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13. November 2012

Autorengemeinschaft: Schreiben gegen das Heimweh

 Von Björn Eenboom
Die Frankfurt Writers' Group in der Rotunde des Campus Westend.  Foto: Martin Weis

An der Goethe-Universität haben sich Autoren zur "Frankfurt Writers' Group" zusammengeschlossen. Die englischsprachige Schriftstellergemeinschaft hat kürzlich die Anthologie "Loose Change" als ihr zweites Buch herausgebracht.

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"Endlich ist es fertig. Das Buch ist richtig gut geworden“, freut sich Patricia Benstein, Lektorin am Institut für England- und Amerikastudien an der Frankfurter Goethe-Universität. Sie sitzt in der Eisenhower-Rotunde auf dem Uni-Campus Westend im Kreise ihrer Autorenkollegen. „Loose Change“ heißt das Buch und ist eine Anthologie mit Kurzgeschichten in englischer Sprache und für das multikulturelle Frankfurt etwas Besonderes: Die Autoren gehören der „Frankfurt Writers’ Group“ an.

„Wir sind eine Gruppe Gestrandeter, die sich aus den unterschiedlichsten Ländern wie etwa den USA, Irland, Frankreich oder Südkorea hier in Frankfurt an der Universität zusammengefunden haben“, berichtet Benstein, die 2008 aus Australien an den Main zugezogen ist. Gegründet wurde die Autorengruppe, die derzeit aus acht Personen besteht, 2002 von der französischen Journalistin Isabelle de Pommereau, die unter anderen den ersten Benefizlauf Race for the Cure in Frankfurt organisiert hat.

Zwei Bücher sind erschienen

„Was uns auszeichnet, ist die Vielseitigkeit. Literarisch kommen wir aus ganz unterschiedlichen Richtungen und verschiedenen Stadien unserer Karrieren hier zusammen“, sagt die Uni-Mitarbeiterin Benstein. Die kürzlich erschienene Anthologie ist bereits das zweite Buch der Schriftsteller-Gemeinschaft.

Frankfurt Writers' Group

Die „Frankfurt Writers‘ Group“ ist eine englischsprachige Schriftsteller-Gemeinschaft an der Goethe-Universität aus dem Raum Frankfurt. Die internationale Gruppe besteht derzeit aus acht Autoren und Autorinnen und ist immer auch an neuen Mitgliedern interessiert. Ein Kontakt zur Gruppe ist möglich über ein eigenes Blog.

Das neue Buch „Loose Change“ ist in englischer Sprache verfasst und ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, teils mit autobiografischem Hintergrund. Erschienen ist „Loose Change“ bei Real-Time Publishing und kostet 9,95 Euro.

Der Titel „Loose Change“ ist ambivalent und soll nicht gemäß der eigentlichen deutschen Übersetzung als „Kleingeld“ verstanden werden. „,Loose Change‘ ist in diesem Fall diese nicht klar zu definierende Veränderung, die alle unsere Kurzgeschichten durchzieht“, erklärt Benstein.
So wie etwa die Geschichte „Street Singer“ der Amerikanerin Bonnie Barski, die unter anderen auch an der Goethe-Universität Deutsche Literatur studiert hat. Ihre Geschichte handelt von der Freundschaft eines Ehepaares aus der Werbebranche mit zwei Straßenmusikern, die in Frankfurt an der Hauptwache mit einem ihrer Lieder Berühmtheit erlangen, darüber hinaus jedoch im Musikgeschäft nicht Fuß fassen können und später auf die schiefe Bahn geraten.

Auch Bensteins autobiografische Erzählung „Transition“, was mit Übergang übersetzt werden kann, befasst sich mit dem Thema Wandel. In dem Text setzt sie sich mit dem Tod ihres Vaters auseinander, der sich nach einer Herzoperation nicht wieder erholte. „Durch diese schmerzliche Erfahrung habe ich den Glauben an die Schulmedizin verloren. Es war ein längerer Prozess des Abschiednehmens von meinem Vater, der für mich zu einem spirituellen Erlebnis wurde. Das Schreiben war auch ein Stück weit Therapie“, erzählt die Australierin

Benstein kann sich nicht an eine Zeit erinnern, in der sie nicht geschrieben hat. Vor allem Sprachen begeistern sie. An der Universität in Melbourne und Paris studierte sie neben Englisch und Französisch auch Russisch und Deutsch. Neben ihrer Lehrtätigkeit an der Goethe-Uni macht Benstein derzeit an der Uni in Aix-en-Provence ihren zweiten Doktortitel in Französisch über die Mystik im 12. Jahrhundert. Mit der „Frankfurt Writers’ Group“ verbindet sie neben der Liebe zum Schreiben das Gefühl der Heimatlosigkeit. „Wenn mein Heimweh nach Australien besonders groß wird, fühle ich mich hier aufgehoben, denn wir können alle etwas mit diesem Gefühl anfangen“, sagt Patricia Benstein.

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