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Campus: Strahlender Revolutionär

Für Wissenschaftler, die Georg Büchner erforschen, ist das Zentrum in Marburg ein Muss - obwohl der Dichter selbst nie in der Stadt war.
Für Wissenschaftler, die Georg Büchner erforschen, ist das Zentrum in Marburg ein Muss - obwohl der Dichter selbst nie in der Stadt war.
Foto: dpa

Für Wissenschaftler, die Georg Büchner erforschen, ist das Zentrum in Marburg ein Muss - obwohl der Dichter selbst nie in der Stadt war.

Hessen feiert seinen Revolutionär. 2012 und 2013 sind Gedenkjahre für den Schriftsteller, Naturwissenschaftler und Revolutionär aus Goddelau. An den Geburts- und Todestag von Georg Büchner erinnern landesweit Ausstellungen, Theater und Lesungen. Doch wer über den Weltliteraten forschen will, der geht nach Marburg. Dabei war der berühmte Dichter selbst nie in der Uni-Stadt. „Soweit man weiß, ist er nur bis zur Badenburg bei Gießen gekommen“, sagt der Literaturwissenschaftler Burghard Dedner. Trotzdem kommen Wissenschaftler aus der ganzen Welt, wenn sie über Georg Büchner (1813–1837) forschen wollen. Marburg beherbergt das Zentrum der deutschen Büchner-Forschung – die Forschungsstelle Georg Büchner, die Arbeitsstelle Büchner-Ausgabe und die deutsche Büchner-Gesellschaft.

Sein Werk ist bis heute aktuell

Zwischen Büchner und Marburg gibt es eine alte Verbindung: In der Buchhandlung Elwert wurde vor 180 Jahren Büchners Hessischer Landbote gedruckt – die bedeutendste politische Flugschrift zwischen den Bauernkriegen und dem „Kommunistischen Manifest“. Unter dem berühmten Titel „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ hatte ein Setzer die zweite Auflage des verbotenen Werks fertiggestellt. Ohne Wissen des Besitzers, der glaubhaft versichern konnte, mit den Umstürzlern nichts zu tun zu haben. Bis heute finden sich Druckexemplare, Flugschriften des Republikanerzirkels, Verhörprotokolle im Hessischen Staatsarchiv in Marburg.

        

Burghard Dedner, emeritierter Germanistikprofessor, leitet die Forschungsstelle.
Burghard Dedner, emeritierter Germanistikprofessor, leitet die Forschungsstelle.
Foto: Heine-Institut

Dass die Arbeitsstelle vor rund 30 Jahren eröffnet wurde, lag aber auch an dem Literaturwissenschaftler Thomas Michael Mayer, der hier eine preisgekrönte Dissertation über Büchner schrieb und die Einrichtung initiierte. Für Dedner, seit den 80er Jahren Leiter der Stelle, ist Büchner eine „strahlende Person mit einem Haufen Widersprüchen“. Der in Darmstadt aufgewachsene Schriftsteller, der in Gießen und Straßburg Medizin studierte, wurde nur 23 Jahre alt. Er starb als Anatomiedozent im Züricher Exil an Typhus. Trotzdem gehört „Dantons Tod“ zur Weltliteratur. Mit „Lenz“ beginnt die moderne deutsche Prosa. Büchner-Gesellschaften gibt es sogar in Korea und Japan. „Woyzeck“ ist seit Jahren Abithema. Schüler merkten es „vielleicht nicht ganz“, so Dedner: „Aber sein Werk ist ausgesprochen witzig und pointenreich.“

Büchner forderte die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz

Hauptaufgabe der Arbeitsstelle ist die Erforschung der Literatur und Geschichte des Vormärz sowie die Edition seiner sämtlichen Schriften. Zwölf der geplanten 17 Bände liegen bereits vor. Sie haben jeweils 250 bis 680 Seiten. Darin sind die teils kaum zu entziffernden Handschriften, Redigiereingriffe, Material zur Textentstehung und historische Hintergründe akribisch dargestellt.

2012 sollen die beiden Bände zum Hessischen Landboten erscheinen, mit dem Büchner Bauern und Handwerker für die Republik gewinnen wollte. Er zeigte ihnen, wie sie mit ihren Steuern die Reichen finanzieren. Büchner forderte die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz, bei der politischen Teilhabe und in der Ökonomie. Er wollte, dass der Staat nur durch Steuern auf Vermögen finanziert wird, erklärt Dedner. Damit seien seine Schriften bis heute aktuell: „An der Frage der ökonomischen Gleichheit basteln wir immer noch herum“, sagt der emeritierte Germanistikprofessor.

Einmal hat die Forschungsstelle sogar bis in die Tagesthemen hinein für Furore gesorgt. 1993 wurden zwei verschollene Briefe Büchners auf einem Dachboden in Butzbach entdeckt. Das war so bemerkenswert, weil sich überhaupt nur elf Briefe von ihm erhalten haben. Einer liegt seitdem gut gesichert in der Marburger Unibibliothek. Darin redet Büchner seinen Mitrevolutionär Georg Geilfus mit seinem Spitznamen „Werthester Hund!“ an. Geilfus wurde zu diesem Zeitpunkt wie Büchner steckbrieflich gesucht.

Forschungsstelle Georg Büchner, Biegenstraße 36, Tel. 06421-2824182.

Autor:  Gesa Coordes
Datum:  4 | 2 | 2012
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