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Geschichtsforschung: Begehbare Erinnerungen

Studenten und Mitarbeiter des Fachbereiches Architektur der TU Darmstadt haben Synagogen aus 15 deutschen Städten rekonstruiert.

        

So sah die  Kölner Synagoge in der Glockenstraße einmal aus.
So sah die Kölner Synagoge in der Glockenstraße einmal aus.
Foto: TUD
Darmstadt –  

Die Nationalsozialisten haben sie zerstört, doch Architekten der TU Darmstadt haben sie wieder aufgebaut – zumindest virtuell. Synagogen aus 15 deutschen Städten haben Studenten und Mitarbeiter des Fachbereiches Architektur seit 1995 rekonstruiert – anhand von alten Fotos und Erinnerungen von Zeitzeugen und überlebenden Synagogen-Besuchern. Die 3D-Darstellungen sollen die Schönheit der Bauten – außen und innen! – wie den kulturellen Verlust, den die Zerstörungen der NS-Zeit angerichtet haben, dokumentieren.

Entstanden aus dieser Arbeit ist eine Ausstellung, die 2000 erstmals in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn präsentiert wurde. Sie ist Grundlage für eine weitere Schau der TUD und des Instituts für Auslandsbeziehungen, die unter dem Titel „Synagogen in Deutschland – Eine virtuelle Rekonstruktion“ ab Ende August auch in den USA zu sehen sein wird. Zurzeit weilt sie bereits in Tel Aviv. Erste Station in den USA ist das Holocaust Memorial Center in Farmington Hills bei Detroit, wo die Ausstellung am 29. August eröffnet wird. Im Anschluss, vermeldet die Uni, verbleibt die Schau im Besitz des Holocaust-Museums, das sie in den kommenden drei Jahren in verschiedenen Museen großer US-Städte zeigen will.

Die Präsentation dokumentiert auch die deutschen „Juden-Gesetze“ und judenfeindliche Verordnungen von 1933 bis 1938, zeigt Fotos von einigen der über 1000 in der Reichspogromnacht zerstörten Synagogen und gibt Informationen über die Geschichte jüdischer Sakralbauten. Hauptthema sind jedoch die Rekonstruktionen. Die Schau zeigt den virtuellen Wiederaufbau von Synagogen aus Berlin, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Frankfurt, Hannover oder auch Köln, Langen, Leipzig sowie München. Ziel war es, sowohl großformatige, dreidimensionale CAD-Projektionen (Computer-Aided Design) wie auch den Arbeitsprozess der Rekonstruktion zu präsentieren. Die Besucher können in einer simulierten Arbeitsatmosphäre mit Schreibtisch, PC, Texttafeln und Büchern die verschiedenen Arbeitsschritte nachempfinden.

Seit 1995 bauen Studenten und Dozenten des Fachgebietes „Informations- und Kommunikationstechnologie in der Architektur (IKA)“ die zerstörten Gotteshäuser am Computer wieder auf. Die Initiative dazu ging 1994 von Studenten aus – nach dem Brandanschlag auf die Lübecker Synagoge. Mit den Rekonstruktionen wollten die Projektleiter Professor Manfred Koob und Marc Grellert an die bauhistorische Bedeutung der Synagogen erinnern. Mit Hilfe der Informations- und Kommunikationstechnologien wollten sie neue Formen eines kulturellen Gedächtnisses schaffen. Mehr als 60 Studenten haben bisher an den Rekonstruktionen gearbeitet. Ergänzt werden sie durch ein interaktives öffentliches Internetarchiv, das Informationen über 2200 deutsche und österreichische Synagogen enthält. Weltweit können Internetnutzer Kommentare, Bilder, Links und Zeitzeugenberichte hinzufügen.

Autor:  Astrid Ludwig
Datum:  13 | 8 | 2010
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