gibt es nur fünf Exemplare. „Das werden auch nicht mehr“, sagt Marek. Natürlich kann man sich bei so einer Arbeit mal verschneiden. „Das gibt’s auch“, räumt er ein. „Das ist ganz besonders ärgerlich, wenn es auf der vorletzten Seite passiert.“ Manchmal ist es nicht nur ärgerlich, sondern auch teuer. Pergament ist nämlich nicht ganz billig. Gut, dass ihm so ein Malheur lange nicht mehr passiert ist.

Max Mareks Ausstellung „Implantate“ beginnt heute um 17 Uhr in der Kunstbibliothek – Städelbibliothek in der Senckenberganlage 31. Seine Werke sind dort bis zum 15. April zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Autor:  Nils Sandrisser
Datum:  16 | 2 | 2012
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