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Campus-News: Studium und Studenten-Leben an den Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet

09. Januar 2013

Botanische Gärten Hessen: Mit der Taschenlampe auf der Pirsch

 Von 
Frederick im Farnhaus.  Foto: Coordes

Nächtliche Führungen, grüne Schulen oder Tropennächte – auch im Winter wollen die Universitäten Besucher in ihre Botanischen Gärten locken.

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Nächtliche Führungen, grüne Schulen oder Tropennächte – auch im Winter wollen die Universitäten Besucher in ihre Botanischen Gärten locken.

Es ist Nacht im tropischen Regenwald. Kleine Lichter leuchten durch das Dunkel. Wasser tropft von den Blättern. Im Gewächshaus des Neuen Botanischen Gartens der Marburger Philipps-Universität ist es ungewohnt ruhig. Nur leises Kinderlachen und die Stimme von Biologin Kerstin Demuth sind zu hören. Die Leiterin der Grünen Schule strahlt eine Kallebasse mit der Taschenlampe an: Daraus werden in Afrika Trommeln und Rasseln gemacht. Sie lenkt das Licht auf eine trompetenförmige, gelbe Blüte, deren Nektar Fledermäusen schmeckt.

Zweimal im Monat tastet sich Kerstin Demuth im Schein von Taschenlampen durch die sechs Gewächshäuser des Botanischen Uni-Gartens. „Man lenkt den Blick auf andere Dinge“, sagt die Expertin. Damit will die Grüne Schule mehr Erwachsene ansprechen, es kommen vor allem Familien.

Giftige Frösche

Eine braun-graue Frucht in Gurkenform hängt in luftiger Höhe. „Das ist der Leberwurstbaum“, erklärt Demuth. „Eh, cool“, sagt der neunjährige Frederick dazu. Mit seiner Taschenlampe strahlt er die Pfeilgiftfrösche unter Glas an. Die Indianer bestrichen einst ihre Pfeile mit dem Gift der Frösche.

Unterdessen hat sich der kleine Trupp um den „Baum der Reisenden“ versammelt, der eigentlich eine Staude von zwölf Metern Höhe ist. Seinen Namen verdankt er dem Wasserreservoir in den Blattstielen, aus dem Reisende ein bis zwei Liter Wasser trinken können, wenn sie die Stiele anbohren. Zudem richtet sich die Staude exakt in Ost-West-Richtung aus. Das stimmt sogar im Gewächshaus. Nur für Affen geeignet sind die kleinen, braunen Wildbananen im Tropenhaus. Die Früchte bestehen aus steinharten Samen mit wenig Fruchtfleisch.

Im Farnhaus schwebt der Geweihfarn wie eine riesige Skulptur über den Köpfen. Die Regenwald-Pflanze mit ihren gefiederten Blättern ist schon 80 Jahre alt. Elias und Daniel staunen über einen jungen Blattaustrieb: Er ist eingerollt wie eine Schnecke.

Im Nutzpflanzenhaus riecht es süßlich. Hier könnte man die Bananen auch essen. Die Früchte des Kakaobaums schmecken dagegen eher bitter. Demuth beleuchtet grüne Maracujas, Reis, Zuckerrohr, Chili, Teeblätter, einen Kautschukbaum und Baumwollpflanzen. An der Vanille können die Gäste schnuppern: „Das riecht richtig gut“, sagt Fredrick. Bei den tiefroten Beeren am Baum handelt es sich um Kaffeekirschen. Noch faszinierender finden die Schüler die großen Achatschnecken, die in Afrika ganze Felder kahl fressen. Hier müssen sie sich mit einem Glashaus begnügen, wo sie mit Salat, Möhren und Äpfeln gefüttert werden.

Stachelige Angelegenheiten

Im Kakteenhaus wird es plötzlich empfindlich kühl – so wie es auch in der Wüste nachts kalt wird. Die Kinder hocken vor einem 80 Jahre alten „Schwiegermuttersitz“ – einer äußerst stachligen Angelegenheit. Einen eigenwilligen Bewohner hat der Teich im Wasserpflanzenhaus: Ein riesiger Wels schwimmt zwischen den Seerosen. „Der heißt Otto“, weiß Kerstin Demuth. Otto geht aber nicht auf die Gärtner zurück. Besucher setzten ihn einst hier aus – ebenso wie Goldfische und Guppies. Und manchmal holen sich die Besucher auch wieder einen Fisch heraus, erzählt die Biologin kopfschüttelnd.

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