Alltag kehrt ein: Der Stundenplan steht, die Professoren sind bekannt. Die Orientierung wird immer besser, panische Raumsuche gehört vorerst der Vergangenheit an. Selbst die morgendliche U-Bahn lässt sich, mit halb geöffneten Augen, im Halbschlaf, zielsicher finden.
Das Semester beginnt. Planlos auf dem Campus? Das muss nicht sein. Hier geht's zu unserer Themenseite Uni-Start.
Dass an der Universität nach einer hektischen Anfangswoche so langsam Routine einkehrt, hat für mich als Erstsemester nicht nur Vorteile. Die akute Unlust, die so manchen Schüler während seiner scheinbar nicht enden wollenden Laufbahn packt, kann sich als gefährliche Krankheit entpuppen. Besonders natürlich an der Universität, wo doch selbstständiges Lernen extrem wichtig ist, wie nahezu jeder Professor jede Woche in jeder Vorlesung betont.
Nur wenige Tage, gerade mal ein verlängertes Wochenende trennen diese Bilder. Am 11. Oktober der große Tag der Erstsemester, Rumlaufen, sich orientieren, sich verlaufen und sich wiederfinden, sich dann zurechtfinden. Eine Unistart-Party später kehren die höheren Semester zurück an die Alma mater, orientieren sich auch wieder neu - nur viel ruhiger, fast schon wie im Semester-Alltag...
Foto: Martin WeisVielleicht ist das aber auch nötig, schwindet doch angesichts langer Lektüre schnell die Motivation. Und genau in diesen Momenten fühle ich mich unweigerlich in meine Schulzeit zurückversetzt. Dabei hatte ich mir doch geschworen: Auf der Uni wird alles besser. Noch gelingt es.
Andere Studenten scheinen da nicht ganz so erfolgreich zu sein. Bekannte Gesichter verschwinden aus eigentlich begehrten Seminaren. Ob sie sich etwa für ein anderes entschieden haben? Oder sitzen sie nur im nächsten Café, erfreuen sich an brühwarmem Kaffee und mäßig frisch belegten Brötchen? Anwesenheitspflicht herrscht nicht und ein Großteil des Vorlesungsmaterials steht online. Die Versuchung ist groß.
Luis Reiß ist 18 Jahre alt und hat zum Wintersemester 2012/13 sein Politik- und Jura-Studium an der Frankfurter Goethe-Universität aufgenommen.
Über seine Erfahrungen und Erlebnisse im ersten Semester wird er für die Campus-Seite der Frankfurter Rundschau berichten.
Überhaupt ist das Internet mittlerweile die Heimat studentischer Selbstverwaltung. Viel Material lässt sich online finden, aufgeteilt in Pflicht- und Zusatzlektüre, in Vorlesungs- und Übungsmaterialien. Wer einen begehrten Kurs belegen möchte, der ist nicht zuletzt auf das Internet angewiesen. Und wenn sich etwa 700 Politik-Studenten gleichzeitig um begehrte, aber auch begrenzte Plätze für Tutorien zu zivilen Zeiten anmelden wollen, dann versagt die Uni-Lernplattform OLAT auch schon einmal den Dienst.
Eine Erfahrung, auf die ich gerne verzichtet hätte. Nicht nur Nerven hat der Internet-Wettstreit um die schnellste Verbindung zur Lernplattform nämlich gekostet, auch beschert er mir regelmäßiges frühes Aufstehen.
Wer zu spät kommt, der verpasst das Beste. Oft bewiesene Weisheiten des Alltags gelten eben auch an der Uni.