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Campus
Campus-News: Studium und Studenten-Leben an den Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet

03. April 2012

Bafög-Beratung: Ohne Antrag kein Geld

 Von Marek Fritzen
Silke Hering arbeitet gern im Bafög-Amt des Studentenwerks.  Foto: Andreas Arnold

Das Baföggesetz ist ihre Bibel. Silke Hering ist für Studierende die erste Ansprechpartnerin, wenn es um die Ausbildungsförderung geht. In Spitzenzeiten stehen die Antragsteller bei ihr Schlange. Und manchmal haben sie auch noch ihre Eltern im Schlepptau.

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Das gelbe Buch steht immer griffbereit. Silke Hering nennt es ihre „Bibel“. Sie kennt den Inhalt auswendig. „Selbst wenn man mich nachts um zwei Uhr aus dem Bett holen würde, könnte ich die einzelnen Punkte wahrscheinlich sofort aufsagen.“ Ausprobiert habe sie dies allerdings noch nicht, gibt sie zu.

Hering ist 34 Jahre alt. Sie sitzt in ihrem Büro im vierten Stock über der Neuen Mensa auf dem Campus Bockenheim der Goethe-Universität. Wenn das Wetter gut ist, erzählt sie, kann sie direkt von ihrem Schreibtisch aus bis hoch auf den Feldberg schauen. Unmittelbar neben dem Fenster steht der Schrank mit ihrer „Bibel“. Es ist keine herkömmliche Bibel – Herings Buch ist gelb und auf dem Cover steht in schwarzen Buchstaben: Ausbildungsförderungsrecht, 36. Auflage – vereinfacht gesagt: das Bafög-Gesetzbuch.

Silke Hering ist Verwaltungsangestellte im Bafög-Amt des Studentenwerks Frankfurt und damit eine von rund 25 Mitarbeitern des Amtes. Seit 2008 macht sie diesen Job. Mittlerweile ist sie Expertin in Sachen Bundesausbildungsförderungsgesetz, kurz Bafög. „Ich könnte mir keinen besseren Beruf vorstellen“, betont sie.

Mediziner besonders gut organisiert

Jeden Morgen um sechs Uhr beginnt für Hering der Arbeitstag. Dank Gleitzeit könnte sie auch später beginnen, doch das will sie nicht. „Mir macht das frühe Aufstehen nichts aus, im Gegenteil ich brauche das“, erklärt die gebürtige Frankfurterin. Sie nutze die Zeit am Morgen, um besonders komplizierte Anträge zu bearbeiten. „Früh morgens kann ich mich einfach am besten konzentrieren, nachmittags sieht das anders aus.“

Herings Hauptaufgabe liegt darin, Bafög-Anträge der Studenten zu bearbeiten: Wie hoch ist das Einkommen der Eltern, besitzt der Student ein Auto oder leben die Eltern noch zusammen? Das sind Fragen, die Hering klären muss, bevor sie den Studenten Bafög auszahlen kann.

„Die Studenten müssen diese Punkte offenlegen. Wenn nicht alle Unterlagen eingereicht sind, gibt es auch kein Geld.“ Mit der Vollständigkeit aber hätten so einige Studenten ihre Probleme, berichtet Hering. „Es gibt einige Schussel, die kommen dann drei- oder viermal vorbei, bis sie endlich alles eingereicht haben.“ Nur bei den Medizinstudenten sei das anders, „die sind immer sehr organisiert“, so ihre Erfahrung.

Der niedrigste Bafög-Satz liegt bei zehn, der höchste bei 670 Euro pro Monat. Der erste Schritt zum Geld ist der Besuch der Sprechstunde. Dreimal die Woche öffnet Hering ihr Sprechzimmer für jeweils zwei Stunden. „In Spitzenzeiten ist hier dann die Hölle los“, sagt sie. „Es kommt vor, dass in zwei Stunden 30 Studenten vor der Tür sitzen.“ Die meisten seien freundlich und kooperativ.

Nur manchmal werde es auch mal lauter. „Wenn einer schon mit einem dicken Hals hierher kommt und dann noch vor der Tür warten muss, führt das schon mal dazu, dass einer ein wenig ausrastet.“

Immer mehr Eltern in der Sprechstunde

Sie reagiere immer ganz cool. „Es bringt doch nichts, wenn ich dann auch aus der Haut fahre.“ 90 Prozent der Studenten seien ohnehin sehr entspannt, manche sogar ein wenig zu sehr. „Ich erinnere mich an einen jungen Mann“, sagt sie, „der saß vor der Tür und schlief. Der musste wohl ein wenig zu lange warten.“ Sie habe ihn dann sanft aufgeweckt und in die Sprechstunde gebeten.

Besonders der Kontakt mit den Studenten mache ihren Job so besonders, sagt sie. Ihre Ausbildung machte Hering bei der Stadt Frankfurt, danach arbeitete sie bei der Agentur für Arbeit. Zurück will sie nicht: „Mittlerweile kann ich mir sogar vorstellen, hier im Bafög-Amt in Rente zu gehen, die Arbeit hier macht einfach Spaß.“

Was sie in den letzten Monaten vermehrt beobachte, seien Studenten, die mit ihren Eltern in die Sprechstunde kommen. „Eigentlich müssten die Studierenden das doch alleine regeln können, die sind doch alt genug“, findet sie.

Vor ein paar Wochen sei sogar ein Großvater da gewesen, der die Bafög-Angelegenheiten für seinen Enkel habe klären wollen. „Ich habe später herausgefunden, dass der Herr über 80 war, aber er kannte sich super gut aus.“ Ohne Vollmacht geht allerdings nichts. „Wenn die Eltern oder Großeltern keine Vollmacht ihrer Kinder oder Enkel vorlegen können, geben wir auch keine Auskunft.“

Da muss die Mitarbeiterin des Studentenwerks hart bleiben: Auskunft gibt es nur für Bevollmächtigte – auch das steht sicherlich in ihrer gelben Bibel mit den schwarzen Buchstaben.

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