In Marburg wird eine Fachhochschule für Vermögensberater eingerichtet. Ab Oktober 2013 sollen zunächst 35 Abiturienten aus dem Bundesgebiet mit dem dreijährigen Studiengang starten. Betrieben wird die Marburger FH von der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) und der FH der Wirtschaft in Paderborn. Der Finanzdienstleister erhofft sich eine „Kaderschmiede für Führungsnachwuchs“.
Das praxisorientierte Studium findet nur zu einem Drittel an der Hochschule statt. Zwei Drittel der Zeit werden die Studenten in den Direktionen der Deutschen Vermögensberatung eingesetzt. „Ein klares Signal für eine noch fundiertere Ausbildung unseres Nachwuchses“, so der Vorstandschef und Gründer der DVAG, Reinfried Pohl. „In Marburg wollen wir die Studierenden nachhaltig für Managementaufgaben im Vertrieb qualifizieren.“
Das Unternehmen beteiligt sich an der Einrichtung einer Stiftungsprofessur und finanziert Stipendien für die Hochschüler. Erfolgreiche Praktiker der Deutschen Vermögensberatung treten in den Theoriephasen als Lehrbeauftragte auf. Die FH soll in dem bisherigen Hotel „Waldecker Hof“ eingerichtet werden, das die DVAG kürzlich gekauft hat. Es liegt keine 200 Meter vom Zentrum für Vermögensberatung am Lahnufer entfernt. In den kommenden Monaten soll es renoviert und mit Vorlesungs-, Arbeits-, Büro- und Bibliotheksräumen ausgestattet werden.
Mit 37.000 Beratern ist die 1976 gegründete Deutsche Vermögensberatung einer der größten eigenständigen Finanzbetriebe weltweit. Die Praktiken der DVAG-Vertreter wurden von Verbraucherschützern indes immer wieder kritisiert. Gründer Reinfried Pohl ist zugleich ein großer Mäzen der Stadt Marburg. Der Uni schenkte er vor einem Jahr ein hochmodernes medizinisches Lehrzentrum mit Kindertagesstätte. Er finanzierte Stiftungsprofessuren für Kardiologie, ein Lektorat für Portugiesisch sowie eine Forschungsstelle für Finanzdienstleistungsrecht.
In der Marburger Nordstadt gehören dem Milliardär so viele Bauten, dass manche schon von „Pohlhausen“ sprechen. So errichtete er ein Fünf-Sterne-Hotel, ein Kongresszentrum, ein Café, eine Lahnallee, eine Brücke und ein Verwaltungsgebäude. Erst Anfang 2012 gab es Ärger, nachdem der Unternehmer der Stadt vier Millionen Euro schenkte. Es entbrannte eine „kleine Wulff-Debatte“. Die aktuelle Entwicklung beurteilt Oberbürgermeister Egon Vaupel jedoch positiv. Die Stadt werde durch die Initiative der DVAG als Wissenschaftsstandort aufgewertet, weitere rund 100 Studenten würden künftig in Marburg leben und wohnen.“ (gec.)