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22. August 2012

Burnout, Stress und Depression: Wenn Arbeit krank macht

 Von Lukas Gedziorowski
Rolf Haubl hat zusammen mit Kollegen die Arbeitsbedingungen von Beschäftigten kritisch unter die Lupe genommen.  Foto: Christoph Boeckheler

Eine Studie der Frankfurter Goethe-Uni belegt, dass fehlende Anerkennung zum Burnout führen kann. Das Risiko besteht über alle hinweg gleichermaßen.

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Das ökonomische System gibt den Takt der Arbeit vor“, sagt Rolf Haubl, Professor für psychoanalytische Sozialpsychologie an der Frankfurter Goethe-Uni. Und dieser Takt macht immer mehr krank, emotionale Erschöpfung ist die Folge, im Extremfall spricht man von Burnout. „Es ist schwierig, das Ausmaß einzuschätzen“, so Haubl. Es sei aber mittlerweile „epidemisch“ geworden; Studien sprechen von Millionenzahlen.

Wie es um die Arbeitsbedingungen in Profit- und Non-Profit-Organisationen steht, hat der Professor nun in einer Studie zusammen mit Kollegen der Goethe-Universität, des Sigmund-Freud-Instituts und der Technischen Universität Chemnitz untersucht. 893 Supervisoren wurden gefragt, wie sie und wie die Mitarbeiter der jeweiligen Unternehmen Arbeitsbedingungen wahrnehmen. Das Ergebnis: Über alle Branchen hinweg riskieren die Beschäftigten ihre Gesundheit.

90 Prozent der Befragten sagten, dass die Angestellten unter dauerhaftem Leistungsdruck stehen. Bei einer Studie im Jahr 2008 waren es noch knapp 80 Prozent. Viele Beschäftigte hätten zudem den Eindruck, dass ihre Arbeitsleistung nicht genug gewürdigt wird. Viele Supervisoren stellen ein schlechtes Betriebsklima fest.

Beschäftigte demoralisiert

Die Studie zeigt die Zusammenhänge auf: Fehlende Anerkennung und nicht realisierte Leistungsgerechtigkeit führen zu Überforderung, die wiederum die Beschäftigten demoralisiert und sich erschöpft fühlen lässt. Sie werden zynisch, es fällt ihnen immer schwerer, ihre Arbeit noch als sinnstiftend zu empfinden. Dabei sei dies ihr Bedürfnis, sagt Haubl.

Es gibt vier Faktoren, die eine psychische Erkrankung abfedern. Einer davon ist die soziale Anerkennung. Fühlt sich der Mitarbeiter wichtig, nützlich und wertvoll, ist er widerstandsfähiger gegen Belastungen. Oft sei es schon hilfreich, wenn der Vorgesetzte den Namen seiner Mitarbeiter kenne oder zum Geburtstag gratuliere, betont der Sozialpsychologe. Ein weiterer Faktor ist die Leistungsgerechtigkeit, die sich in angemessener Bezahlung, auch der Überstunden, zeigt. Schließlich spielen auch Kollegialität und Führungskompetenz eine Rolle. „Von Führungskräften werden Halt und Orientierung erwartet.“

Die Bereitschaft, aus Angst vor der Arbeitslosigkeit, sich selbst auszubeuten, nimmt zu. „Man wird erpressbar“, sagt der Professor. So kommt es zu sogenanntem Präsentismus, die Beschäftigten erscheinen zur Arbeit, auch wenn sie krank sind. Schuld daran sei ein „neoliberales Arbeitsethos“, wie es seit Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre Einzug hält.

Haubl empfiehlt, in eine nachhaltige Personalpolitik zu investieren und Angestellte nicht mehr als reine Kostenfaktoren zu betrachten. Die Politik solle die Rahmenbedingungen dafür schaffen. „In Deutschland steigt das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden. Damit wird auch die Zustimmung zur Demokratie abgebaut.“

Ein Vortrag zum Thema „Burnout? Zu den Sonnen- und Schattenseiten der Arbeit“ wird am Samstag, den 25.08.12 um 19 Uhr, auch in der historischen Aula der Goethe-Uni, Mertonstraße, Bockenheim, angeboten.

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