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06. November 2012

Bibliothek Uni Kulturcampus: Millionen Bücher bringen Umzugspläne ins Schlingern

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Wohin mit den acht Millionen Bänden?Foto: Caro / Kaiser

Die alte Bibliothek ist für die Musikhochschule wenig geeignet: Das Gewicht der Büchermassen könnte das Gebäude überlasten. Eine andere Lösung für die Bibliothek muss her. Doch ist ein Neubau im Westend sogar für 50 statt 130 Millionen Euro möglich?

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Uni-Bibliothek

Der Bücherbestand verteilt sich heute auf mehrere Standorte. Im Keller lagern 1,6 Millionen Bände, im angeschlossenen U-Bahn-Magazin (unter der Zeppelinallee) 1,8 Millionen. Außer Haus befinden sich 2 Millionen Bände in diversen Fachbereichsbibliotheken.

Dazu kommen in der Alten Mensa (Bockenheim) 600.000 Bücher und auf den bis 2015 angemieteten Flächen in der Deutschen Nationalbibliothek (gegenüber Hauptfriedhof) 500.000. Für diese Bestände müssen bald Räume gefunden werden.

Bibliotheksbau ist teuer. Teurer als Büro- oder Hörsaalgebäude – wer einmal einen Umzugskarton mit Büchern geschleppt hat, kennt den Grund: Gestapelt entwickelt bedrucktes Papier ein ungeheures Gewicht. Das muss so ein Magazin-Bau verkraften können. Etwas flapsig gesagt: Ein Haus für Bücher ist ein Riesen-Stahlregal, um das man ein bisschen Regen- und Wetterschutz gezogen hat. Wenn dann die Pläne auch noch die zweitgrößte Hochschul-Bibliothek (UB) der Republik vorsehen, wird es richtig teuer: Von bis zu 130 Millionen Euro gehen Goethe-Uni und Land aus, wenn eines Tages an der Hansaallee – gewissermaßen auf der anderen Straßenseite des Campus Westend – ein Neubau für acht Millionen Bände errichtet wird.

Das Geld ist nicht da, und deshalb taucht die UB in den aktuellen Umzugsplänen der Uni nicht auf, die ansonsten Bockenheim bis 2017 geräumt haben will. Für die Bibliothekare wurde zuletzt höchst vage ein Datum um 2020 genannt. Doch ohne Abzug der UB kommen die Pläne für den Kulturcampus schwer ins Schlingern.

In das von Ferdinand Kramer entworfene Gebäude an der Bockenheimer Landstraße soll die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK). Doch die kann mit dem speziellen Bücherbau nur bedingt etwas anfangen: „Wir könnten den vorderen Teil, den Verwaltungstrakt nutzen“, sagt HfMDK-Chef Thomas Rietschel. Sein Raumprogramm sieht 14.000 Quadratmeter vor, davon 1500 für die Verwaltung.

Der Bibliotheksquader hintendran geht mit seiner Raumstruktur an den Bedürfnissen vorbei: Das Grundmaß mit je fünf Metern im Kubus (oder einem mehrfachen davon) ließe sich, legt Rietschel nahe, nur für viel Geld ändern. Noch viel weniger kann er mit den Tiefgeschossen der UB – vor allem da stehen die kilometerlangen Bücherreihen – anfangen. Dazu kommt: Das komplett als Kulturdenkmal geschützte Haus mit Bauweise in Stahl und Beton müsste schallisoliert werden für Probe- und Aufführungsräume. Deshalb plädiert der Präsident dafür, die bisherige Raumplanung für den Kulturcampus „nicht zu zementieren“.

Raum für neue Überlegungen sieht auch Bibliotheksdirektor Berndt Dugall. Er hält einen Neubau im Westend für „sehr überschlägig gerechnet“ 50 Millionen Euro für möglich. Bei dem Abspeck-Programm würde nach wie vor die gesamte Belegschaft umziehen. Aber statt für die auf Zuwachs ausgelegte große Lösung mit acht Millionen Bänden würde nur eine Million mitgehen, insbesondere wertvoller Altbestand und Raritäten. Einen separaten Eingang für die Tiefgeschosse sehen weder Dugall noch Rietschel als Problem. Ob es möglich ist, den alten Kramer-Bau oberirdisch abzutragen und auf die Kellermagazine ein neues Haus für die HfMDK zu setzen, sei jedoch noch nicht durchgerechnet worden.

Das Land und das Präsidium der Goethe-Uni können mit solchen Gedankenspielen wenig anfangen. „Wir konzentrieren uns auf das Dreierpaket“, sagt Unisprecher Olaf Kaltenborn und meint den noch lange nicht eingetüteten Umzug von Mathematik und Informatik plus Chemie-Neubau auf den Riedberg. Beim Land verweist das Wissenschaftsministerium ans Finanzressort, wo es auch nur lapidar heißt: „Wenn die Uni an uns herantritt, können wir gerne darüber reden.“

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