Es ist eine Art Positionsbestimmung. In welchem Verhältnis steht die Islamische Theologie zu anderen Wissenschafts-Disziplinen und Religionen? Eine der derzeit vielen Fragen, die sich die Organisatoren des neuen Faches „Islamische Studien“ an der Goethe-Universität stellen. Mit einer Ringvorlesung von Ende April bis Juli wollen sie den vielen Facetten nachspüren. Die Reihe zur Islamforschung im europäischen Kontext steht unter dem Titel: „Theologie als Wissenschaft: Interdisziplinarität und Verhältnisbestimmung der Islamischen Theologie zu anderen Disziplinen.“
Professor Ömer Özsoy leitet das Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam an der Goethe-Uni. Er spricht vom „Frankfurter Modell“, das versuche, den klassischen Disziplinenkanon mit geistes- und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen zu konfrontieren. „Deshalb haben wir Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen gebeten, Denkanstöße für den weiteren Dialog zu geben“, so Özsoy. Eingeladen sind Vertreter der christlichen Theologie, der Islamwissenschaft, aber auch der Philosophie, Soziologie und der Politologie.
Verortungsprozess
Auch Mitorganisator Ertugrul Sahin schreibt diesen Diskussionen eine „ausschlaggebende Bedeutung für den akademischen Verortungsprozess des neuen Faches Islamische Studien“ zu. Von den disziplinären Grenzziehungen werde es abhängen, ob und wie die große Zahl der überwältigenden gesellschaftspolitischen Erwartungen von Islamischen Studien erfüllbar seien. In Frankfurt entsteht zusammen mit der Uni Gießen eines der vier bundesweiten Zentren für Islamische Studien, die Theologen und Religionslehrer auszubilden sollen. Berlin fördert das Zentrum mit vier Millionen Euro. Die Goethe-Uni hat als erste Hochschule in Deutschland im vergangenen Wintersemester den Bachelorstudiengang „Islamische Studien“ gestartet.
Die Ringvorlesung startet am Dienstag, 26. April, mit dem Thema „Dogmatik und Vernunft: Hermeneutische Grundlagen der katholischen Theologie“. Professor Knut Wenzel vom Fachbereich Katholische Theologie der Goethe-Uni referiert. Am 10. Mai spricht Professor Tilman Allert vom Fachbereich Gesellschaftswissenschaften über „Der Islam in der monotheistischen Trias – Zum explanativen Potenzial der Religionssoziologie Max Webers“. Am 17. Mai geht es um „Christliche und Islamische Theologie. Eine Verhältnisbestimmung aus der Perspektive Komparativer Theologie“. Klaus von Stosch von der Universität Paderborn spricht.
Die Vorlesungen sind immer dienstags, 18 bis 20 Uhr, im Hörsaalzentrum auf dem Campus Westend, www.uni-frankfurt.de/fb/fb09/islam/forschung/ringvorlesungen/Ringvorlesung_SoSe_2011.html